Das war 2015: Der Foto-Rückblick von Ärzte ohne Grenzen

Mit einer Auswahl beeindruckender Bilder blicken wir zurück auf unsere weltweite Arbeit 2015. Die Fotos zeigen, was uns in einem besonders dramatischen und ereignisreichen Jahr bewegt und beschäftigt hat: Wie unsere medizinischen Teams nach Naturkatastrophen in Nepal oder Malawi den Menschen helfen, wie sie Flüchtlinge in Europa unterstützen, sich dafür engagieren, die Ebola-Epidemie in Westafrika zum Ende zu bringen, die Zivilbevölkerung im kriegsgebeutelten Jemen versorgen oder versuchen, auf das unvorstellbare Ausmaß an Tod und Zerstörung in Syrien zu reagieren – und das sind nur einige von vielen weiteren Krisen.

Unsere Motivation ist es, dort zu helfen, wo die Not am Größten ist. Dazu gehört auch, über das Leid der Menschen in Berichten und mit Bildern Zeugnis abzulegen.

Libanon, Jänner 2015: Ein Mädchen sammelt Feuerholz im provisorischen Lager Khoder Hawash im Bekaa-Tal, wo rund 400.000 syrische Flüchtlinge leben. Am 7. Jänner kommt es zu starken Schneefällen und eisiger Kälte,  worunter die Menschen in den provisorischen Unterkünften wie Zelten oder Rohbauten leiden. Wir betreiben vor Ort vier Kliniken – und wenn die Wetterbedingungen besonders rau sind, steigen auch die Patientenzahlen. Die Beschwerden reflektieren die Situation dieser Menschen, in die sie der Krieg in ihrem Heimatland gezwungen hat.

Sierra Leone, Jänner 2015: Bentu Sandy hat Ebola überlebt und arbeitet nun mit unserem Team in Bo als psychologische Beraterin. Auf diesem Bild feiert sie die Entlassung von Augustine – einem Apotheker, die sich mit dem Virus angesteckt hatte, während er dabei half, die Epidemie einzudämmen.

Ukraine, Jänner 2015: Galina ist 86 Jahre alt und blickt durch ein Loch im Dach ihres Hauses im Bezirk Kievsky der Stadt Donetsk. Während der anhaltenden Kämpfe im Osten des Landes unterstützte Ärzte ohne Grenzen medizinische Einrichtungen mit Medikamenten und Materialien. Im Jahr 2014 wurde auch ein psychosoziales Programm zur Unterstützung von Gewaltopfern gestartet. Im Oktober untersagen uns die Behörden der selbsternannten Volksrepublik Donetsk ohne Begründung die weitere Durchführung unserer Hilfsprogramme, zu denen seit 2011 auch ein Programm zur Behandlung resistenter Tuberkulose gehört. Tausende Menschen sind dadurch von lebenswichtiger Unterstützung abgeschnitten.

Malawi, Februar 2015: Nach den schwersten Überflutungen in seiner jüngsten Geschichte sind weite Teile des Landes abgeschnitten; die betroffenen Dörfer erhalten nur wenig Hilfe. Wir starten einen Nothilfe-Einsatz und versorgen die Menschen im Überschwemmungsgebiet. Zerstörte Straßen und Brücken sowie überflutete Flüsse stellen unsere Teams vor große logistische Herausforderungen.

Syrien, März 2015: Ein Arzt versorgt ein Kind mit Brandwunden in einem von uns unterstützten Spital im Norden des Landes. Belagert, bombardiert, vertrieben: Nach vier Jahren Bürgerkrieg leidet die syrische Bevölkerung unter dem unfassbaren Ausmaß an Gewalt und Zerstörung. Fast alle grundlegenden Dinge wie medizinische Hilfe, Wasser, Strom oder Nahrung sind in den meisten Teilen des Landes nicht mehr verfügbar. Die Lebensbedingungen in Vertriebenenlagern wie Bab Al Hawa und Atme sind mehr als prekär.

Mittelmeer, Mai 2015: Unser erster Einsatz mit dem Schiff “Dignity 1”, bei dem 369 Menschen in Seenot von einem maroden Holzboot gerettet wurden. Im Laufe des Jahres werden wir weitere Schiffe und Schlauchboote zur Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer einsetzen – bisher wurden mehr als 18.000 Menschen gerettet.

Nepal, Mai 2015: Am 25. April erschüttert ein Erdbeben der Stärke 7,8 auf der Richterskala Nepal und fordert 8.000 Menschenleben. Wir starten sofort einen Noteinsatz, um den Betroffenen zu helfen. Hier erreicht gerade unser Team mittels Helikopter die Bergregion im Bezirk Gorkha, um medizinische Hilfe zu leisten.

