Coronavirus: häufig gestellte Fragen

Die Epidemiologen und Experten für Infektionskrankheiten bei Ärzte ohne Grenzen verfolgen die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) aufmerksam.
 

Welche Auswirkungen hat COVID-19 auf die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen?  

Wir sind äußerst besorgt um das Wohl unserer Patientinnen und Patienten. Die Auswirkungen der Pandemie in Ländern mit schwachem Gesundheitssystem – also in Ländern, in denen wir viele Projekte unterhalten – sind gravierend. Wer sieht, welche schwerwiegenden Folgen COVID-19 auf die fortschrittlichsten Gesundheitssysteme der Welt hat – etwa in Europa – kann sich vorstellen, wie stark die Auswirkungen in schwächeren Ländern sein werden. Aus früheren Epidemien wissen wir, dass dadurch auch die ohnehin unzureichende Behandlung anderer Krankheiten stark beeinträchtigt wird.

Direkte Auswirkungen erfahren wir bereits jetzt durch Reise-Einschränkungen, wir befürchten auch, dass es zu Versorgungsengpässen bei bestimmten Gütern kommt, die wir in unseren Hilfsprogrammen dringend benötigen, etwa Schutzausrüstungen oder Medikamente. All dies führt dazu, dass wir nicht unsere vollen Kapazitäten nutzen können; wir fürchten, dass wir nicht mehr alle unsere Patientinnen und Patienten erreichen können.

Wie hilft Ärzte ohne Grenzen?

Ärzte ohne Grenzen startet täglich neue Hilfsaktivitäten zur Eindämmung des Coronavirus, zur Behandlung von COVID-19 oder zur Beratung lokaler Gesundheitsbehörden beim Einsatz gegen die Pandemie. Teams sind auf allen Kontinenten im Einsatz, von Südafrika über Afghanistan bis hin zu El Salvador. Eine Auswahl:

  • In Italien unterstützten wir drei Krankenhäuser in der Lombardei bei der Infektionskontrolle sowie Hausärzte und ambulante Pflegedienste, die Menschen in Quarantäne zuhause betreuen. In der Region Marken beraten Mitarbeitende der Hilfsorganisation Pflegeheime darin, wie ein Ausbruch des Virus verhindert werden kann.
  • In Frankreich haben wir in Absprache mit sozial-medizinischen Vereinen und der regionalen Gesundheitsagentur Ile-de-France mit Aktivitäten begonnen, die sich auf besonders bedürftige Menschen wie Obdachlose, unbegleitete Minderjährige sowie Migrantinnen und Migranten in Paris und Umgebung konzentrieren. Wir helfen bei der Diagnose, Isolierung und im Fall-Management von COVID-19 in vorhandenen oder entstehenden Unterkünften
  • In Belgien unterstützen wir Krankenhäuser bei der Infektionskontrolle und helfen in Alten- und Pflegeheimen sowie bei der Versorgung gefährdeter Gruppen wie Obdachloser sowie Migrantinnen und Migranten ohne Papiere.
  • In Spanien richten wir zwei temporäre Krankenhäuser ein, um andere Spitäler zu entlasten. Zudem schulen die Teams Mitarbeitende von Gesundheitsdiensten und Betreiber von Altenheimen zu Maßnahmen gegen das Virus. Vielerorts werden Krankenhäuser auch administrativ, logistisch und strategisch unterstützt. Außerdem werden von uns psychologische Angebote für das Gesundheitspersonal angeboten, etwa im Baskenland.
  • In Genf in der Schweiz unterstützen wir die Hilfe für rund 1.300 besonders bedürftige Menschen durch logistische und sanitäre Expertise, helfen beim Umgang mit Verstorbenen und unterstützen das Uni-Krankenhaus in Genf durch einen Wissenstransfer.
  • In Norwegen unterstützen wir ein Krankenhaus, das im Zentrum des Ausbruchs steht, durch strategische Beratung sowie Infektionskontrolle und -vorbeugung. 
  • In Libyen haben wir in Krankenhäusern in Tripoli Trainings zur Infektionskontrollen und Fallbetreuung abgehalten.
  • In Südafrika wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen vier bestehenden Projekten abgezogen, um den Einsatz gegen COVID-19 in drei Provinzen zu unterstützen. Sie unterstützen das “Tracing” (die Identifikation von Kontaktpersonen), die Verbreitung auf Aufklärungsmaterial und bereiten den Einsatz in den Bereichen Triage, Isolation und Behandlung von Erkrankten vor.
  • In Syrien unterstützen Mitarbeitende Einrichtungen in Azaz und Idlib bei der Einrichtung von Isolationsbereichen und der Schulung von medizinischem Personal. In Krankenhäusern in der Region wurden zudem Komitees gegründet, die sich um eine Verbesserung der hygienischen Situation kümmern. In den Lagern, in denen wir arbeiten, haben Mitarbeitende der mobilen Kliniken damit begonnen, Menschen mit einer vermuteten Covid-19-Infektion zu isolieren. Darüber hinaus wurde die Verteilung von Hilfsgütern wie Hygieneartikeln und sauberem Wasser ausgeweitet.
  • In Griechenland haben wir einen Notfallplan für das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos aufgestellt, falls es dort einen Ausbruch der Krankheit geben sollte. Auf Samos hilft ein Team bei der Isolation einfacher Fälle und prüft den potenziellen Unterstützungsbedarf der Krankenhäuser. Es wurden Maßnahmen zum Schutz des medizinischen Personals getroffen, außerdem wurde die Versorgung mit sauberem Wasser und die Zahl sanitärer Anlagen ausgebaut. Wir fordern die Evakuierung der völlig überfüllten und unhygienischen EU-Flüchtlingslager.
  • In Hong Kong unterstützt Ärzte ohne Grenzen durch Aufklärungsarbeit und psychologische Hilfe, speziell für besonders gefährdete Personen. In China haben wir spezielle medizinische Schutzausrüstung in das Jinyintan-Krankenhaus nach Wuhan in der Provinz Hubei geschickt (dem Epizentrum des aktuellen Ausbruchs). Wir tragen so dazu bei, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an vorderster Front geschützt sind.

