Kolumbien

Der Kampf gegen Chagas - eine vergessene Krankheit

Menschen, die an Chagas erkranken, können Jahre ohne Symptome bleiben. Doch wenn die Krankheit unbehandelt bleibt, kann sie zu ernsthaften Problemen wie Herz- und Darmkomplikationen führen und auch tödlich enden. Chagas tritt in den meisten Ländern Lateinamerikas endemisch auf und wird vom Parasiten Trypanosoma Cruzi verursacht. Die Region Arauca, die an der Grenze zu Venezuela liegt, gehört zu den am meisten betroffenen Gebieten. 

Ende 2009 hat Ärzte ohne Grenzen die Untersuchung auf Chagas und die anschließende Behandlung in die mobilen Sprechstunden integriert, mit denen die Mitarbeiter der Bevölkerung  in der Region Arauca eine Basisgesundheitsversorgung bieten. Es ist das erste Mal, dass die Organisation versucht, Chagas auch in einem Konfliktgebiet zu behandeln. Patrick Swartenbroekx arbeitet als Projektkoordinator in Arauca. Er sagt: "Es ist eine Herausforderung, weil die Patienten zwei Monate regelmäßig behandelt werden müssen. Wir sind aber immer in Sorge, dass wir eine Gemeinde wegen Sicherheitsbedenken nicht erreichen können oder eine bewaffnete Gruppe Straßen in der Region sperrt."

Die erste Gemeinde, in der eine Chagas-Untersuchung durchgeführt wurde, war Genareros. Von den 97 Bluttests, die bei Kindern von neun Monaten und 18 Jahren gemacht wurden, stellten sich 11 als positiv heraus. "Wir waren überrascht, dass die Rate in Genareros so hoch ist. Glücklicherweise war sie dann in anderen Gemeinden niedriger", so Rafael Herazo, der den medizinischen Fokuspunkt in Arauca betreut.

60 Tage Behandlung gegen eine verborgene und vergessene Krankheit

Bislang haben die Teams in Arauca in zehn Gemeinden 1.617 Bluttests gemacht und für 514 Proben die Labortests abgeschlossen. Eine von 28 Personen wurde dabei positiv auf Chagas getestet. Patienten, bei denen Chagas diagnostiziert wurde, erhalten eine medizinische Untersuchung, bevor die zweimonatige Behandlung beginnt. Das ist wichtig, um herauszufinden, ob die Patienten bereits schwerwiegende Symptome entwickelt haben. "Wenn jemand beispielsweise schon eine ernsthafte Herzmuskelerkrankung davongetragen hat, können wir nur wenig für ihn tun", so Herazo.

Während der Behandlung besuchten die Mitarbeiter Genareros einmal pro Woche. Weil Nebenwirkungen häufig vorkommen, sind regelmäßige Untersuchungen entscheidend. Die Patienten müssen auch ermutigt werden, die Behandlung weiterzuführen. "Die Leute sagen: ‚Meinem Kind ging es gut. Dann haben sie ihm diese Medikamente gegeben, die Hautausschlag und Schmerzen in seinen Knien verursacht haben.' ... Also besuchen die Gesundheitsaufklärer die Patienten und ihre Familien und betonen wieder und wieder, dass  Chagas eine verborgene und tödliche Krankheit ist. Sie bestehen darauf, dass es wichtig ist, die Behandlung fortzuführen, und erklären, dass die Nebenwirkungen verschwinden werden. Sie sagen, dass das Kind zu einem späteren Zeitpunkt ernsthafte Herzprobleme entwickeln kann, wenn die Behandlung gestoppt wird. Sie erklären, dass Betroffene vielleicht nicht auf den Feldern werden arbeiten können, nicht laufen können und unter Müdigkeit leiden werden - dass es sogar zu Todesfällen kommen kann", so Herazo.

Behandlung abgeschlossen, Herausforderungen bleiben

Im April 2010 haben alle Kinder, die in Genareros mit Chagas diagnostiziert wurden, ihre Behandlung erfolgreich abgeschlossen. In einem Jahr werden sie erneut einen Test machen müssen, um zu klären, dass sie die Krankheit nicht haben. Weil sie weiter in Häusern aus Stroh und Lehm leben werden, die gerne von Pitos - so werden die Insekten genannt, die die Krankheit übertragen - heimgesucht werden, bleibt die Sorge, dass sie sich erneut infizieren könnten. Ärzte ohne Grenzen setzt sich insbesondere bei den Gesundheitsbehörden in Arauca dafür ein, dass regelmäßig Insektizide benutzt werden, um die Übertragung von Chagas zu verhindern. "Denn die Besuche in den Gemeinden, die 60-tägige Behandlung mit ihren Nebenwirkungen und die Gesundheitsaufklärung werden umsonst sein, wenn die Pitos weiterhin in den Häusern sind und die Menschen sich wieder anstecken. Wir üben Druck auf die Gesundheitsbehörden aus, um die Vektorkontrolle zu stärken und gleichzeitig zu zeigen, dass es möglich ist, Chagas zu behandeln", so Herazo.

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