Afghanistan, Mai 2015: Qudus bringt seine vierjährige Tochter Bibi in unser Traumazentrum in Kundus, nachdem sie vom Dach ihres Hauses gefallen war. In unserem damals noch funktionsfähigen Unfallspital erhielten Menschen kostenlos hochwertige medizinische Hilfe – unabhängig von ihrer politischen oder religiösen Zugehörigkeit. Es war die einzige derartige Gesundheitseinrichtung im gesamten Nordosten Afghanistans, die medizinische und chirurgische Versorgung für Verletzte nach Verkehrsunfällen oder auch Gewaltopfer anbot, die bei Bombenexplosionen oder durch Schüsse verletzt worden waren. Nach dem Angriff auf das Krankenhaus am 3. Oktober 2015 mussten die Aktivitäten dort eingestellt werden.

Griechenland, Juni 2015: Eine afghanische Familie blickt auf der Insel Kos vom Hafen Richtung Mittelmeer.  Sie warten darauf, von den Behörden die nötigen Papiere zu erhalten, um weiterreisen zu können. Doch es stehen weder geeignete Unterkünfte noch eine sonstige Unterstützung zur Verfügung. „Ich bin nach Europa gekommen, um meinen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen“, so der Vater der Familie. Wir versorgen Flüchtlinge entlang der Migrationsroute von der Türkei und Griechenland über die Balkanstaaten medizinisch und fordern weiterhin sichere und legale Fluchtrouten nach Europa.

Jemen, Juni 2015: Ein Vater hält sein verletztes Kind im Arm, das im von uns unterstützten Krankenhaus in Sa’ada versorgt wird. Die Stadt gehört zu den Orten, die tagtäglich von der saudischen Koalition bombardiert werden. So soll die Zivilbevölkerung dazu gebracht werden, die Provinz zu verlassen, nachdem die gesamte Region zum „militärischen Ziel“ erklärt wurde.

Mittelmeer, August 2015: Ein unverhofftes Wiedersehen – unter den mehr als 18.000 von unseren Booten im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen treffen unsere Einsatzteams Ibrahim wieder. Vor Jahren arbeitete er in Dafur für eines unserer Programme: Dort maß er die Oberarme der geschwächten Kindern, um festzustellen, ob sie wegen Mangelernährung behandelt werden müssen. Das Maßband, das er hier in die Kamera hält, war ein wichtiges Instrument für seine Arbeit bei Ärzte ohne Grenzen.

Tansania, September 2015: Mehr als 100.000 burundische Flüchtlinge suchen derzeit in den beiden Lagern Nyarugusu (Foto) und Nduta Zuflucht. Sie mussten aufgrund der anhaltenden politischen Unruhen in ihrer Heimat fliehen und leben nun unter erbärmlichen Bedingungen in völlig überfüllten Unterkünften. Mit der bevorstehenden Regenzeit befürchtet Ärzte ohne Grenzen, dass sich die Lage noch weiter verschlechtern wird.

Afghanistan, 3. Oktober 2015: Mitarbeiter von uns kauern nach dem Bombardement unseres Krankenhauses in Kundus auf dem Boden – sie stehen unter Schock. Bei dem Angriff durch ein US-Flugzeug am 3. Oktober kamen 42 Menschen ums Leben; weite Teile der Einrichtung wurden zerstört. Im November präsentierte das US-Militär eine Untersuchung der Ereignisse, doch dies beantwortet die Fragen nach den Ursachen nicht zufriedenstellend. Wir fordern daher eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle. Unsere dahingehende Petition wurde weltweit bis Dezember von mehr als 547.000 Menschen unterzeichnet. Denn auch im Krieg gibt es Regeln!

Südsudan, Oktober 2015: Arek Nuoi (32) ist vierfache Mutter und leidet unter Malaria. Sie braucht dringend eine Behandlung und wird daher zum Panthou Gesundheitszentrum im nördlichen Bundesstaat Bahr el Ghazal gebracht. Wir betreiben die Einrichtung in der Stadt Aweil gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium. Denn aufgrund des seit zwei Jahren anhaltenden brutalen Konflikts im Südsudan haben die Menschen kaum Zugang zu medizinischer Hilfe im Land.

Demokratische Republik Kongo, November 2015: Motorrad-Fahrer von uns sind unterwegs nach Remeka in Nord Kivu, wo wir im Oktober einen Noteinsatz gegen Malaria gestartet haben. Die Dörfer in der entlegenen Waldregion sind mit Autos kaum erreichbar, deshalb müssen die Teams sowie sämtliche Materialien und Medikamente zu Fuß oder mit Motorrädern transportiert werden.

Niger, Dezember 2015: Seit März führen wir in der Region Tama ein umfassendes Gesundheitsprogramm ein, das sowohl vorbeugende Maßnahmen als auch die Behandlung von Krankheiten beinhaltet. Ziel ist, eine adäquate Versorgung für alle Kinder im Alter unter zwei Jahren sicherzustellen. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf die Hauptursachen für Kindersterblichkeit: Malaria, Mangelernährung, Atemwegserkrankungen sowie Durchfall.

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