Äthiopien

Geflohen vor Krieg und Gewalt: 54.000 Menschen brauchen unsere Hilfe

 „Im Flüchtlingslager sehe ich viel Leid“, sagt Christine Tasnier. „Aber als Hebamme sehe ich auch viel Freude.“ Sie berichtet von besonderen Momenten.

Seit bald einem Jahr arbeite ich in Äthiopien im Flüchtlingslager Kule im Gesundheitszentrum von Ärzte ohne Grenzen. 54.000 Menschen aus dem Südsudan suchen hier Schutz vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Die Menschen sind erschöpft und leiden oft an Krankheiten wie Durchfällen durch die harten Lebensbedingen auf ihrer Flucht nach Äthiopien. Kinder sind mangelernährt, weil die Lebensmittel oft nicht ausreichen. Viele Bewohner und Bewohnerinnen leiden an Atemwegsinfekten, weil die Nächte kalt sind, und sie keine Decken in ihren Hütten haben. Unser Gesundheitszentrum ist fast die einzige medizinische Hilfe hier.

Als Hebamme weiß ich, wie furchtbar diese Lebenssituation für schwangere Frauen ist. Doch wir haben ein gutes Angebot aufgebaut. Häufig können wir mit einfachen Mitteln viel bewirken. Doch manchmal wird es dennoch kritisch – so wie bei Nyakueth Kurg. Die junge Frau kam mit Wehen und lebensbedrohlichen Krämpfen zu uns. Wir wussten, dass wir ihre Geburt beschleunigen müssen. Deshalb gaben wir ihr Medikamente, um ihren Blutdruck zu senken und leiteten die Geburt ein. Zum Glück lief dann alles gut, und sie brachte ein gesundes Mädchen zur Welt. Nyakueth nannte ihr Baby „Frieden“. Denn es ist Brauch im Südsudan, Kinder nach den Umständen der Geburt zu benennen, und in dieser Nacht gab es Gerüchte, es gebe ein Friedensabkommen im Südsudan.

Die Menschen hier wünschen sich so sehr, dass sie in ihre Heimat zurückkehren können. Bisher wurden ihre Hoffnungen jedes Mal enttäuscht. Dennoch erlebe ich hier viel Freude. Unsere Patienten und Patientinnen danken mir immer wieder dafür, dass wir bei ihnen sind und sie nicht vergessen. Insgesamt behandeln wir in Kule mehr als 570 Menschen pro Tag. Hilfe, die viele Leben rettet.

54.000 Menschen leben im Flüchtlingslager Kule. Sie sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Erfahren Sie mehr über unsere Hilfe in Äthiopien in der Slideshow:

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