Nepal

Erdbeben in Nepal: Ärzte ohne Grenzen unterstützt Betroffene

Am 25. April und am 12. Mai wurde Nepal von zwei schweren Erdbeben getroffen. Tausende Menschen kamen ums Leben, zehntausende wurden verletzt und Millionen verloren ihre Lebensgrundlage. Teams von Ärzte ohne Grenzen kamen bereits kurz nach dem ersten Beben ins Land und unterstützen die Betroffenen weiterhin. Vorrang haben dabei die Menschen in den abgelegenen Bergdörfern, die die Erdbeben am stärksten zu spüren bekommen haben und von Hilfe bislang vielfach isoliert sind.

Teams von Ärzte ohne Grenzen wurden kurz nach dem ersten Beben aktiv. Per Helikopter begannen sie mit erster medizinischer Hilfe und der Verteilung von Unterkünften und Nahrungsmitteln in den isolierten Dörfern. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen konnten direkt auf das Beben am 12. Mai reagieren. Aus abgelegenen Orten wie Singati, Marbu, Yanglakot und Lapilang wurden Patienten und Patientinnen in kritischem Zustand in Krankenhäuser in Kathmandu gebracht. Ärzte ohne Grenzen prüft nun, inwieweit die Hilfe nach dem zweiten Beben weiter angepasst werden muss.

„In einigen Gegenden gibt es bis zu 90 Prozent Zerstörung“, so Dan Sermand, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Nepal. „Krankenhäuser und Gesundheitszentren wurden durch die beiden Beben beschädigt und vielen Menschen der Zugang selbst zu grundlegendster Gesundheitsversorgung genommen. Bis gestern kam es in einigen Bergregionen immer noch zu Erdrutschen. In einigen Gegenden sind ganze Ortschaften abgerutscht, was eine ohnehin schon verheerende Situation verschärft, da viele Menschen bereits bei dem ersten Beben ihre Häuser verloren haben.“

Medizinische und psychologische Hilfe

In vielen Distrikten sind Krankenhäuser und Gesundheitszentren eingestürzt und die, die noch stehen, sind schwer beschädigt und einsturzgefährdet. In das Bhaktapur-Krankenhaus kamen nach dem zweiten Beben enorm viele Verletzte, woraufhin Ärzte ohne Grenzen Verbandsmaterialien und Medikamente bereitstellte.

In den Distrikten Dhading, Gorkha, Rasuwa, Sindhupalchowk und Nuwakot leisten unsere Teams medizinische und psychologische Hilfe. Einige der Betroffenen haben dort seit dem ersten Beben keinerlei medizinische Hilfe bekommen.

Im Distrikt Dolakha, dem Epizentrum des zweiten Bebens, behandelt Ärzte ohne Grenzen Menschen in kritischem Zustand vor Ort und bringt Schwerverletzte mit u.a. Schädelfrakturen in Krankenhäuser nach Kathmandu, wo diese weiter versorgt werden.

In Arughat im Distrikt Gorkha ist ein aufblasbares Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen mit 20 Betten seit dem 8. Mai in Betrieb. Es hat sowohl chirurgische und psychologische Kapazitäten, als auch eine Entbindungs-, Notfall- und allgemeinmedizinische Abteilung. Ärzte ohne Grenzen arbeitet außerdem mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um die ambulante Versorgung von Patienten und Patientinnen zu ermöglichen und unterstützt die Versorgung mit Medikamenten, medizinische Trainings und das Überweisungssystem des Krankenhauses. Rund 100 Patienten und Patientinnen werden dort täglich ambulant behandelt. Die meisten von ihnen leiden unter Atemweginfektionen, Durchfall und während der Erdbeben zugezogene Verletzungen. In der Notaufnahme behandelt das Team täglich rund 15 Menschen. Auf der Entbindungsstation kam am 12. Mai das erste Baby zur Welt:

„Die meisten Gesundheitseinrichtungen im Gorkha-Distrikt sind eingestürzt und das Arughat Krankenhaus stellt in der Region die dringend benötigte sekundäre Gesundheitsversorgung bereit. Einige Menschen erzählen uns, dass sie fünf Tage gelaufen sind, um das Krankenhaus zu erreichen. Das zeigt, wie schwer die Erdbeben das Gesundheitssystem zerstört haben“, so Dr. Manangama Guyguy, medizinischer Koordinator in Nepal.

