Sierra Leone

Ebola: Aktuelle Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen

Die Ebola-Epidemie breitet sich weiter aus – bisher wurden in Westafrika insgesamt 1.093 Krankheitsfälle und 660 Tote registriert. Deshalb stockt Ärzte ohne Grenzen seine Aktivitäten in den am schwersten betroffenen Gebieten auf. Während die Anzahl der Fälle in Guinea stark zurückgegangen ist, infizieren sich in Nachbarstaaten Sierra Leone und Liberia immer mehr Menschen mit dem Virus. Obwohl die Ressourcen bereits erweitert wurden, kämpfen die Gesundheitsbehörden und internationale Hilfsorganisation mit der Eindämmung des Ausbruchs.

Sierra Leone: Mittelpunkt der Epidemie

Mit bisher 454 gemeldeten Fällen ist Sierra Leone nun das Epizentrum des Ausbruchs. Ärzte ohne Grenzen weitet seine Hilfsaktivitäten massiv aus, derzeit arbeiten 22 internationale und 250 nationale MitarbeiterInnen innerhalb des Landes.

Im östlich gelegenen Kailahun betreibt die Organisation ein Ebola-Behandlungszentrum mit 64 Betten. Seit der Eröffnung der Einrichtung am 25. Juni wurden bereits insgesamt 131 Verdachtsfälle und bestätigte Fälle zur Behandlung aufgenommen. Bisher konnten 12 PatientInnen wieder entlassen werden – sie sind zu ihren Familien zurückgekehrt. Für PatientInnen und deren Familien sowie MitarbeiterInnen von Ärzte ohne Grenzen werden auch psychologische Beratungen angeboten.

Ärzte ohne Grenzen  unterstützt darüber hinaus die Gesundheitsbehörden von Sierra Leone bei ihrer Arbeit in Einrichtungen in den Dörfern Koindu und Buedo im Bezirk Kailahun. Dort werden Menschen mit Ebola-Symptomen isoliert, bevor sie mit einem Krankenwagen zum Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt überstellt werden.

In den vergangenen drei Wochen hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 200 lokale GesundheitshelferInnen darin ausgebildet, wichtige Gesundheitsinformationen in den Dörfern zu verbreiten – vor allem, wie sich die Menschen vor Ebola schützen können und was zu tun ist, wenn jemand erste Anzeichen oder Symptome einer Infektion zeigt.

Ärzte ohne Grenzen wird sich nun darauf fokussieren, die Ausbreitung der Epidemie in der Grenzregion zwischen Sierra Leone, Guinea und Liberia aufzuhalten. Dort ist die Bevölkerung besonders mobil, daher verbreiten die Menschen die Krankheit in verschiedene Dörfer. Die Teams werden ihre Aktivitäten zum Thema Gesundheitsaufklärung in den Dörfern dieser Gegend verstärken und ein Alarm-System implementieren, damit neue Verdachtsfälle schnell erkannt und von einem Krankenwagen zur Behandlung nach Kailahun gebracht werden können.

Liberia: Mangel an Ressourcen erschwert Hilfe

Die Situation in Liberia verschlechtert sich rapide – bisher wurden bereits in sieben Bezirken Fälle bestätigt, darunter auch in der Hauptstadt Monrovia. Bei der Durchführung der Hilfsaktivitäten wird in allen Bereichen mit einem Mangel an Ressourcen gekämpft. Die Anstrengungen müssen jedoch dringend verstärkt werden, vor allem bei der Verfolgung von Kontaktpunkten, der Organisation von sicheren Begräbnissen und der Implementierung eines Alarm-Systems.

Nachdem Ärzte ohne Grenzen seine Kapazitätsgrenzen bereits in Guinea und Sierra Leone überschritten hat, kann die Organisation nur in eingeschränktem Umfang technische Unterstützung für das liberianische Gesundheitsministerium zur Verfügung stellen. Ärzte ohne Grenzen hat in Foya im Bezirk Lofa im Norden von Libera ein Ebola-Behandlungszentrum eingerichtet, wo die Fälle seit Ende Mai immer mehr werden. Nach der Beendigung des Aufbaus hat Ärzte ohne Grenzen die Leitung des Behandlungszentrums am 8. Juli an die Nicht-Regierungsorganisation „Samaritan’s Purse“ übergeben. Derzeit werden im Zentrum sechs PatientInnen behandelt; Ärzte ohne Grenzen bietet weiterhin technische Unterstützung und Weiterbildung für die MitarbeiterInnen an.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen wird seine Bemühungen nun auf Voinjama konzentrieren, wo von Menschen berichtet wird, die in ihren Dörfern sterben, bevor sie medizinische Hilfe erreichen können. Die MitarbeiterInnen werden für das Gesundheitsministerium ein Überweisungssystem installieren, damit Menschen mit Verdacht auf Ebola isoliert und danach in das Behandlungszentrum in Foya überstellt werden können.

