Griechenland

Griechenland: Dringender Bedarf an medizinischer und psychologischer Hilfe für inhaftierte Migranten

Die Lage für Migranten in den Auffanglagern in Evros und Rodopi im Norden Griechenlands ist neuerlich kritisch. Fast einen Monat lang wurde Migranten und Asylwerbern in den Auffanglagern keine medizinische Versorgung zur Verfügung gestellt, da das Gesundheitsministerium nicht in der Lage war, die medizinische und psychologische Betreuung weiterzuführen. Ärzte ohne Grenzen hat daher beschlossen, seine medizinische Hilfe in der Region wieder aufzunehmen, um auf den dringenden Bedarf der inhaftierten Migranten zu reagieren.

„Seit dem 31. Juli war aufgrund von Budgetkürzungen kein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums mehr in den Auffanglagern von Evros oder Rodopi tätig. Nach einem kurzen Erkundungsbesuch haben wir daher beschlossen, unsere Arbeit dort wieder aufzunehmen: Der Bedarf an medizinischer Versorgung, psychologischer Betreuung und humanitärer Hilfe ist enorm“ erklärt Ioanna Pertsinidou, Nofhilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. Täglich überqueren über 250 Migranten, einschließlich Kinder und Schwangere, sowie viele Flüchtlinge aus Syrien, die griechisch-türkische Grenze und kommen in einer kritischen Lage in den Auffanglagern an – erschöpft und ohne Lebensmittel oder Wasser. „Trotz der signifikanten Abnahme von Inhaftierten in letzter Zeit haben wir keine wesentliche Verbesserung bemerkt, was die schrecklichen Lebens- und Hygienebedingungen an diesen Orten betrifft“ fügt Pertsinidou hinzu. Die Anzahl der Migranten und Flüchtlinge, die die Grenzen überqueren, wird Schätzungen zufolge in den nächsten Monaten dramatisch ansteigen.In der dritten Augustwoche hat ein 8-köpfiges Team von Ärzte ohne Grenzen mit medizinischer Versorgung und psychologischer Betreuung begonnen und an der Verbesserung der Lebens- und Hygienebedingungen in den Polizei-Grenzstationen von Tychero, Soufli und Feres sowie in den Auffanglagern von Filakio und Venna gearbeitet. „Die Notwendigkeit für unsere Teams, vor Ort zu sein, ist unbestritten, da sich derzeit sonst niemand um diese Menschen kümmert“ erklärt Pertsinidou.

 

EU muss menschenwürdige Bedingungen gewährleisten

 

Ärzte ohne Grenzen fordert die griechischen und die EU-Behörden dazu auf, eine adäquate medizinische und psychologische Betreuung für inhaftierte Migranten so wie menschenwürdige Bedingungen in den Auffanglagern zu gewährleisten, einschließlich einer adäquaten Unterkunft, ausreichend Nahrungsmittel, Kleider und Gegenstände für die Körperhygiene und ausreichende Phasen im Freien für die Häftlinge. Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1996 medizinische und psychologische Hilfe für Migranten und Asylwerber in Griechenland. In  den Auffanglagern in Evros bieten die Teams von Ärzte ohne Grenzen seit Dezember 2010 medizinische Versorgung an und kümmern sich um bessere Lebens- und Hygienebedingungen. Anfang März 2011 hatte Ärzte ohne Grenzen seine medizinischen Aktivitäten an Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums übergeben, aber weiterhin Hilfsgüter an inhaftierte Migranten verteilt.

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