Somalia

Ernährungskrise am Horn von Afrika: Noch nie zuvor waren so viele Menschen in Somalia auf der Flucht

Mehr als 2.000 Menschen aus Somalia überqueren zurzeit täglich die Grenzen nach Kenia und Äthiopien, um in den Nachbarländern Hilfe zu suchen. Im Land selbst machen sich so viele Menschen wie nie zuvor auf den Weg. Sie sind auf der verzweifelten Suche nach Nahrung und medizinischer Hilfe, weil Ernten ausgefallen sind und sie keine Vorräte mehr haben. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Somalia sind in den Krankenhäusern und Ernährungszentren mit dieser sehr schnell wachsenden Zahl Vertriebener konfrontiert.

Luul Sankus, die Mutter von zwei Kindern, ist mit ihrem Mann und zwei Kindern mehr als 160 Kilometer gelaufen, um das Dorf Hurufle im Juba Valley zu erreichen. „Ich war jetzt mehr als neun Monate nicht mehr in unserer Heimat. Wir sind Bauern – als der Regen kam, war dort, woher wir kommen, nichts mehr übrig für uns. Mein Mann und zwei unserer Kinder liefen den ganzen Weg nach Hurufle. Dort leben wir jetzt als Vertriebene. Unser Sohn wurde dort nach unserer Ankunft krank: Es gab dort keine Behandlung, keine Unterkunft und keine Nahrung. Mir wurde geraten, ihn in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Marere zu bringen. Deshalb bin ich hier.“

Menschen fliehen, weil sie nichts mehr zu essen haben

"Vertreibung ist für die Somalier nicht neu", sagt der Leiter der Projektabteilung, Joe Belliveau. " In den vergangenen Jahren sind Hunderttausende vor der Gewalt in Mogadischu und anderswo geflohen. Neu ist, dass die Menschen nun aus ländlichen Gebieten fliehen, einfach weil sie nichts mehr zu essen haben."Vertriebenenlager tauchen plötzlich in Somalia auf. Immer dort, wo Menschen das Gefühl haben, eine bessere Chance auf Hilfe zu haben. Im Dorf Jilib, im Lower Juba Valley, haben zum Beispiel etwa 5.000 Menschen spontan ein Lager aufgeschlagen, in der Hoffnung von der Gemeinde, den Behörden oder Ärzte ohne Grenzen Unterstützung zu bekommen.

Tausende medizinische Konsultationen täglich

Ärzte ohne Grenzen hat im Moment neun medizinische Ernährungsprogramme im Zentrum und Süden Somalias, von denen die meisten in denen von Al-Shabaab kontrollierten Gebieten liegen. In den Programmen werden tausende medizinische Konsultationen täglich durchgeführt und die Mitarbeiter behandeln dort und in den drei großen Programmen von Ärzte ohne Grenzen in den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien im Moment mehr als 10.000 schwer mangelernährte Kinder."In einigen Teilen Somalias erleben wir die schlimmste Situation der vergangenen zehn Jahre", erklärt Joe Belliveau. "Die gängigen Bewältigungsstrategien der Menschen sind erschöpft, und viele sind an ihre Grenzen gekommen. Ärzte ohne Grenzen ist darauf vorbereitet, mehr Hilfe zu leisten, aber dafür müssen gewisse Einschränkungen aufgehoben werden. Wenn Ärzte ohne Grenzen die Genehmigung erhält, internationale Experten zu entsenden, die gemeinsam mit unseren mehr als 1.000 somalischen Angestellten arbeiten sollen, und wenn wir die Erlaubnis bekommen, Flugzeuge mit Hilfsgütern, Zusatznahrung und Medikamenten in das Land zu schicken, dann können wir die Hilfe aufstocken."Jüngste Äußerungen von Al-Shabaab deuten auf den Wunsch einer Aufstockung der humanitären Hilfe hin, aber mit den anhaltenden Einschränkungen in Bezug auf internationale Mitarbeiter und Flüge kann Ärzte ohne Grenzen nicht viel mehr tun.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia und bietet derzeit in acht Regionen im Süden Somalias kostenlose medizinische Versorgung an. Mehr als 1.400 somalische Mitarbeiter, unterstützt von etwa 100 Mitarbeitern in Nairobi, führen medizinische Basisversorgung, Behandlung von Mangelernährung, Behandlung von Vertriebenen und Operationen durch und verteilen Hilfsgüter und Trinkwasser. Ärzte ohne Grenzen nimmt für seine Hilfsprojekte in Somalia keine Regierungsgelder an, alle Mittel kommen von privaten Spendern.

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