Mali

Das Spital im Herzen der Wüste – unsere Hilfe in Timbuktu

Timbuktu liegt mitten in der Sahara, in einem entlegenen Gebiet im Norden von Mali. Medizinische Hilfe ist für die Menschen dort aufgrund der großen Entfernungen und der anhaltenden Unsicherheit nur schwer erreichbar. Die spanische Gynäkologin Dr. Tane Luna arbeitet in der Fachabteilung für Mutter-Kind-Gesundheit von Ärzte ohne Grenzen in Australien und hat kürzlich unser Spital in Timbuktu besucht. Sie berichtet im Interview von ihren Eindrücken:

Wie war dein Einsatz?

Sehr gut! Es war aufregend für mich, dieses Hilfsprogramm näher kennen zu lernen: Das Krankenhaus und unser Team vor Ort. Doch es war nicht nur aufregend, sondern auch anstrengend – Nord-Mali ist ein Konfliktgebiet, in dem Gesundheitsversorgung für die Menschen sehr schwer zugänglich ist. Ich war mit dem Flugzeug aufgrund einiger Zwischenstopps fast einen ganzen Tag lang bis Bamako unterwegs. Das ist die Hauptstadt von Mali, rund 1.000 Kilometer von Timbuktu entfernt. Bei der Ankunft blendet dich das Licht, wenn du aussteigst, und es hat 50°C auf dem Flugfeld. Hier ist alles sehr trocken und es ist extrem heiß. Den ganzen Tag lang waren wir auf der Suche nach Schatten oder nach der Klimaanlage im OP-Raum oder in einigen der Büros…

Vor Ort im Krankenhaus haben wir ein sehr professionelles und hochmotiviertes Team, das sowohl aus internationalen Fachkräften als auch malischem Personal besteht. Auch die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums läuft sehr gut. Weil das Spital dermaßen isoliert liegt, ist die Kommunikation sehr wertschätzend und vielseitig.

Kannst du uns das Spital und die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen dort näher beschreiben?

Es ist nur ein mittelgroßes Krankenhaus, doch gilt im Rahmen des Überweisungssystems als Referenzspital für rund 900.000 Menschen. Die „direkte“ Bevölkerung im Gesundheitsareal liegt bei rund 60.000. Es ist die größte Region Malis, im Herzen der Sahara, mit einer Fläche wie Spanien! Das nächstgelegene Referenzkrankenhaus liegt rund 400km von Timbuktu entfernt.

Seit vier Jahren ist Ärzte ohne Grenzen für fünf Stationen mit insgesamt 87 Betten verantwortlich. Wir arbeiten in der Chirurgie, Gynäkologie, interner Medizin, Pädiatrie und Notfallabteilung. Die Abteilung für Geburtshilfe betreut monatlich rund 100 Entbindungen, darunter 15-20 Kaiserschnitte, sowie täglich ca. zehn Untersuchungen. Die Hauptprobleme sind recht „klassisch“ für eine Region mit vielen Kindern: Es gibt viele Fälle von Malaria und Mangelernährung, aber auch andere Dinge wie allgemeine Operationen oder komplizierte Geburten. Wir stellen auch medizinische Instrumente sowie Medikamente zur Verfügung.

Nachdem es keinen öffentlichen Verkehr gibt und keine Krankenwagen fahren können, ist das Gesamtausmaß aller Aktivitäten eher mäßig. Um die Transportprobleme zu umgehen, unterstützen wir auch drei Gesundheitszentren in Tin-Telout, Agouni und Nibkit.

Was war deine Aufgabe während des Projektbesuchs?

Für alle mittel- und langfristigen Hilfsprogramme von Ärzte ohne Grenzen gibt es laufende Unterstützung und Evaluierungen. Das hat zwei Gründe: Die Sicherung der Betreuungsqualität unserer Patienten und der direkte Support für unsere medizinischen Teams – zusätzlich zur regelmäßigen Kommunikation via Email, Skype, etc. Im Rahmen meines Besuchs im Spital in Timbuktu arbeitete ich besonders in der Gynäkologie, bei der Versorgung von Opfern sexueller Gewalt und mit unserem Programm für Mutter-Kind-Gesundheit. Dabei handelt es sich um ein relativ junges und sehr motivierendes Programm. Das einzig frustrierende bei diesen Einsätzen ist, dass man kaum dazu kommt, tatsächlich medizinisch tätig zu sein und Zeit mit den Patienten zu verbringen.

Was sind die größten Probleme der Bevölkerung in Bezug auf ihre Gesundheitsversorgung?

Nord-Mali ist seit vielen Jahren ein Konfliktgebiet. Alle haben Angst, sich zu bewegen. Das hier ist ein sehr entlegenes Gebiet in einer sehr isolierten und äußerst prekären Situation. Die Bevölkerung ist über ein großes Areal verstreut und viele leben als Nomaden. Nachts reist niemand, lange Strecken sollten vermieden werden und die Menschen haben oft nicht die Ressourcen, Hilfe zu erreichen, die mehrere Stunden Reisezeit durch die Wüste entfernt liegt.

Es ist auch schwierig, medizinische Fachkräfte zu finden, um hier zu arbeiten. Unsere Kollegen in Timbuktu sind ebenfalls sehr isoliert und können kaum reisen, um Versorgung oder Beratung in kleineren Gesundheitszentren anzubieten. Während meines Aufenthalts habe ich zwei Hebammen getroffen, die aus verschiedenen Einrichtungen gekommen waren – doch es ist ein Ausnahmefall, dass sie bis ins Spital kommen konnten.

Was hat dich am meisten überrascht oder beeindruckt?

Das Land, die Menschen… die Größe und das Potential dieses Krankenhauses und die Qualität der Pflege, die dort geboten wird. Auch die Treffen mit unserem Gynäkologen vor Ort, Dr. Bah – er wurde in Kuba ausgebildet und wir unterhielten uns viel in Spanisch, wobei er mit seinem kubanischen Akzent klingt als würde er ständig Salsa-Melodien singen! Die Hebammen sind sehr engagiert, die Notfall-Abteilung ist wirklich gut organisiert und sehr zuverlässig bei jedem Eingriff.

Ich hoffe wirklich sehr, dass sich die Situation in Mali stabilisiert – denn trotz all des Engagements und unserer Unterstützung werden die Menschen es weiterhin sehr schwer haben, medizinische Hilfe zu bekommen, wenn die Unsicherheit anhält.

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