Pakistan

Das Beste geben - sich auf das Schlimmste vorbereiten

Plötzliche Katastrophen mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten haben oft viel weiter reichende Risiken für die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung zur Folge - bedingt durch schwierige Lebensumstände, mangelnde Hygiene sowie schlechten Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Grundversorgung. Die Überflutungen in Pakistan sind hier keine Ausnahme: Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen versuchen mit aller Kraft Epidemien zu verhindern und der betroffenen Bevölkerung lebenswichtige medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen.

Seit Beginn der Flutkatastrophe setzt Ärzte ohne Grenzen in den bestehenden Programmen in Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan die Gesundheitsversorgung fort. Zusätzlich weitet die Organisation ihre Aktivitäten aus: in den von den Überflutungen betroffenen Regionen Sindh und Punjab richtet Ärzte ohne Grenzen neue Gesundheitseinrichtungen sowie mobile Kliniken ein.

"Von mehr als 10.000 Behandlungen, die wir in den vergangenen zwei Wochen durchgeführt haben, sind die meisten Haut- und Atemwegserkrankungen und akuter Durchfall", sagt Dr. Ahmad Mukhtar, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Pakistan. "Bei einigen Patienten vermuten wir Cholera, aber noch warten wir auf die offiziellen Ergebnisse."

Etwa zehn Prozent der 10.000 Patienten, die die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in den mobilen Kliniken in verschiedenen Regionen Pakistans betreut haben, leiden an akutem Durchfall

Cholera - sehr ansteckend, aber leicht zu behandeln

Cholera ist in einigen Teilen Pakistans endemisch, so auch in der von den Überflutungen besonders betroffenen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Die vermuteten Cholera-Fälle wären also nicht sehr überraschend. Im Lower Dir-Distrikt in der gleichen Provinz hat Ärzte ohne Grenzen im August 2009 nach einem Cholera-Ausbruch 2.500 Patienten behandelt.

Cholera wird durch verunreinigte Nahrungsmittel und Trinkwasser übertragen und verbreitet sich unter unhygienischen Bedingungen sehr schnell. Wer sich mit Cholera angesteckt hat, kann kaum Wasser im Körper halten, was eine rasche Dehydrierung zur Folge hat. Über Rehydratationssalze kann dies aber relativ leicht wieder reguliert werden.

"Cholera ist eine ernstzunehmende akute Durchfallerkrankung. Dennoch bedeuten ein paar Verdachtsfälle noch nicht den Beginn einer Epidemie", fügt Dr. Ahmad Mukhtar hinzu. "Es ist wichtig, dass wir infizierte Patienten als solche diagnostizieren und entsprechend behandeln. Patienten mit akutem Durchfall behandeln wir wie Cholerapatienten. Unsere Mitarbeiter in den mobilen Kliniken und Krankenhäusern übernehmen die zentrale Rolle dabei, mögliche Cholera-Fälle in den Gemeinden zu diagnostizieren und zu behandeln."

Der Zugang zu sauberem Wasser ist lebenswichtig

Jeden Tag stellt Ärzte ohne Grenzen der betroffenen Bevölkerung in verschiedenen Landesteilen mehr als 300.000 Liter sauberes Wasser zur Verfügung. In der Umgebung von Nowshera und Charsadda sind mehrere Wassertanks aufgestellt, die regelmäßig gefüllt werden. An anderen Orten wie Swat arbeitet Ärzte ohne Grenzen mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um an öffentlichen Plätzen wie Moscheen und Schulen genügend sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen.

In ganz Pakistan hat Ärzte ohne Grenzen an bisher 50.239 Menschen unterschiedliche Notfallpakete verteilt. In Belutschistan beinhalten Hygienekits und Kochutensilien auch Chlortabletten, um Wasser zu reinigen, und Moskito-Netze, um Malaria-Infektionen vorzubeugen. Im Zusammenhang mit der Verteilung der Hilfsgüter werden die Menschen außerdem darüber aufgeklärt, wie man mit vorhandenen Mitteln Wasser am besten aufbereiten kann.

Ärzte ohne Grenzen ist darauf vorbereitet, auf einen möglichen Ausbruch von akutem Durchfall zu reagieren und mehr Patienten zu behandeln. In den meisten Einrichtungen, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, stehen Notfall-Kits bereit. Die Teams hoffen, dass die umfassende Verteilung von Wasser und Notfallpaketen verhindert, dass sich Krankheiten wie Cholera, Hauterkrankungen, Typhus und Malaria ausbreiten.

Aber noch viel mehr ist notwendig um zumindest die Grundversorgung der betroffenen Menschen in Pakistan zu gewährleisten. Mehr als zwei Wochen, nachdem die Überflutungen eingesetzt haben, haben immer noch zu viele Menschen viel zu wenig Hilfe erhalten.

Hilfseinsatz in Zahlen

Seit Beginn der Flutkatastrophe hat Ärzte ohne Grenzen in Pakistan:

  • Hilfsgüter an 8938 Familien verteilt (ca. 62.000 Menschen)
  • 4.700 Zelte verteilt
  • 480.000 Liter Wasser pro Tag verteilt
  • 52 Wasserstellen eingerichtet
  • 14.302 medizinische Konsultationen durchgeführt
  • Neun mobile Kliniken im Einsatz

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