Coronavirus: häufig gestellte Fragen

Welche Auswirkungen hat COVID-19 auf die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen?

Wir sind äußerst besorgt um das Wohl unserer Patientinnen und Patienten. Die Auswirkungen der Pandemie in Ländern mit schwachem Gesundheitssystem – also in Ländern, in denen wir viele Projekte unterhalten – sind gravierend. Wer sieht, welche schwerwiegenden Folgen COVID-19 auf die fortschrittlichsten Gesundheitssysteme der Welt hat – etwa in Europa – kann sich vorstellen, wie stark die Auswirkungen in schwächeren Ländern sein werden. Aus früheren Epidemien wissen wir, dass dadurch auch die ohnehin unzureichende Behandlung anderer Krankheiten stark beeinträchtigt wird.

Auch unsere internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von den Reisebeschränkungen betroffen. Wir befürchten auch, dass es zu Versorgungsengpässen bei bestimmten Gütern kommt, die wir in unseren Hilfsprogrammen dringend benötigen, etwa bei Medikamenten. Die Preise für Schutzausrüstung sind um das fünf bis Zehnfache gestiegen. Es muss sichergestellt werden, dass medizinische Produkte nicht in die Hände der Meistbietenden gehen, sondern sich die globale Verteilung nach dem Bedarf richtet. Wir setzen uns dafür ein, dass sie für alle Menschen zugänglich, bezahlbar und verfügbar sind. 

Wie hilft Ärzte ohne Grenzen?

Ärzte ohne Grenzen hat bereits in rund 70 Ländern Hilfsaktivitäten zur Eindämmung des Coronavirus, zur Behandlung von COVID-19 oder zur Beratung lokaler Gesundheitsbehörden gestartet. Unsere Teams sind auf allen Kontinenten im Einsatz – und zwar in Dutzenden von Ländern.

Corona-Einsatz: Wo wir aktiv sind

In unseren bestehenden Hilfsprogrammen treffen wir Vorkehrungen zur Versorgung von Erkrankten, vor allem in Regionen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung der Krankheit. Wir treffen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, bereiten Screenings bei der Patientenaufnahme vor, richten Isolationsbereiche ein und klären über die Krankheit auf. Wir setzen alles daran, dass die Einrichtungen, die wir unterstützen, weiterhin funktionstüchtig bleiben.

Gelten jetzt besondere Schutzmaßnahmen in den Einsatzgebieten für die Teams?

Als medizinische Hilfsorganisation sind Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen Standard, diese wurden nun zusätzlich verschärft. Wir treffen in unseren Hilfsprogrammen besondere Vorsichtsmaßnahmen, um unsere Patientinnen und Kollegen vor einer Ansteckung zu schützen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgen den üblichen Maßnahmen wie Händewaschen, Mindestabstand und Atemwegshygiene. Medizinisches Personal, das stärker ausgesetzt ist, wenden Schutzvorkehrungen für Situationen mit erhöhter Gefahr von Atemwegsinfektionen an.

Wie verhindert Ärzte ohne Grenzen, dass internationale Einsatzmitarbeiterinnen oder -mitarbeiter zur Verbreitung des Virus beitragen?

Als medizinisch-humanitäre Organisation ist es unsere oberste Priorität, die Sicherheit und den Schutz unserer Einsatzteams, Patientinnen und Patientinnen und Menschen, die wir unterstützen, zu gewährleisten. Wir haben unsere Bewegungen in den Projekten so weit wie möglich reduziert. Zugleich ist es wichtig, dass unser medizinisches und logistisches Personal sowie unsere Hilfsgüter dorthin gelangt, wo sie dringend im Einsatz gegen COVID-19 gebraucht werden.

Bevor wir Personal in andere Länder schicken, werden sie gesundheitlich untersucht und wir checken, ob sie in Risikogebieten waren. Zusätzlich begeben sich alle Mitarbeitenden nach der Ankunft in zweiwöchige Quarantäne in der jeweiligen Hauptstadt.

Warum schickt Ärzte ohne Grenzen medizinisches Personal ins Ausland, obwohl in Österreich erhöhter Bedarf an medizinischem Fachpersonal besteht?

