Philippinen

Ein Neubeginn auf den Philippinen: Das Behelfskrankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Guiuan

Vor neun Monaten verwüstete Taifun Haiyan die Philippinen. Ärzte ohne Grenzen startete wenige Tage später seine Hilfsaktivitäten im Land. In Guiuan, wo der Taifun als erstes auf eine tief liegende Inselgruppe traf, hat Ärzte ohne Grenzen gerade den Bau eines provisorischen Krankenhauses beendet: Das „Transitional Felipe Abrigo Memorial Hospital“, ein Behelfskrankenhaus in Gedenken an Felipe Abrigo. Es ersetzt das namensgleiche Originalgebäude, dessen Zerstörung einen Wiederaufbau unmöglich machte.

Ärzte ohne Grenzen baute nach Taifun Haiyan auf dem Krankenhausgelände rasch ein aus Zelten bestehendes Spital auf, um die dringendsten medizinischen Bedürfnisse abdecken zu können. Es wurde von den Teams von Ärzte ohne Grenzen und Gesundheitspersonal aus der Region betrieben. Doch es war immer klar, dass diese Einrichtung nicht für den langfristigen Einsatz geeignet sein würde – der Bau einer soliden Konstruktion wurde begonnen.

Nachdem der Bau Ende Juni fertiggestellt worden war, überstellte Ärzte ohne Grenzen die PatientInnen in das neue Krankenhaus, das nun durch die Gesundheitsbehörde der Provinz geführt wird. Am 31. Juli fand eine feierliche Zeremonie zur Übergabe der Einrichtung statt, bei der Ärzte ohne Grenzen die gesamte Ausstattung des Krankenhauses sowie den Vorrat an Medikamenten und medizinischen Verbrauchsgütern für einen Zeitraum von sechs Monaten an die lokalen Gesundheitsbehörden spendete.

Innovatives Baumaterial hält heißem Klima stand

Das Krankenhaus wird als interimistische Einrichtung genutzt, bis eine permanente Anlage durch das Gesundheitsministerium im Jahr 2016 fertiggestellt wird. Das Behelfs-Krankenhaus besteht aus einer innovativen, langlebigen und wiederverwertbaren Material-Mischung (75% Holzfasern und 25% Polypropylene), die sich gut an das heiße und feuchte Klima anpasst.

„Die Bauarbeiten begannen im März 2014 und wurden innerhalb weniger Monate fertiggestellt. Die PatientInnen und das lokale Gesundheitspersonal konnten bereits aus dem Zelt-Krankenhaus überstellt werden“, erklärt Radoslav Antonov, der Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Guiuan. „Wir werden in den kommenden Monaten weiterhin in dieser Region unterstützend tätig sein und hoffen, dass diese Einrichtung bis Ende Oktober ohne die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen voll funktionstüchtig ist.“

Gesundheitssystem wiederhergestellt

Ein kleines Team von  Ärzte ohne Grenzen  hilft derzeit bei der Wasser- und Stromversorgung, der Wartung des Gebäudes, der Lagerhaltung und dem Personalmanagement. „Mit dieser behelfsmäßigen Einrichtung und der Übergabe an lokales Gesundheitspersonal wurde die Gesundheitsversorgung wiederhergestellt: Das Leben nimmt wieder seinen gewohnten Lauf“, so Antonov.

Täglich werden rund 80 ambulante Behandlungen in der Klinik durchgeführt, die meisten davon auf Grund von Atemwegsinfektionen und Vektor-übertragenen Krankheiten wie dem Denguefieber. Das Krankenhaus nimmt pro Tag im Durchschnitt zehn stationäre PatientInnen auf, in der Notaufnahme werden pro Monat mehr als 400 Fälle behandelt – manche davon auch aus entlegeneren Gebieten. Diese Zahlen zeigen, dass die Gesundheitsleistungen wieder auf dem Level vor Haiyan liegen.

„Leistungen hier sind sehr gut“

Ruel Navidad ist der Vater eines Neugeborenen, Prince Wilmark. Er lebt mit seiner Frau rund 60 Kilometer von Guiuan entfernt. Ruel war über den Transfer in das neue Krankenhaus erfreut: „Die Einrichtung und die Leistungen hier sind sehr gut. Ich bin beeindruckt davon, wie man sich sofort um meine Frau gekümmert hat, als wir hier ankamen.“ Derzeit finden im Behelfskrankenhaus pro Tag bis zu acht Geburten statt.

Der voll ausgestattete Operationssaal erlaubt es dem medizinischen Personal, auch große Eingriffe durchzuführen. Die 44-jährige Martina hat gerade eine Operation im Bauchraum hinter sich. „Ich war in einer Privatklinik, doch als ich erfuhr, dass dieses Krankenhaus eröffnet wurde, beantragte ich sofort eine Überstellung“, erzählt sie. „Mein Haus wurde durch den Taifun zerstört und ich habe alles verloren. Es kostet mich ein Vermögen, den Eingriff in einer Privateinrichtung durchführen zu lassen. Doch hier ist diese Operation kostenlos.“

„Yolanda hat unser Gesundheitssystem hinweggefegt – wir hoffen, es besser wiederaufzubauen, als es vorher war. Eine Chance, die aus der Not entstand“, so Dr. Paulyn Jean Ubial, stellvertretende Sekretärin der Gesundheitsbehörde, während der Übergabe-Zeremonie.

Bessere Arbeitsbedingungen und bessere Versorgung

Dr. Lilia Daguinod ist die Leiterin des Krankenhauses und blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im öffentlichen Gesundheitswesen zurück. Sie hat mit  Ärzte ohne Grenzen  von Anfang an im Zelt-Krankenhaus gearbeitet. Sie erinnert sich: „Sieben Tage nach dem Taifun kamen die Teams von  Ärzte ohne Grenzen  mit Material und Personal, um das Krankenhaus aus Zelten aufzubauen. Zehn Tage später arbeitete ich bereits im  aufblasbaren Operationssaal , wo ich an einem Tag bis zu fünf Kaiserschnitte durchführte. Es war damals wirklich hart für das gesamte medizinische Personal und die Bevölkerung.“

In ihrem Team war damals auch Dr. Natasha Reyes von  Ärzte ohne Grenzen : „Wir wissen, dass ein Krankenhaus aus Zelten nicht der beste Ort ist, um medizinische Versorgung anzubieten: Es ist staubig, heiß, feucht und kann keinem weiteren Sturm standhalten. Das Behelfs-Krankenhaus wurde genau vor der nächsten Taifun-Saison fertig gestellt und bietet bessere Arbeitsbedingungen für das Personal und damit eine bessere Versorgung für die Patienten.“

Time-Lapse-Video: Aufbau des Spitals im Zeitraffer

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