D. R. Kongo

Demokratische Republik Kongo: Wir weiten Cholera-Einsatz aus

Die Demokratische Republik Kongo kämpft derzeit mit dem größten Cholera-Ausbruch seit 20 Jahren. Landesweit sind im Jahr 2017 rund 55.000 Menschen in fast allen Provinzen des Landes erkrankt. 1.190 Betroffene sind an Cholera gestorben. Im November 2017 hat die Epidemie die Landeshauptstadt Kinshasa erreicht. Ärzte ohne Grenzen hat landesweit mit 25.300 Menschen fast die Hälfte aller Cholera-Patienten und –Patientinnen behandelt und nun die medizinische Hilfe in Kinshasa ausgeweitet.

Zwischen Ende November und 22. Januar 2018 haben die Gesundheitsbehörden für Kinshasa 826 Choleraverdachtsfälle und 32 Tote gemeldet. Der Cholera-Ausbruch ist hier besonders problematisch, weil es an Trinkwasser und Sanitäranlagen sowie an medizinischer Infrastruktur fehlt, um auf den Ausbruch zu reagieren. Die Hauptstadt mit zwölf Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen ist das Handelszentrum des Landes. Jeder sechste Kongolese wohnt in der Metropole.

Um die Ausbreitung der Epidemie in Kinshasa einzudämmen, unterstützen die Teams von Ärzte ohne Grenzen zwei Cholera-Behandlungszentren in den Stadtteilen Camp Luka und Pakadjuma, wo Patienten und Patientinnen rund um die Uhr versorgt werden. Seit 16. Januar 2018 haben die Teams dort 157 Betroffene behandelt, von denen fast 40 Prozent bereits stark dehydriert waren. Inzwischen konnten 133 Erkrankte wieder entlassen werden, ein Patient starb.

„Angesichts des Ausmaßes der Epidemie haben wir vergangene Woche unsere Hilfe aufgestockt“, sagt Jean Liyolongo vom Notfallteam von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo. „Wir versorgen Patienten und Patientinnen in den Behandlungszentren und haben zehn Rehydrierungsstationen eingerichtet. Außerdem kümmern wir uns um die epidemiologische Überwachung, um Gesundheitsaufklärung und Krankentransporte. Die Cholera ist in einigen dicht besiedelten Stadtteilen Kinshasas ausgebrochen. Darum müssen wir nun schnell handeln, um zu verhindern, dass sich die Epidemie weiter ausbreitet. Wir behandeln Betroffene schnell und kostenlos und unterstützen andere Gesundheitseinrichtungen. So können wir sicherstellen, dass die Erkrankten angemessen versorgt werden.“

Cholera ist besonders in Gegenden ansteckend, in denen es wenig sauberes Wasser und Sanitäranlagen gibt. Die Krankheit verursacht schweren Durchfall und Erbrechen, so dass Betroffene schnell dehydrieren. In der Demokratischen Republik  Kongo tritt Cholera seit den 1970er Jahren auf und ist in neun Provinzen endemisch, vor allem rund um die Großen Seen im Osten des Landes.

„Vor rein paar Tagen wurde ich sehr krank“, sagt Marie*, Cholera-Patientin in Camp Luka. „Ich hatte starken Durchfall und musste mich übergeben. In meiner Nachbarschaft gab es bereits viele Cholera-Fälle, darum bat ich meinen Mann, mich zum Behandlungszentrum zu bringen. Ich war sehr schwach, und wir versuchten, ein Motorad-Taxi zu bekommen. Doch niemand wollte uns fahren. In Kinshasa ist Cholera mit einem großen Stigma verbunden. Mein Mann musste mich drei Kilometer auf seinem Rücken hertragen.“

* Name zum Schutz der Patientin geändert.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 in der Demokratischen Republik Kongo im Einsatz und derzeit in 20 der 26 Provinzen des Landes tätig. Die Teams leisten medizinische Hilfe für Opfer von Gewalt und Konflikten, für Vertriebene und Betroffene von Epidemien oder Pandemien wie Cholera, Masern und HIV und Aids. 

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