Jemen

Cholera-Ausbruch droht außer Kontrolle zu geraten

Die Cholera-Epidemie im Jemen droht außer Kontrolle zu geraten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der Verdachtsfälle bereits auf über 150.000 angestiegen. Mehr als 1.000 Menschen sind bereits gestorben. Mittlerweile sind 19 der insgesamt 22 Provinzen des Landes betroffen. Um den Ausbruch einzudämmen, fordern wir Import-Erleichterungen für medizinische Güter und einen sicheren Zugang für Helfende.

Seit dem Ausbruch der Epidemie haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 41.000 Patienten und Patientinnen behandelt. Vor Ort betreiben wir neun Cholera-Behandlungszentren sowie sechs Cholera-Behandlungseinheiten und zwei Stabilisierungseinheiten. Wir haben mehr als 63 Tonnen Hilfsgüter und medizinische Materialien geliefert.

Überlastetes Gesundheitssystem 

„Die schnelle Ausbreitung ist sehr alarmierend”, sagt Ghassan Abou Chaar, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. „Schon vor dem Cholera-Ausbruch war das Gesundheitssystem überlastet und der Bedarf an medizinischer Versorgung riesig. Um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, wird es nicht reichen, die Menschen zu behandeln, die in den medizinischen Einrichtungen ankommen. Wir müssen uns auch um die Ursachen der Krankheit kümmern, indem wir den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen verbessern und vor Ort in den Gemeinden arbeiten, um neue Fälle zu verhindern.“

Der Krieg im Jemen, der im März 2015 ausbrach, schwächt das ohnehin fragile Gesundheitssystem des Landes zusätzlich. Viele Gesundheitseinrichtungen sind nicht mehr in Betrieb. Es gibt Engpässe für Medikamente, darunter auch für intravenöse Flüssigkeiten und orale Rehydrierungssalze, die fundamental für die Behandlung von Cholera sind. Zudem gibt es zu wenig medizinisches Personal, welches seit September 2016 nicht mehr bezahlt wird. Viele mussten sich daher eine andere Arbeit suchen, um ihre Familien zu versorgen. Gleichzeitig verhindert die instabile Sicherheitslage, dass Hilfsorganisationen manche der betroffenen Gegenden erreichen können. 

Forderung: Eindämmung der Epidemie

Um den Ausbruch einzudämmen, fordern wir nicht nur eine Aufstockung der internationalen Hilfe im Land, sondern auch Importerleichterungen für medizinische Güter. Wir rufen alle Konfliktparteien dazu auf, einen sicheren Zugang für Hilfsorganisationen zu den betroffenen Gebieten zu gewährleisten: Die Flughäfen müssen wieder geöffnet, Helfer und Helferinnen ins Land gelassen werden. Wir fordern ein Ende der Behinderung humanitärer Hilfe!

Ärzte ohne Grenzen ist weltweit in rund 70 Ländern aktiv. Im Jemen betreibt Ärzte ohne Grenzen umfangreiche Hilfsprogramme und unterstützt jemenitische Krankenhäuser.

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