Äthiopien

Fallstudien der größten humanitären Krisen der letzten 40 Jahre

Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) lanciert unter dem Titel "MSF Speaking Out" eine neue Website, die Einblicke in die Entscheidungen der Organisation in Zusammenhang mit den größten humanitären Krisen der letzten 40 Jahre gewährt.

Die Website MSF Speaking Out veröffentlicht erstmals Fallstudien, die die internen Überlegungen von Ärzte ohne Grenzen zu Krisen aufzeigen. Die Organisation war in bestimmten Fällen dazu gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen - wie z.B. während der Hungersnot 1985 in Äthopien oder dem Genozid in Ruanda 1994. Die Fallstudien beleuchten die Dynamik hinter den Entscheidungen von Ärzte ohne Grenzen in bezug auf Dilemmata, die in jeder Krise aufgeworfen wurden.

Transparenz von Schlüsselentscheidungen

Die Fallstudien basieren auf ausführlichen Interviews mit MitarbeiterInnen, die zu dem Zeitpunkt vor Ort waren, sowie Entscheidungsträgern aus den Einsatzzentralen von Ärzte ohne Grenzen . Dr. Joanne Liu, internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen: "Wir haben eine starke Tradition in kollektiver Entscheidungsfindung. Unsere Entscheidungen in kritischen Momenten basieren auf internen Konfrontationen und Diskussionen. Wir möchten Schlüsselentscheidungen über unsere Positionierung in den komplexesten Krisensituationen transparent machen: Eine faszinierende Lektüre für alle Beobachter der humanitären Hilfe."

Fallstudien über Somalia und Äthiopien

Die ersten auf der Website veröffentlichten Fallbeispiele beleuchten die Erfahrungen von Ärzte ohne Grenzen in Somalia Anfang der Neunziger Jahre sowie die Vertreibungen während der Hungersnot in Äthiopien von 1984 bis 1986:

  • Somalia 1991-1993 : Bürgerkrieg, Hungersnotalarm und eine "militärisch-humanitäre" Intervention der UNO Die 1. Fallstudie beschreibt die Dilemmata, mit denen Ärzte ohne Grenzen in den ersten Jahren seiner Hilfsaktivitäten für das somalische Volk konfrontiert war. Ärzte ohne Grenzen war eine der wenigen medizinischen Organisationen, die im ersten Jahr der Krise in Somalia tätig war. Das Zeugnis der Organisation hat der Krise internationale Aufmerksamkeit gebracht. Die Herausforderungen bestanden unter anderem in der Entwicklung einer öffentlichen Kommunikationsstrategie vor dem Hintergrund eines heftigen Bürgerkries, einer unangemessenen internationalen Reaktion auf die Krise, der militärisch-humanitären Intervention der UNO und der Friedenstruppe unter dem Kommando der USA in Reaktion auf die Ernährungskrise, die damals Somalia fest im Griff hatte. 
  • Äthiopien 1984-1986 : Die Hungersnot und gewaltsame Zwangsumsiedlungen Die 2. Fallstudie beleuchtet die Schwierigkeiten von Ärzte ohne Grenzen während der Hungersnot in Äthiopien während der Jahre 1984-1985. Diese Hungersnot löste eine beispiellose humanitäre Mobilisierung aus und erhielt große mediale Aufmerksamkeit. Das äthiopische Regime benutzte zu der Zeit allerdings die internationale Hilfe auch als Köder, um die Bevölkerung unter entsetzlichen Bedingungen gewaltsam umzusiedeln. Was hätte in diesem Zusammenhang getan werden müssen, als deutlich wurde, dass die Unterstützung gegen die Bevölkerung verwendet wurde, für die sie bestimmt war? Könnte die öffentliche Stellungnahme von Ärzte ohne Grenzen internationale Hilfsaktionen in Äthiopien gefährden? Setzt die Organisation damit ihre eigene Existenz und seine anderen Tätigkeiten einer Gefahr aus? Die Analyse der Krise illustriert die komplexe Herausforderung der Leistung unabhängiger humanitärer Hilfe.

Online zum Download & als gebundenes Exemplar erhältlich

Jede Fallstudie wurde basierend auf Archivmaterial von Ärzte ohne Grenzen , Medienberichten, Presseaussendugnen und interner Dokumentation erstellt. Die Studien stehen in englischer und französischer Sprache zur Verfügung - gebundene Exemplare können in den Büros von Ärzte ohne Grenzen erworben werden und stehen direkt auf der Website als eBook gratis zum Download zur Verfügung: speakingout.msf.org

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