In Dörfern der Distrikte Nuwakot, Gorkha, Rusuwa und Sindhupalchowk hat Ärzte ohne Grenzen mit psychologischer und psychosozialer Hilfe begonnen. Im Arughat Krankenhaus bieten unsere Einsatzkräfte den vom Erdbeben traumatisierten Patienten und Patientinnen und lokalen Teams ebenfalls psychologische Betreuung an.

Unterkünfte und Nahrungsmittel

Bereits nach dem ersten Beben waren neben der Gesundheitsversorgung Notunterkünfte dringend notwendig. Die Situation hat sich nun zugespitzt.

„Mein Haus wurde durch das erste Erdbeben rissig; das zweite Beben hat es zerstört. Ich bin fassungslos, ich habe meinen Besitz verloren und mein Vieh gibt es auch nicht mehr. Aber ich bin froh, dass meine Familie nicht im Haus war, als das passiert ist. Sie waren in einem Lager für Vertriebene, da wir Angst hatten, dass das Haus einstürzt. Und wir hatten Recht“, so Rajkumar Pakhrin, Verwaltungsassistentin von Ärzte ohne Grenzen im Dorf Mirge im Distrikt Dolakha.

Teams von Ärzte ohne Grenzen haben inzwischen mehr als 2.300 Kits mit Hygiene-Artikeln und Materialien zum Bau von Unterkünften in 20 schwer betroffenen Dörfern in den Distrikten Rasuwa, Sindupalchok und Ghorka verteilt. Die Teams haben außerdem in einigen Dörfern in den Distrikten Dhaging, Rasuwa und Sindupalchok mit der Verteilung von Wellblechplatten und Nägeln begonnen.

Nahrungsmittel, vor allem Reis und therapeutische Kekse mit hohem Energiewert, wurden ebenfalls in den Distrikten Dhaging, Rasuwa und Sindupalchok verteilt.

Wasser und Sanitäranlagen

Im Chuchibati Camp und Kathmandu haben unsere Einsatzkräfte Wasser bereitgestellt und Latrinen gebaut. Wassertanks wurden außerdem in einigen Dörfern im Distrikt Rasuwa aufgestellt. In den Gemeinden Gumpatang, Tembatang und Nimlung im Distrikt Sindhupalchowk hilft Ärzte ohne Grenzen das Wasserversorgungssystem wieder aufzubauen.

Transportschwierigkeiten

Der Luftweg ist weiterhin die einzige Möglichkeit, die Bergregionen zu erreichen, in denen die Straßen beschädigt oder blockiert sind. Da große Hubschrauber nicht in den abgelegenen Dörfern landen können, wo sich ein Großteil der Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen konzentriert, sind kleine Helikopter die einzige Option. Diese haben aber sehr eingeschränkte Flugkapazitäten, was den Umfang der Ladungen beschränkt, die transportiert werden können.

„In ein paar Wochen startet die Regenzeit, dann können die Menschen nicht mehr draußen leben“, so Peter Paul de Groote, Nothilfe-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Nepal. „Dann sind die abgelegenen Regionen sehr schwer zu erreichen. Das einzige Zeitfenster mit der Gelegenheit zu helfen ist jetzt. Wir versuchen alles, um Unterkünfte in diese Dörfer zu bringen, bevor sich das Fenster schließt.“

Am 25. April 2015 wurde Nepal von einem Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala erschüttert. Das Epizentrum lag im Distrikt Gorkha, 200 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu. Bis zum 11. Mai meldete die nepalesische Regierung 8.019 Tote und 17.866 verletzte Personen. Am 12. Mai 2015 gab es ein weiteres schweres Beben. Es wurde mit 7,3 auf der Richterskala gemessen und das Epizentrum lag diesmal an der Grenze zwischen den Distrikten Dolakha und Sindhupalchowk, östlich von Kathmandu. Mindestens 76 Personen kamen dabei ums Leben und rund 2.000 Menschen wurden verletzt.

Wenn Sie sich für eine Mitarbeit im Erdbeben-Gebiet in Nepal interessieren, beachten Sie bitte unseren Hinweis.

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