Dramatische Zuspitzung bei humanitären Krisen

Bei der Präsentation des Jahresberichts 2013 forderte die Hilfsorganisation mehr Respekt vor humanitären Teams und eine Ausweitung der Hilfe für die Menschen im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik. Das Vertrauen der österreichischen Spender und Spenderinnen ist weiterhin groß.

Wien, am 20. Mai 2014. Bei der Präsentation des Jahresberichts 2013 in Wien zeigte sich die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) am Dienstag alarmiert über die Eskalation der Gewalt im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik. Vertreter der Organisation forderten eine Ausweitung der internationalen Hilfe sowie deutlich stärkere Bemühungen, Lösungen für die beiden humanitären Krisen zu finden. „Bei den großen Krisen erleben wir ein eklatantes Versagen des internationalen Hilfssystems, mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung in den betroffenen Ländern“, sagt  Reinhard Dörflinger, der Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich, und fragt: „Wo bleibt der politische Wille, den Menschen im Südsudan oder der Zentralafrikanischen Republik beizustehen?“

Brutale Gewalt gegen Zivilbevölkerung

Beim Einsatz für Menschen in verschiedenen Konfliktgebieten sieht sich Ärzte ohne Grenzen heute immer öfter mit brutaler Gewalt gegen die Zivilbevölkerung konfrontiert. Sorge bereitet vor allem die Zunahme der gezielten Angriffe auf medizinische Einrichtungen. So steht neben der Erleichterung über die Freilassung von fünf seit Anfang Jänner in Syrien festgehaltenen Mitarbeitern die Trauer um drei Kollegen, die Ende April bei einem Überfall auf ein Krankenhaus in der zentralafrikanische Stadt Boguila getötet wurden. Auch im Südsudan wurden Krankenhäuser angegriffen , geplündert und zerstört. Laut Dörflinger veranschaulichen diese Vorfälle, dass der Zugang zu den Betroffenen eine der größten aktuellen Herausforderungen für die Teams von Ärzte ohne Grenzen ist. „Wir rufen die Konfliktparteien in den Krisengebieten dringend dazu auf, die Neutralität von Krankenhauspersonal, medizinischen Einrichtungen und medizinischer Hilfeleistung zu respektieren“, so Dörflinger weiter.

Medizinische Nothilfe für rund 9 Millionen Menschen

Schwerpunkte der Hilfe aus Österreich waren 2013 die medizinischen Programme in Somalia, Swasiland, im Südsudan, im Tschad und in der Demokratischen Republik Kongo. Auch der Einsatz in Haiti wurde weiterhin unterstützt. Mehr als 300.000 Euro wurden als Soforthilfe nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen zur Verfügung gestellt. Insgesamt leisteten die Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen 2013 medizinische Nothilfe für rund neun Millionen Menschen in mehr als  60 Ländern. In 20 dieser Länder wurden die Hilfsprogramme mit den Spendeneinnahmen der österreichischen Sektion unterstützt, die heuer ihr 20-jähriges Gründungsjubiläum begeht.

„Die österreichische Sektion von Ärzte ohne Grenzen konnte im vergangenen Jahr über 15 Millionen Euro direkt für Hilfsprogramme bereitstellen“, berichtet Mario Thaler, der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Einen Rekord gab es bei den Spendeneinnahmen: Insgesamt spendeten fast 250.000 Privatpersonen und Firmen im vergangenen Jahr knapp 24,3 Millionen Euro, über drei Millionen Euro mehr als im Jahr 2012.

Spendenrekord 2013: Vertrauensbeweis der UnterstützerInnen

Von den Ausgaben wurden neben den 15,1 Millionen Euro (70,3%), die direkt in die medizinische und humanitäre Nothilfe geflossen sind, rund 1,2 Millionen Euro (5,6%) für die Vorbereitung und Unterstützung der Hilfseinsätze aufgewendet. 656.000 Euro (3,1%) flossen in die Bewusstseinsarbeit in Österreich, 941.000 Euro (4,4%) in den Verwaltungsaufwand und 3,6 Millionen Euro (16,6 Prozent) in die Spendenwerbung; pro ausgegebenen Euro kamen 6,6 Euro als Spenden zurück. Thaler: „Wir fassen die ungebrochene Unterstützung als Vertrauensbeweis unser Unterstützer und Unterstützerinnen auf. Es zeigt sich, dass immer mehr Menschen die unabhängige Hilfe für Menschen in den Krisengebieten der Welt ein Anliegen ist.“

Erfreulich sei auch, dass viele österreichische Fachkräfte bereit sind, selbst in den Krisengebieten zu helfen, so Thaler. Insgesamt wurden 2013 über das Wiener Büro von Ärzte ohne Grenzen 125 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf insgesamt 167 Hilfseinsätze in 37 Ländern entsandt. 58 Prozent der Einsatzkräfte waren Angehörige medizinischer Berufe, 42 Prozent gehörten zu nichtmedizinischen Berufsgruppen wie Logistik, Technik, Personal- und Finanzwesen.

Neue Kampagne mit Schwerpunkt "Humanitäre Hilfe"

Mit der Präsentation des Jahresberichts 2013 startet auch eine neue Serie der Image- und Informationskampagne von Ärzte ohne Grenzen Österreich, die weiterhin den Schwerpunkt auf die Kernkompetenz „Humanitäre Hilfe“ legt. Konzipiert und umgesetzt wurde die Kampagne, die in den kommenden Monaten in Print, am Plakat, online, sowie im Radio zu sehen und hören sein wird, wie in den vergangenen Jahren von der Werbeagentur Schulterwurf. Für die Spots stellten Dörte Lyssewski und Peter Matic ihre Stimmen zur Verfügung.

Der Jahresbericht 2013 zur Online-Nachlese oder als PDF-Download

Ab Juni 2014 findet sich unter folgendem Link auch der noch detailliertere Finanzbericht 2013: www.msf.at/bilanz

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