Demokratische Republik Kongo

Dem. Rep. Kongo: Zahl der Vertriebenen steigt durch zunehmende Gewalt im Norden des Landes

Ugandische Rebellen der Lord´s Resistance Army (LRA) reagieren in den Regionen Haut-Uélé und Bas-Uélé im Nordosten Kongos mit Gewalt auf die Angriffe der ugandischen, kongolesischen und südsudanesischen Armeen. Ärzte ohne Grenzen hat zwei neue medizinische Projekte eröffnet, um der notleidenden Bevölkerung zu helfen.

Das Noteinsatzteam von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo leistet seit einer Woche medizinische Unterstützung in einem Gesundheitszentrum und zwei Krankenhäusern in den Orten Faradja und Niangara. Ärzte ohne Grenzen arbeitet in der Region seit September 2007 – hauptsächlich im Krankenhaus in der Stadt Dungu.

"Unsere Teams haben im Februar verschiedene Teile der Region erkundet. Der Fokus lag auf den Regionen, die wenig oder gar keine Unterstützung von anderen humanitären Organisationen mit medizinischem Schwerpunkt erhalten", erklärt Amaury Grégoire, Koordinator des Nothilfeteams. "Die Situation ist kritisch. Es existieren nur wenige Gesundheitsstationen, und die sind sie in einem furchtbaren Zustand. Es gibt kaum bezahlbare Medikamente. Außerdem mangelt es an medizinischem Personal, da die meisten vor der Gewalt geflohen sind."

Hilfe für Krankenhäuser und Gesundheitszentren

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen renovieren die Gesundheitseinrichtungen, trainieren medizinisches Personal und leisten kostenlose Gesundheitsversorgung nicht nur für die Vertriebenen sondern auch für die einheimische Bevölkerung. Die Nahrungssituation ist ebenfalls besorgniserregend. "Nicht nur dass viele Ernten vom Regen zerstört wurden, die Vertriebenen sind fernab ihrer Heimat und können nicht von ihrem Ackerbau leben", sagte Amaury Grégoire.

Nahezu 10.000 Vertriebene haben im Stadtzentrum von Niangara Zuflucht gesucht. Weitere 15.000 Menschen haben sich in den Außenbezirken niedergelassen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt ein Krankenhaus und ein abgelegenes Gesundheitszentrum, in denen die Mitarbeiter Malaria, akute Atemwegsinfektionen und sexuell übertragbare Krankheiten behandeln.

Mehrere Tausend Menschen haben in dem Ort Faradja nahe der sudanesischen Grenze in drei Lagern Zuflucht gesucht. Die Organisation baut das dortige Krankenhaus wieder auf, so dass es die minimalen Standards erfüllt. Außerdem wurden Wassertanks installiert, um sauberes Wasser zu gewährleisten.

"Die schrecklichsten Gräuel"

190.000 Flüchtlinge und Vertriebene leben nach Aussage des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) in den Regionen Haut-Uélé und Bas-Uélé. "Die Menschen haben die schrecklichsten Gräuel durchlebt", erklärte Amaury Grégoire. "Sie haben Familienangehörige verloren und die meisten ihrer Dörfer sind niedergebrannt. Tausende leiden unter der Gewalt, die sie durchlebt haben – sie wurden vergewaltigt, entführt, geschlagen oder getötet."

Ein Psychologe von Ärzte ohne Grenzen wird in Kürze nationale Mitarbeiter schulen, damit sie die Opfer psychologisch betreuen können.

Nicht nur die Vertriebenen benötigen in Haut-Uélé und Bas-Uélé humanitäre Unterstützung. "Die Einheimischen nehmen die Vertriebenen bei sich auf und unterstützen sie", sagte Emmanuel Lampaert, Leiter des Noteinsatzteams von Ärzte ohne Grenzen. "Eigentlich ist das etwas sehr Gutes, da es den Vertriebenen hilft zu überleben. Langfristig verschlechtert es allerdings die Lebensbedingungen der Vertriebenen und die der Einheimischen und damit wird die Gruppe der Bedürftigen nur noch größer."

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