Liberia

Ebola in Liberia: Verteilung von Schutz-Kits an Haushalte in Monrovia

Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in der liberischen Hauptstadt Monrovia im Rahmen der Ebola-Hilfsaktivitäten mit der Verteilung von 50.000 Kits begonnen – sie beinhalten Material zum Schutz von Familien vor einer Ansteckung durch Angehörige und zur Desinfektion von Häusern. So soll das Ansteckungsrisiko innerhalb privater Haushalte reduziert werden.

„Diese Kits sind nicht die Lösung für die Ebola-Krise in Monrovia – doch das Ausmaß der Epidemie und die bisher unzureichenden Hilfsaktivitäten zwingen uns dazu, neuartige und bisher unerprobte Maßnahmen zu ergreifen“, so Anna Halford, die Koordinatorin der Verteilaktion. „Um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, müssten alle infizierten Menschen ein Bett in einem Behandlungszentrum haben. Doch bis die versprochenen Einrichtungen tatsächlich einsatzbereit sind, ist das aus Kapazitätsgründen weiterhin unmöglich. In der Zwischenzeit ermöglichen diese Kits den Menschen etwas Schutz vor infizierten Familienmitgliedern, bis dieses in einem Ebola-Behandlungszentrum die medizinische Hilfe erhalten können, die sie brauchen.“

Schutzmaterial und Gesundheitsinformationen

Die Kits bestehen aus zwei Kübeln und beinhalten Chlor, Seife, Handschuhe, Plastikbeutel sowie einen Kittel, eine Sprühflasche und Masken. Auch eine Gebrauchsanweisung für die sichere Nutzung der Utensilien und Informationen zur Gesundheitsaufklärung sind beigelegt.

Ärzte ohne Grenzen startete die Aktion mit der Verteilung der Kits an Menschen, die wegen der Überfüllung nicht mehr in einem Behandlungszentrum aufgenommen werden konnten, sowie an diejenigen, die mit Ebola-PatientInnen im Zentrum Kontakt hatten. Auch MitarbeiterInnen der Behandlungszentren sowie BewohnerInnen in der Umgebung erhielten die Ausrüstung.

Kein Ersatz für medizinische Betreuung

„Unsere Kits sind nicht dazu gedacht, um zuhause Ebola-PatientInnen behandeln zu können“, so Laurence Sailly, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Monrovia. „Um das tun zu können, braucht es intensives Training und umfassende Unterstützung. Doch die Kits helfen den Menschen, sich selbst für kurze Zeit vor einem erkrankten Familienmitglied zu schützen, bis die Person in einem Behandlungszentrum aufgenommen werden kann.“

Die Kits werden auch an Risikogruppen verteilt wie Gesundheitsfachkräfte, die in ihrer lokalen Umgebung Menschen pflegen. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich derzeit auf Familien in dicht besiedelten Gegenden der Stadt, wo eine hohe Anzahl an Fällen gemeldet worden waren. Auch Menschen, die sich eine entsprechende Ausrüstung zum Schutz ihrer Familie nicht leisten können – wie in Westpoint und New Cru Town – erhalten das Kit.

Bisher 16.000 Kits verteilt

Die groß angelegte Verteilaktion wurde am 25. September gestartet und wird sechs bis acht Wochen dauern. Bisher wurden mehr als 16.000 Kits verteilt. Bei der Verteilung arbeiten die Teams von Ärzte ohne Grenzen mit lokalen Autoritäten in den Gemeinden zusammen – sie verteilen Gutscheinbons an Frauen in jedem Haushalt. Am Morgen eines bestimmten Tages kann der Bon gegen ein Kit eingetauscht werden.

Mehr lesen: "Wenn man Kranke wegschicken muss" - Bericht des belgischen Anthropologen Pierre Trbovic aus Monrovia

Liberia bildet augenblicklich zusammen mit Sierra Leone das Epizentrum des Ebola-Ausbruchs in Westafrika. Ärzte ohne Grenzen leitet jeweils ein Behandlungszentrum in Monrovia und in Foya. Vor allem in der Hauptstadt Monrovia wächst die Anzahl an Ebola-Fällen weiter. Die Helfer stoßen an ihre Grenzen, aus Mangel an dringend notwendigen Kapazitäten können nicht alle PatientInnen aufgenommen werden. Ärzte ohne Grenzen trainiert in Liberia Gesundheitspersonal, unter anderem Gesundheitspromoter, die die Bevölkerung über Infektionsrisiken informieren. Die Teams sind zudem in so genannten Outreach-Aktivitäten zur Aufklärung über Gegenmaßnahmen tätig.

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