Syrien

Chlorgas-Angriff auf Dorf in Nordsyrien

Paris/Wien, am 18. März 2015 – Bei einem Angriff mit Chlorgas wurden am 16. März im Nordwesten von Syrien sechs Menschen getötet und 70 Personen verletzt, berichten syrische Mediziner in der betroffenen Gegend, die von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) kontaktiert wurden. Hubschrauber wurden dabei beobachtet, wie sie Fässer abwarfen, die beim Auftreffen auf dem Boden ein erstickendes Gas freisetzten. Die Angriffe fanden rund um die von Rebellen kontrollierte Stadt Sarmin in der Region Idlib statt.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Krankenhaus von Sarmin, wo die Verletzten behandelt wurden, und erhielt Berichte über die Toten und Verwundeten. „Die Tatsache, dass ein Dorf und seine Bewohner mit Chlorgas angegriffen werden zeigt erneut, dass der Konflikt in Syrien keinerlei Grenzen kennt“, sagt Mego Terzian, der Präsident der Pariser Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen.

„Menschen aus einem benachbarten Dorf wurden in das Krankenhaus gebracht“, berichtet der Direktor des Krankenhauses von Sarmin. „Unter ihnen war eine Familie, drei junge Kinder mit ihren Eltern. Sie waren in einem sehr kritischen Zustand und lagen im Sterben. Ihre Eltern waren ansprechbar, hatten aber große Schwierigkeiten beim Atmen.“ Die gesamte Familie starb im Krankenhaus; die Großmutter der Kinder war bereits vorher erstickt.

Geschehnisse und Symptome weisen auf Chlorgas hin

Die Geschehnisse und die Symptome, die das medizinische Personal des Krankenhauses beschreiben, lassen keinen Zweifel daran, dass es sich um eine Vergiftung durch Chlorgas handelt. Es wurden keine Symptome gemeldet, die auf ein anderes toxisches Produkt hinweisen würden.

„Es war so dunkel, dass wir keine spezielle Farbe erkennen konnten“, erklärt der Leiter des Krankenhauses. „Aber die Luft roch nach Putzmitteln und ihre Kleider hatten den typischen Geruch von Chlor.“

Die Opfer litten unterschiedlich stark unter den Folgen des Angriffs, einige hatten schwere Erstickungsanfälle. „20 Patienten befanden sich in einem ernsten Zustand, waren unruhig, hatten einen blutigen Schaum vor dem Mund und Hautausschläge“, sagt ein weiterer Arzt des Spitals. Das Team des Krankenhauses hat insgesamt 70 Opfer behandelt: Die Einwohner eines Nachbardorfes, das zuerst mit Fassbomben angegriffen worden war; die Einwohner der Stadt Sarmin, die später in derselben Nacht angegriffen wurde; und freiwillige Helfer des syrischen Zivilschutzes, die Hilfe leisten wollten.

Krankenhaus-Team behandelt 70 Opfer

Die Opfer erhielten Sauerstoff und bronchienerweiternde Behandlungen. Außerdem wurden Entzündungen behandelt, die durch die Verbrennungen entstanden waren. Der Arzt erklärte, dass Aerosolmasken am effizientesten waren.

Das Krankenhaus in Sarmin gehört zu den medizinischen Einrichtungen in den unzugänglichen Konfliktgebieten, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden. Die Hilfsorganisation liefert Medikamente und medizinisches Material an die noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen.

Ärzte ohne Grenzen betreibt sechs medizinische Einrichtungen in Syrien und unterstützt mehr als 100 syrische Kliniken, Gesundheitsposten und Feldspitäler. Die Organisation hilft auch Syrern und Syrerinnen, die nach Jordanien, in den Libanon und den Irak geflohen sind.

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