Tadschikistan

Das Leben feiern: Kinder mit Tuberkulose in Tadschikistan

Für Kinder, die an Tuberkulose leiden, ist die anstrengende Behandlung oft schwer zu ertragen. Mit einer neuen Initiative hilft das psychosoziale Team von Ärzte ohne Grenzen in Tadschikistan den kleinen Patienten und Patientinnen, besser damit umzugehen: Alle zwei Monate wird gemeinsam ein Fest gefeiert. Die Pause vom Alltag bietet eine Chance für Austausch und Unterstützung.

Das Tuberkulose-Projekt von Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Duschanbe richtet sich an Kinder und Jugendliche, die an der multiresistenten Form der Tuberkulose (MDR-TB) leiden. Die Behandlung ist lang, schmerzhaft und kompliziert. Die psychosoziale Begleitung mittels therapeutischem Spielen soll eine Abwechslung zur harten Zeit der Behandlung bieten. Neuer Teil dieses Programms sind nun Feste, die alle zwei Monate im Machiton-Kinderspital stattfinden: Alle Patienten und Patientinnen, egal ob sie Zuhause, in Gemeindezentren oder in Krankenhäusern behandelt werden, sind eingeladen. Es wird getanzt und gesungen, zusätzlich werden Gruppentherapiesitzungen angeboten. Bei den beiden Terminen im September haben bereits rund 40 Patienten und Patientinnen sowie ihre Betreuer teilgenommen:

Ängste abbauen

Ziel der Feste ist, den Kindern zu helfen, ihre Ängste vor der Behandlung abzubauen – denn die Therapie ist schwer und oft mit langen Aufenthalten im Krankenhaus verbunden. Die Feierlichkeiten bieten dazwischen eine Pause vom Alltag sowie emotionale Unterstützung.

Als Teil der Initiative finden auch Gruppentherapiesitzungen statt, die den jungen Patienten und Patientinnen ermöglichen, ihre Geschichten und Erfahrungen auszutauschen. Gleichzeitig schließen sie neue Freundschaften mit anderen Kindern, die ähnliches erlebt haben. Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen leitet die Gruppe. Wesentliche Bestandteile sind das Erlernen von Methoden, um die Nebeneffekte der Medikamente zu bewältigen, sowie den Umgang mit der oft langwierigen Behandlungsdauer.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen organisieren die Partys bereits Wochen im Voraus gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium. Sie kümmern sich um alle Details und laden die Patienten und Patientinnen ein.

Kinder, die ihren Geburtstag in den vergangenen zwei Monaten gefeiert haben, bekommen im Rahmen des Festes praktische Geschenke mit Pflegeprodukten, während alle anwesenden kleinen Patienten und Patientinnen eine Überraschung erhalten.

Neues Medikament zur Behandlung von Tuberkulose

In der Hauptstadt Duschanbe werden nun nach mehrmonatiger Vorbereitung und Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium und anderen Partnern nun auch die ersten Patienten mit Delamanid behandelt. Dieses Medikament ist gemeinsam mit Bedaquilin das erste neue zur Behandlung von Tuberkulose seit über 50 Jahren. Das Besondere: Delamanid und Bedaquilin bietet Patienten und Patientinnen mit multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB), die sonst keine Alternativen hätten, eine wirksamere Behandlung und somit ihre einzige Hoffnung auf Heilung.

Ärzte ohne Grenzen war die erste Organisation, die Bedaquiline nach Tadschikistan importiert hat. Nun hat das Gesundheitsministerium auch den Import von Delamanid zugelassen. Vor allem für Länder mit sehr hoher Rate an MDR-TB-Kranken wie Tadschikistan ist der Zugang zu den neuen Medikamenten essenziell.

Tuberkulose (früher Schwindsucht) ist eine gefährliche Infektionskrankheit. Sie verbreitet sich über die Luft und greift meist die Lunge an. Jährlich erkranken weltweit rund 9 Mio. Menschen an Tuberkulose – rund 1,5 Mio. Erkrankte sterben daran. Ärzte ohne Grenzen behandelte im Jahr 2015 insgesamt 20.100 TB-Patienten und -Patientinnen, davon 2.000 an MDR-TB erkrankte Menschen.

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