In unseren bestehenden Hilfsprogrammen treffen wir Vorkehrungen zur Versorgung von Erkrankten, vor allem in Regionen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung der Krankheit. Wir treffen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, bereiten Screenings bei der Patientenaufnahme vor, richten Isolationsbereiche ein und klären über die Krankheit auf. Wir setzen alles daran, dass die Einrichtungen, die wir unterstützen, weiterhin funktionstüchtig bleiben.

Sind die Maßnahmen in Österreich ausreichend/gerechtfertigt?

Die Reaktion des österreichischen Gesundheitswesens ist rasch, proaktiv und umfassend, und das ist während der aktuellen Phase des Ausbruchs auch das Gebot der Stunde. Unsere Solidarität gilt dem Gesundheitspersonal, das in der derzeitigen Situation Beeindruckendes leistet.

Wie unterstützt Ärzte ohne Grenzen in Österreich die Eindämmung des Coronavirus?

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich sind (sofern sie derzeit nicht in einem unserer weltweiten Hilfsprogramme tätig sind) größtenteils bereits im Einsatz: Sie arbeiten in ihren angestammten Krankenhäusern und Kliniken, viele von ihnen bekämpfen das Virus gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen an vorderster Front. Darüber hinaus plant Ärzte ohne Grenzen derzeit keinen eigenen Einsatz in Österreich, wir verfolgen die Entwicklungen aber sehr genau. Sollte unsere Expertise in der Eindämmung von Epidemien benötigt werden, stehen wir zur Verfügung.

Gelten jetzt besondere Schutzmaßnahmen in den Einsatzgebieten für die Teams?

Als medizinische Hilfsorganisation sind Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen Standard, diese werden nun zusätzlich verschärft. Wir treffen in unseren Hilfsprogrammen besondere Vorsichtsmaßnahmen, um unsere Patientinnen und Kollegen vor einer Ansteckung zu schützen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgen den üblichen Maßnahmen wie Händewaschen, Mindestabstand und Atemwegshygiene. Medizinisches Personal, das stärker ausgesetzt ist, wenden Schutzvorkehrungen für Situationen mit erhöhter Gefahr von Atemwegsinfektionen an.

Wie verhindert Ärzte ohne Grenzen, dass internationale Einsatzmitarbeiterinnen oder –mitarbeiter zur Verbreitung des Virus beitragen?

Bevor wir Personal in andere Länder schicken, werden sie gesundheitlich untersucht und wir checken, ob sie in Risikogebieten waren. Zusätzlich begeben sich alle Mitarbeitenden nach der Ankunft in zweiwöchige Quarantäne in der jeweiligen Hauptstadt.

Warum schickt Ärzte ohne Grenzen medizinisches Personal ins Ausland, obwohl in Österreich erhöhter Bedarf an medizinischem Fachpersonal besteht?

Österreich hat eines der stabilsten Gesundheitssysteme der Welt, mit ausreichenden Kapazitäten, um mit dem Ausbruch umzugehen. Das Gesundheitswesen in den meisten unserer Einsatzländer ist schwach bis kaum existent. Wenn wir unsere Hilfe dort einstellen, sind davon viele Menschenleben direkt betroffen, daher tun wir unser Bestes, trotz der derzeitigen Einschränkungen rasch und effektiv Hilfe zu leisten und Leben zu retten Außerdem sind die meisten unserer medizinischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gerade nicht mit uns im Auslandseinsatz sind, derzeit in ihren angestammten Krankenhäusern im Corona-Einsatz.

Was passiert, wenn sich Einsatzkräfte im Ausland mit dem Coronavirus anstecken?  

Dafür gibt es genaue Protokolle und Abläufe, auch die österreichischen Gesundheitsbehörden haben dafür genaue Abläufe vorgesehen, an die wir uns halten. Als vorbeugende Maßnahme begeben sich derzeit alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach einem Auslandsaufenthalt in 14-tägige Heimisolation.

Stellt Ärzte ohne Grenzen Atemschutzmasken o.ä. medizinische Schutzmittel zur Verfügung, wenn sie knapp werden?  

Wie viele medizinische Einrichtungen und Organisationen haben auch wir mit Lieferengpässen zu kämpfen, versuchen aber bestmöglich in unseren Einsatzgebieten zu helfen – manchmal auch durch Schutzausrüstung. In China haben wir spezielle medizinische Schutzausrüstung in das Jinyintan-Krankenhaus nach Wuhan in der Provinz Hubei geschickt (dem Epizentrum des aktuellen Ausbruchs). Wir weisen aber darauf hin, dass auch wir und unsere Patientinnen und Patienten davon betroffen sind, wenn der Nachschub medizinischen Materials wie Schutzmasken, aber auch bestimmter Medikamente ins Stocken kommt. Wir fordern in diesem Zusammenhang Solidarität auf Staatenebene, damit Schutzausrüstungen und anderes medizinisches Material dort zur Verfügung steht, wo es am dringendsten benötigt wird.

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