Österreich hat eines der stabilsten Gesundheitssysteme der Welt, mit ausreichenden Kapazitäten, um mit dem Ausbruch umzugehen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Infektionen hierzulande inzwischen stark zurückgegangen ist. Das Gesundheitswesen in den meisten unserer Einsatzländer ist hingegen schwach bis kaum existent. Wenn wir unsere Hilfe dort einstellen, sind davon viele Menschenleben direkt betroffen, daher tun wir unser Bestes, trotz der derzeitigen Einschränkungen rasch und effektiv Hilfe zu leisten und Leben zu retten.

Was passiert, wenn sich Einsatzkräfte im Ausland mit dem Coronavirus anstecken?

Dafür gibt es genaue Protokolle und Abläufe, auch die österreichischen Gesundheitsbehörden haben dafür genaue Abläufe vorgesehen, an die wir uns halten. Als vorbeugende Maßnahme begeben sich derzeit alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach einem Auslandsaufenthalt in 14-tägige Heimisolation.

Wann wird die Epidemie in Österreich / bzw. die weltweite Pandemie vorbei sein?

Das können auch unsere Expertinnen und Experten nicht vorhersehen. Üblicherweise wird eine Epidemie dann für beendet erklärt, wenn während der Dauer der Inkubationszeit (= Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) keine neuen Fälle dokumentiert werden. Allerdings ist die genaue Inkubationszeit des Coronavirus noch nicht restlos geklärt, derzeit wird von einer Dauer von rund zwei Wochen ausgegangen.

Stellt Ärzte ohne Grenzen Atemschutzmasken o.ä. medizinische Schutzmittel zur Verfügung, wenn sie knapp werden?

Wie viele medizinische Einrichtungen und Organisationen haben auch wir mit Lieferengpässen zu kämpfen, versuchen aber bestmöglich in unseren Einsatzgebieten zu helfen – manchmal auch durch Schutzausrüstung. Wir weisen aber darauf hin, dass auch wir und unsere Patientinnen und Patienten davon betroffen sind, wenn der Nachschub medizinischen Materials wie Schutzmasken, aber auch bestimmter Medikamente ins Stocken kommt. Wir fordern in diesem Zusammenhang Solidarität auf Staatenebene, damit Schutzausrüstungen und anderes medizinisches Material dort zur Verfügung steht, wo es am dringendsten benötigt wird.

Was halten Sie von einer Corona-App, wie sie vom Roten Kreuz propagiert wird?

Einige relevante Fragen rund um die App sind noch ungeklärt, speziell wenn es um die Verhinderung einer potenziellen Verknüpfung von Gesundheitsdaten und Telefonnummern geht. Gesundheitsdaten sind besonders sensibel, daher muss deren Schutz zu hundert Prozent sichergestellt sein.

Ganz entscheidend für die erfolgreiche Bekämpfung von Epidemien ist auch das Vertrauen der betroffenen Menschen / Bevölkerung. Unsere Erfahrungen beim Kampf gegen andere Epidemien haben gezeigt: Zwangsmaßnahmen beim Contact Tracing sind kontraproduktiv. Für den Einsatz technischer Hilfsmittel gelten daher die Prinzipien der Freiwilligkeit, absoluter Transparenz und Ausschluss jeder Art von Diskriminierung.

Wie steht Ärzte ohne Grenzen zur Debatte um COVID-19-Impfstoffe?

Wer die Entwicklungen der vergangenen Wochen verfolgt hat, ahnt, dass ein brutaler Kampf um Impfstoffe und Medikamente gegen das Coronavirus und COVID-19 bevorsteht. Wir fürchten, dass das vor allem eine Frage des Budgets sein wird und einige wohlhabende Nationen große Teile der Impfstoffvorräte für sich selbst nutzen werden. Darunter leiden unsere Patientinnen und Patienten und alle Menschen in ärmeren Ländern.  

Die großen Profiteure werden aber Pharmafirmen sein, die Marktmechanismen und Patente ausnützen, um die Preise in die Höhe zu treiben. Wir fordern von der österreichischen Bundesregierung, Verantwortung zu übernehmen: Sie muss dafür sorgen, dass Patentmonopole nicht zu überhöhten Preisen, einem eingeschränkten Zugang und letztlich zum Verlust von Menschenleben führen. Zudem fordern wir Transparenz in der Vergabe von Zuschüssen für die Erforschung und Entwicklung von COVID-19-Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus. Weiter Infos finden Sie hier

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