Jemen

Cholera im Jemen: Dringend Hilfe in abgelegenen Gebieten notwendig

Vier Monate nach Ausbruch der Cholera-Epidemie im Jemen sterben vor allem in abgelegenen Gebieten des Landes weiterhin viele Menschen an der Krankheit. Die Hilfe muss schnellstens ausgebaut und präventive Maßnahmen auf kommunaler Ebene ergriffen werden. Mehr als 430.000 Menschen sind nach offiziellen Angaben seit Ende April erkrankt. In den vergangenen zehn Tagen ging die Zahl der Neuerkrankungen zwar leicht zurück. Die Situation in den ländlichen Regionen bleibt aber angespannt. Denn die Krankheit wird von vielen dort nicht erkannt und Behandlungszentren liegen weit entfernt.

„Vor einigen Wochen bekam einer meiner Nachbarn schweren Durchfall und Erbrechen“, berichtet Zayed Al Goidi einem Team von Ärzte ohne Grenzen. Al Goidi lebt im Dorf Beit Al Ghwadi im Osman-Tal, einer der entlegensten Regionen in der Provinz Amran. „Er starb noch am selben Tag, aber niemand wusste, warum. Wir haben keine Fernseher oder Telefone und nur wenige haben ein Radio, deswegen hat es sehr lang gedauert, bis wir verstanden haben, dass es Cholera war. Die nächste Gesundheitseinrichtung ist außerde, mehrere Stunden vom Dorf entfernt, und die Fahrt kostet bis zu 60 US-Dollar. Wir sind arm. Wie sollen wir so viel Geld für eine Autofahrt zahlen können?“

Schlechte Lebensbedingungen und mangelndes Wissen tragen zur Verbreitung von Cholera bei

Mohamed Musoke, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen für den Cholera-Einsatz, reiste vor kurzem in das Dorf Beit Al Ghwadi. „Der Weg dorthin ist beschwerlich und der Ort ist nahezu komplett abgeschnitten", beschreibt er. „Auf unserem Weg hierher haben wir den Fluss überquert, die wichtigste Wasserquelle für die Gemeinde. Wir haben Tiere gesehen, die aus ihm getrunken haben, wir haben Menschen gesehen, die ihre Kleidung darin gewaschen haben und wir haben Mütter gesehen, die ihren Kindern das Wasser zum Trinken gegeben haben."

Die epidemiologischen Daten von Ärzte ohne Grenzen zeigen,  dass das Osman-Tal eine der am stärksten von Cholera betroffenen Regionen ist. „Die abgeschiedene Lage, die schlechten Lebensbedingungen der Menschen und das mangelnde Wissen über Cholera tragen zur Verbreitung der Krankheit und der Zahl der Todesfälle durch die Epidemie bei“, sagt Ghassan Abou Chaar, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. „Wir können nicht warten und nur diejenigen behandeln, die es in unsere Behandlungszentren schaffen. Wenn wir Regionen wie das Osman-Tal nicht erreichen, werden die Menschen weiter sterben. Brunnen und Wasserstellen müssen gesäubert oder mit Chlor behandelt werden und die Menschen müssen darüber aufgeklärt werden, wie sie sich vor Cholera schützen können. Vor allem mit Blick auf die bevorstehenden Regenzeit."

Ärzte ohne Grenzen hat seit Beginn des Cholera-Ausbruchs über 82.000 Menschen behandelt

Seit Beginn des Cholera-Ausbruchs hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 82.000 Cholera Patienten und Patientinnen behandelt - ein Fünftel aller im Land registrierten Fälle. Ärzte ohne Grenzen ruft andere Organisationen zu einer koordinierten Reaktion auf, um den Cholera-Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Dafür müssen dringend Maßnahmen für sauberes Trinkwasser, Sanitäranlagen und Gesundheitserziehung eingeleitet werden. Mitte Juli haben Teams von Ärzte ohne Grenzen bereits Hygieneartikel an Hunderte Haushalte im Osman-Tal verteilt und Informationsveranstaltungen zu Cholera organisiert.

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