Zentralafrikanische Republik

Bevölkerung flieht aus Angst vor Angriffen aus mehreren Städten

Die Rebellen-Koalition Seleka hat in den vergangenen Tagen mehrere Orte im Norden der Zentralafrikanischen Republik angegriffen und hat am 20. Dezember in der Stadt Batangafo Stellung bezogen, wo Ärzte ohne Grenzen das wichtigste Krankenhaus unterstützt. Am Tag zuvor war dieser Vormarsch von den Rebellen angekündigt worden, woraufhin die Streitkräfte der Zentralafrikanischen Republik (FACA) sowie Polizei und Behördenvertreter die Stadt verlassen haben. Auch ein erheblicher Teil der Bewohnerinnen und Bewohner verließ Batangafo aus Angst. Ärzte ohne Grenzen bleibt vor Ort und setzt seine Arbeit im Krankenhaus fort. Auch in anderen Städten leistet die Organisation Hilfe, zudem wurden zwei zusätzliche Notfall-Teams eingerichtet, um auf weitere Entwicklungen schnell reagieren zu können.

Die Anzahl der Konsultationen ist in Batangafo von 193 am Tag vor dem Einmarsch auf 38 am Einmarschtag selbst gesunken. Auch andere Orte sind betroffen. Am Tag vor dem Eindringen der Rebellen haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen noch Bewohner von Batangafo befragt. Die Aussagen der Menschen legen Zeugnis ab von der Angst unter der die Bevölkerung leidet und von den Auswirkungen, die der seit zehn Jahren bestehende Konflikt auf ihr Leben hat. Sie können der Gewalt oft nur durch die Flucht in den Busch entgehen: „Ich bin sehr besorgt. Gestern sind die Kinder in der Schule in den Busch geflohen, als sie hörten, dass die bewaffneten Truppen in der Stadt ankommen. Wir wussten nicht, wo sie waren. Wir sind sehr verängstigt“, sagte Ghislaine, eine 55jährige Frau.

Jahrelange Angst vor Angriffen

Die Anästhesie-Schwester Enoch Nodl-ya, die mit Ärzte ohne Grenzen am Batangafo Krankenhaus arbeitet, bestätigt dies: „Seit zehn Jahren hält die Bevölkerung in dieser Region die regelmäßige Präsenz und Angriffe von bewaffneten Männern aus. Die Menschen sind verängstigt und flüchten schnell in den Busch. Als Folge gebären viele Frauen dort ohne jegliche Hilfe. Die meisten Verletzten oder Kranken zögern, ärztliche Hilfe aufzusuchen, weil sie dafür wieder in die von Gewalt betroffenen besiedelten Gebiete kommen müssten. Wenn die Gewalt dann einmal aufhört, sehen wir oft Patienten, die in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit zu uns kommen.“

Kämpfe in Kabo und Bria

Wenige Tage zuvor hatte es auch Kämpfe in der Stadt Kabo, im Nordwesten, und Rebellenangriffe auf Bria, im Osten, gegeben. In Kabo sind unter den Gewalttätigkeiten eine Vergewaltigung und zahlreiche Plünderungen dokumentiert. Die Einwohner hatten sich zunächst in die Natur in der Umgebung geflüchtet, kehren nun aber langsam und voller Furcht in die Stadt zurück. Ärzte ohne Grenzen hatte den Betrieb des dortigen Krankenhauses aufrechterhalten und bereits vier Verwundete versorgt. Auch die Patientin, die vergewaltigt worden war, wurde medizinisch und psychologisch betreut. Auch in Bria wollen die Teams möglichst schnell Hilfe leisten - nächste Woche sollen dort Mitarbeiter eintreffen. Zusätzlich wird für Kaga-Bandoro, das von Angriffen bedroht ist, ein Notfall-Team zusammengestellt, das im Gefechtsfall die chirurgische Station des örtlichen Krankenhauses unterstützen soll.

Prekäre Lebensbedingungen nach Kämpfen in Ndélé

Bereits am 10. Dezember 2012 wurde die Stadt Ndélé im Norden eingenommen, weitere Gebiete wurden angegriffen. Eine Koalition verschiedener Rebellengruppierungen lieferte sich heftige Gefechte mit den nationalen FACA-Streitkräften, die ihrerseits von der tschadischen Armee unterstützt werden. Präsident François Bozizé hatte den Tschad um Unterstützung gebeten, um die Angriffe der Rebellen aufhalten zu können. Auch dort ließen viele Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser, Vorräte und lebensnotwendigen Güter zurück und flohen ins Umland. Der Großteil des medizinischen Fachpersonals ist in den Süden in die Hauptstadt Bangui geflohen, was die Gesundheitslage der Bevölkerung in den nördlichen Regionen weiter verschlimmert.

Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen

In Ndélé hat sich die Situation inzwischen wieder etwas beruhigt. Die Lebensbedingungen sind allerdings weiterhin prekär, viele Bewohner sind noch nicht in ihre Häuser zurückgekehrt und verstecken sich nachts auf den Feldern. Ärzte ohne Grenzen hatte im Zuge der Gefechte einen Teil des Teams evakuiert, mittlerweile haben die Mitarbeiter ihre Aktivitäten aber in vollem Umfang wieder aufgenommen. Zusätzlich wurde eine mobile Klinik eingerichtet, um rund 128 Familien zu unterstützen, die sich auf einen nahen Flugplatz geflüchtet hatten. Während in dieser mobilen Klinik mittlerweile mehr als 300 Behandlungen stattfanden, scheuen viele Menschen aus Furcht vor den zahlreichen bewaffneten Kräften in der Stadt immer noch den Gang ins Krankenhaus.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik tätig und betreibt sieben Projekte in fünf der insgesamt sieben Gesundheitsbezirke. In Zusammenarbeit mit dem staatlichen Gesundheitsministerium betreibt Ärzte ohne Grenzen sieben Krankenhäuser und 38 Gesundheitsposten. Dabei wird ein breites Spektrum medizinischer Versorgung abgedeckt; über die Basisversorgung hinaus werden in den spezialisierten Krankenhäusern vernachlässigte Krankheiten und Mangelernährung behandelt sowie chirurgische Eingriffe vorgenommen. Der Fokus der Projekte liegt aufgrund der hohen Erkrankungsrate häufig auf Malaria; auch Impfungen, die Behandlung der Schlafkrankheit, Tuberkulose und HIV sowie die Ernährung sind wichtige Eckpfeiler der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik.

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