In Monrovia baut das Notfall-Team von Ärzte ohne Grenzen derzeit ein neues Behandlungszentrum aus Zelten mit einer Kapazität von 40 bis 60 Betten. Das Team besteht aus einem Notfall-Koordinator, einem medizinischen Koordinator, einem Arzt, zwei EpidemiologInnen und zwei SpezialistInnen für Wasserversorgung und Hygiene. Das Zentrum soll am 27. Juli eröffnet werden und wird ebenfalls an die Organisation „Samaritan’s Purse“ übergeben. Davor hat das Team bereits eine Ebola-Station mit 15 Betten im JFK Krankenhaus in Monrovia eingerichtet und im April an das Gesundheitsministerium übergeben. Die Abteilung wurde jedoch mittlerweile wieder geschlossen, alle PatientInnen – derzeit 14 Personen – werden derzeit in ELWA Krankenhaus in Paynesville behandelt, bis das neue Behandlungszentrum eröffnet werden kann. Das Team von Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch das Gesundheitsministerium in der Koordination der Ebola-Aktivitäten und bietet technische und medizinische Beratung an.

Guinea: Situation derzeit stabil

In einigen Regionen von Guinea hat sich die Situation soweit stabilisiert. Ärzte ohne Grenzen hat das Ebola-Behandlungszentrum in Telimélé im Westen des Landes geschlossen, nachdem in einen Zeitraum von 21 Tagen keine neuen Fälle mehr gemeldet worden waren. Insgesamt wurden in sieben Wochen 21 PatientInnen im Zentrum behandelt, von denen sich erstaunliche 75 Prozent wieder erholten. Ohne medizinischer Betreuung muss davon ausgegangen werden, dass nur rund 10 Prozent der Betroffenen überleben.

In der Hauptstadt Conakry reduziert Ärzte ohne Grenzen seine Aktivitäten, da die Zahl der neuen Fälle abnimmt. Derzeit wird im Behandlungszentrum Donka nur ein Patient behandelt, der sich bisher gut erholt und voraussichtlich nächste Woche das Krankenhaus verlassen können wird. Ärzte ohne Grenzen plant, die Verantwortung für das Zentrum Ende Juli an das guineische Gesundheitsministerium zu übergeben. Von den 59 bestätigten Ebola-Fällen, die seit dem 25. März im Zentrum behandelt worden waren, konnten 63 Prozent wieder nach Hause entlassen werden. Doch trotz einer erfolgreichen Genesung sind viele der PatientInnen in ihren Dörfern einer Stigmatisierung ausgesetzt. Selbst einige guineische MitarbeiterInnen von Ärzte ohne Grenzen verheimlichen ihre Arbeitsstelle, da sie fürchten, von ihren Familien ausgeschlossen zu werden.

In Guéckédou im Südosten des Landes – dem Ausgangspunkt der Epidemie – ist die Zahl der PatientInnen in den Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen deutlich zurückgegangen: Derzeit werden nur zwei PatientInnen behandelt. Doch diese positive Entwicklung ist noch keine Garantie dafür, dass der Ausbruch vorbei ist. Stattdessen muss davon ausgegangen werden, dass sich infizierte Menschen in ihren Dörfern verstecken, statt ein Behandlungszentrum aufzusuchen. In den lokalen Gemeinden besteht noch immer große Angst vor Ebola – Teams von Ärzte ohne Grenzen konnten auf Grund der Anfeindungen vier Dörfer nicht aufsuchen. Die Organisation arbeitet daher mit lokalen Behörden und Stammesältesten zusammen, um den sicheren Zugang zu diesen Gebieten zu gewährleisten. Nur so kann festgestellt werden, ob sich immer noch Menschen mit dem Virus infizieren und daran sterben.

Seit dem Ausbruch der Epidemie hat Ärzte ohne Grenzen 150 PatientInnen im Behandlungszentrum in Guéckédou aufgenommen. Die Regenerationsrate war in Guéckédou niedriger als in Telimélé oder Conakry, da die Menschen erst sehr spät medizinische Hilfe in Anspruch nahmen.

Im Interview schildern die Ärztin Dr. Hilde de Clerck und der Epidemiologe Dr. Michel Van Herp die Herausforderungen unserer Arbeit: "Für manche ist Ebola nahezu etwas Übernatürliches"

Das könnte Sie auch interessieren

Teilen

Vervielfältigen