Demokratische Republik Kongo

Außergewöhnlich heftiger Malaria-Ausbruch: 40.000 Kranke versorgt

Seit dem 9. Mai bekämpfen Ärzte ohne Grenzen und das Personal der Gesundheitszentren Pawa und Boma-Mangbetu in der Provinz Haut-Uélé einen außergewöhnlich heftigen Malariaausbruch. Mehr als 40.000 an einfacher Malaria erkrankte Menschen wurden bereits behandelt und 1.600 Kinder, die an einer schweren Form erkrankten, mussten stationär betreut werden.

Seit über einem Monat unterstützt ein Notfallteam Ärzte ohne Grenzen medizinische Einrichtungen in Pawa und Boma-Mangbetu: „Gleich bei unserer Ankunft versorgten wir 32 Gesundheitszentren der Region mit Malaria-Schnelltests und Medikamenten, damit Menschen mit einfacher Malaria sofort behandelt werden können und es zu keinen Komplikationen kommt. Angesichts der hohen Zahl von Patienten hatten die Kliniken keine Medikamente mehr. Um weitere Versorgungsengpässe zu vermeiden, setzen wir unseren logistischen Support fort“, erklärt Stéphane Reynier de Montlaux, Notfall-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Pawa.

Abteilungen für Intensivpflege in Spitälern eingerichtet

In den Referenzspitälern in Pawa und Boma hat Ärzte ohne Grenzen zudem spezielle Behandlungs- und Intensivpflegeabteilungen eingerichtet, zusätzliche Ärzte und Pflegepersonal eingesetzt sowie fehlendes Material und Gerätschaften zur Verfügung gestellt wie Betten, Matratzen und medizinisches Bedarfsmaterial. Auch die konstante Stromversorgung wurde sichergestellt. Mehr als 80 Prozent der hospitalisierten Patienten sind Kinder unter 12 Jahren, die besonders anfällig für die Krankheit sind. „Die jungen Patienten sind bei ihrer Einweisung häufig in ernstem Zustand. Viele leiden an akuter Blutarmut und brauchen eine Transfusion. Doch wir haben nicht genügend Blutspender, um die Blutbanken der Spitäler zu versorgen. Zahlreiche Patienten sind zudem schwer mangelernährt, weshalb wir das lokale Personal speziell dafür schulen“, fährt Stéphane fort.

Menschen in abgelegenen Gebieten den Behandlungszugang erleichtern

Im Gesundheitszentrum von Babonde, das auf halber Strecke zwischen Boma und Pawa liegt, hat die Organisation eine weitere Behandlungseinheit eingerichtet, damit auch Menschen eine Anlaufstelle haben, die sich die Reise ins Spital nicht leisten können. Tatsächlich befinden sich einige abgelegene Dörfer 50 Kilometer vom nächsten Spital entfernt, die Straßen sind kaum befahrbar und die Transportkosten sind für viele Familien unerschwinglich. Ärzte ohne Grenzen hilft deshalb, die Überweisung von schwer kranken Patienten in Spitäler zu organisieren, verstärkt das lokale Personal und leistet Aufklärungsarbeit, damit Erkrankte so schnell wie möglich behandelt werden.

Auch andere Bezirke schlagen Alarm. So wurde in den vergangenen Monaten in der Region Dingila, in der Provinz Bas-Uélé, eine Zunahme der Malaria-Erkrankungen registriert. Mittlerweile hat sich die Lage gemäß einem Team von Ärzte ohne Grenzen vor Ort stabilisiert. Dennoch bleibt die Zahl der Erkrankungen hoch, und in vielen Gesundheitseinrichtungen ist der Mangel an Medikamenten ein großes Problem. Unser Team prüft nun Möglichkeiten, schwer erkrankte Patienten zu betreuen und bei einer weiteren Zunahme das lokale Gesundheitssystem zu unterstützen.

Erkrankungsrate lässt nach, aber noch zu früh für Entwarnung

„Bisher hatten wir es erst einmal mit einer ähnlichen Situation zu tun, das war im Jahr 2012. Damals hatte Ärzte ohne Grenzen zwischen Juni und Oktober in den Regionen Ganga-Dingila, Pawa, Poko und Boma-Mangbetu über 60.000 Kinder behandelt. Dieses Jahr begannen wir schon früher und arbeiteten eng mit der Gesundheitsbehörde zusammen, um möglichst effizient gegen diesen Ausbruch vorzugehen. In weniger als einem Monat kamen rund 40.000 Menschen in unsere Gesundheitszentren in Pawa und Boma, wovon bei 95 Prozent Malaria bestätigt wurde. Mehr als 1.600 Kinder mit einer schweren Krankheitsform mussten stationär behandelt werden. Auch wenn in einigen Gesundheitszentren die Erkrankungsrate nachzulassen scheint, gilt das nicht für alle Regionen und es ist deshalb noch viel zu früh, um Entwarnung zu geben“, betont der Nothilfe-Koordinator.

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