Sri Lanka

Auch Wochen nach offiziellem Ende der Kämpfe in Norden Sri Lankas sind die Bedürfnisse groß

Ärzte ohne Grenzen hat in den vergangenen fünf Monaten in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium in der Region Vavuniya im Norden Sri Lankas mehr als 5.000 chirurgische Eingriffe vorgenommen. Die meisten Verletzungen waren Folgen des Konflikts. Die Arbeit konzentriert sich jetzt auf die postoperative Pflege und stationäre Behandlung der Vertriebenen.

Seit dem offiziellen Ende der Kämpfe zwischen der srilankischen Armee und den Rebellen Liberation Tigers of Tamil Eeelam (LTTE) vor sieben Wochen, kommen mittlerweile weniger Patienten in die Krankenhäuser. Es gibt aber immer noch mehr Kranke als verfügbare Betten.

Im Juni waren die nahezu 1.200 chirurgischen Eingriffe und die postoperative Pflege der Verwundeten noch Schwerpunkt der Aktivitäten. „Jetzt kommen nach und nach auch die kranken Vertriebenen zu uns ins Krankenhaus“, sagte Hugues Robert, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Sri Lanka. „Man darf nicht vergessen, dass sich die Bevölkerung in der Region Vavuniya in nur wenigen Monaten durch die mehr als 260.000 Vertriebenen verdoppelt hat. Es gibt viele schwangere Frauen, viele Kinder mit Atemwegserkrankungen, Fälle von Mangelernährung und Durchfall. Das Gesundheitsministerium hat große Kapazitäten entwickelt, betrachtet man aber das Ausmaß der Bedürfnisse, gehen wir davon aus, dass die Unterstützung und das Wissen von Ärzte ohne Grenzen weiterhin nötig sein werden.“

Ärzte ohne Grenzen hat gegenüber dem Vertriebenenlager Manik Farm ein Krankenhaus errichtet. 600 Patienten wurden seit der Eröffnung am 22. Mai behandelt. Die Mehrheit der Patienten sind Vertriebene, die vom Gesundheitsministerium, das in dem Lager arbeitet, überwiesen wurden. Andere kommen aus Krankenhäusern, die selber keine Kapazitäten haben. Sie werden mit einem Krankenwagen gebracht und abgeholt, der von einem Sicherheitsbeamten begleitet wird. „Die Mehrheit der Verletzungen sind bereits alt, und wir sehen viele Atemwegs- und Hauterkrankungen“, erklärte Marie-Noelle Rodrigue, Notfallchirurgin von Ärzte ohne Grenzen in Sri Lanka. „Da wir keine medizinischen Aktivitäten in dem Lager Manik Farm haben, wissen wir wenig über die generelle Gesundheitssituation der Menschen, die aus der ehemaligen Konfliktzone geflohen sind.“

Ein Teil der Vertriebenen muss für Tage oder sogar Monate im Krankenhaus bleiben. Viele sind traumatisiert oder werden ihr Leben lang behindert sein. Sie werden in der Ayurvedischen Klinik des Gesundheitsministeriums in Pampaimadu gepflegt, in der Physiotherapeuten von Ärzte ohne Grenzen arbeiten. Die Organisation Handicap International stellt Krücken und Rollstühle zur Verfügung. „Ich werde das zerstörte Gesicht einer Frau und ihrer acht Jahre alten Tochter nicht vergessen, die als einzige von vier Kindern überlebt hat“, erinnerte sich eine Krankenschwester. „Die Frau ist oft bewusstlos, nur um den Schmerzen zu entkommen, die sie trotz der Medikamente hat. Sie hat mehrere Hauttransplantationen hinter sich, da sie von Bombensplittern getroffen wurde. Ich erinnere mich auch an einen sieben Jahre alten Jungen, der seit dem Tod seines Vaters nicht mehr spricht und praktisch nichts mehr isst. Er war schwer mangelernährt, als er im Krankenhaus ankam. Er hat zwar wieder an Gewicht zugenommen, bis zu seiner Entlassung hat er aber kein Wort gesprochen.“

Aktivitäten im städtischen Krankenhaus in der Stadt Vavuniya

Ärzte ohne Grenzen hat seit Februar ungefähr 4.000 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Außerdem hat die Organisation in der pädiatrischen Abteilung ein Ernährungszentrum mit neun Ernährungsassistenten eingerichtet und etwa Hundert Hilfspfleger angestellt, die den Kranken helfen, die zu schwach sind, alleine zu essen und sich zu waschen. Sie verteilen bei Bedarf Gebrauchsgegenstände wie Decken und Kleidung an die Neuankömmlinge.

Aktivitäten in der staatlichen Ayurvedischen Klinik in der Stadt Pampaimadu

Mehr als 170 Verletzte erhielten seit Mai von Ärzte ohne Grenzen postoperative Pflege und Physiotherapie. Für leichte Eingriffe wurde ein kleiner Operationssaal eingerichtet. Zwei Physiotherapeuten und fünf Assistenten trainieren die Menschen, damit sie sich wieder bewegen können. Bisher haben 150 Menschen von der Behandlung profitiert.

Aktivitäten im Krankenhaus gegenüber dem Lager Manik Farm

Das von Ärzte ohne Grenzen errichtete Krankenhaus hat derzeit eine Kapazität von 150 Betten und ist mit zwei Operationssälen und einer Intensivstation ausgerüstet. Seit Ende Mai wurden 600 Patienten eingewiesen, ein Viertel davon sind Kinder unter fünf Jahren. Das chirurgische Team hat mehr als 300 Verletzungen behandelt, von denen mehr als ein Drittel auf die Gewalt während der Kämpfe zurückzuführen ist. Außerdem sind seit Ende Mai 210 Menschen ambulant behandelt worden.

Aktivitäten auf der Halbinsel Jaffna

Außerdem leistet Ärzte ohne Grenzen seit dem Jahr 2006 im Krankenhaus in der Stadt Point Pedro auf der Halbinsel Jaffna im Norden Sri Lankas chirurgische Unterstützung sowie Not- und Geburtshilfe. Seit dem Jahr 2008 in dem Ort Chavakachcheri ebenfalls chirurgische Unterstützung und Schwangerschaftshilfe. Darüber hinaus hilft Ärzte ohne Grenzen schwangeren Frauen im Vertriebenenlager in Jaffna.

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