Tschad

Cholera im Tschad: Nur langfristige Maßnahmen verhindern die nächste Epidemie

Mit 17.000 registrierten Fällen erlebte der Tschad 2011 die schlimmste Cholera-Epidemie der letzten 15 Jahre. Dank des Einsatzes von Ärzte ohne Grenzen, der bis Ende November dauerte, konnten 12.700 Patientinnen behandelt werden, was ungefähr drei Vierteln der landesweit verzeichneten Fälle entspricht. Abgesehen von der unmittelbaren Nothilfe ist es unerlässlich, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen dauerhaft zu verbessern, um so den Ausbruch von weiteren Epidemien zu vermeiden.

Der Tschad wurde 2011, zusammen mit anderen afrikanischen Ländern südlich der Sahara, von einer Cholera-Epidemie gewaltigen Ausmaßes heimgesucht. Bis Ende November waren über 17.200 Fälle registriert worden – so viele wie seit 1996 nicht mehr – und über 450 Menschen sind der Krankheit zum Opfer gefallen. Am stärksten wütete die Epidemie im August: Bis zu 1.250 neue Fälle wurden in diesem Monat wöchentlich registriert, davon ein Drittel in der Hauptstadt N’Djamena. Zu diesem Zeitpunkt waren 350 lokale und internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in insgesamt 23 Pflegeeinrichtungen in Massakory, Am Timan, Abou Deia, Bongor, Mandelia, Pala, Fianga, Lere, Laï und N’Djamena im Einsatz.

Cholera-Epidemie

„Der plötzliche Anstieg im vergangenen Jahr ist die Fortsetzung der Epidemie, die in der Region bereits 2010 ausgebrochen ist. Dies erklärt die frühzeitige Zunahme der Fälle noch vor der Regenzeit sowie die umfangreiche geografische Ausdehnung. Von den insgesamt 61 Bezirken, die das Land zählt, sind 37 betroffen“, erklärt Michel-Olivier Lacharité, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen im Tschad.

Im April haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen begonnen, in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium Zentren zur Behandlung der Krankheit und zur Abgabe von oralen Rehydratationslösungen zu errichten. Dazu kamen Aktivitäten zur Sensibilisierung und Vorbeugung, um eine weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Zudem führte Ärzte ohne Grenzen in öffentlichen Pflegeeinrichtungen Kurse durch, die sich mit dem Umgang mit Krankheitsfällen und der Abgabe von Medikamenten befassten. Bis Ende November konnten dank dieser Aktivitäten über 12.700 Menschen behandelt werden. Dies entspricht ungefähr drei Vierteln der registrierten Fälle, während die Genesungsrate bei den Behandelten fast 99 Prozent betrug.

Die Zahl der Krankheitsfälle nimmt seit mehreren Wochen deutlich ab und so wurden die letzten noch laufenden Aktivitäten am 30. November den lokalen Behörden übergeben. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen beobachten die Situation aber weiterhin genau und halten sich notfalls für weitere Einsätze bereit. Es bestehen Befürchtungen über einen erneuten Anstieg der Fälle im kommenden Frühling. Bereits 2010 war Ärzte ohne Grenzen im Einsatz und half, über 6.800 Betroffene im Land zu behandeln.

Bei den Ursachen ansetzen

„Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, Feuer zu löschen. Wir müssen langfristige Strategien anvisieren, um der Bevölkerung zu helfen“, erklärt Dr. Michel Quere, medizinischer Berater von Ärzte ohne Grenzen. „Die Cholera-Epidemien sind das Resultat mehrerer Faktoren: Nebst dem beschränkten Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen spielen auch Verzögerungen bei der Behandlung eine Rolle, die sich aus mangelnden Kenntnissen der Krankheit und dem erschwerten Zugang zur benötigten Pflege ergeben. Wenn die Behörden und Akteure der Entwicklungshilfe nicht bei diesen strukturellen Ursachen ansetzen, wird sich die Bevölkerung des Tschads Jahr für Jahr aufs Neue mit Epidemien konfrontiert sehen.“

Maßnahmen

Um den Behandlungsprozess künftig zu beschleunigen, setzt sich Ärzte ohne Grenzen zusammen mit den tschadischen Behörden für eine verbesserte Koordination zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen ein. Ärzte ohne Grenzen fördert zudem die Einführung einer Schluckimpfung, die kürzlich von der WHO empfohlen wurde.

Jährlich werden zwischen drei und fünf Millionen Fälle von Cholera gezählt, die zu 100.000 bis 120.000 Todesfällen führen. 2011 hat sich Ärzte ohne Grenzen unter anderem im Tschad, im Niger, in Kamerun, Nigeria, Papua-Neuguinea, Sambia und Haiti im Kampf gegen Cholera-Epidemien engagiert.

Im Tschad ist Ärzte ohne Grenzen in Massakory, Moïssala, Am Timan und Kerfi aktiv und konzentriert sich auf die medizinischen Bedürfnisse von Kindern und Schwangeren. Nebst der Behandlung von Mangelernährung und Epidemien bietet Ärzte ohne Grenzen in Abéché Frauen die Behandlung von Geburtsfisteln (Verletzungen des Geburtskanals) an.

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