Griechenland

Griechenland-Evros: Migranten leiden unter extremen Wetterbedingungen

Aufgrund des anhaltend großen Zustroms von Migrantinnen und Migranten in die griechische Region Evros und der extremen Wetterbedingungen in den vergangenen Wochen steht das ohnehin überlastete Auffangsystem in den dortigen Polizeigrenzstationen vor großen Problemen. Betroffen sind die Einrichtungen in Soufli, Tychero und Feres sowie das Gefangenenlager in Filakio.

„Die neu ankommenden Migranten verbrachten bei eiskalten Temperaturen bis zu einem Tag in Wartezonen", sagt  Antonio Virgilio, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. „Die Migranten haben ohnehin während ihrer Flucht über die Grenze schon unter schwierigsten Bedingungen gelitten. In Griechenland angekommen, mussten sie mehrere Stunden warten, ohne warme Kleidung zum Schutz vor der extremen Kälte und teilweise ohne eine medizinische Untersuchung durch Ärzte des Gesundheitsministeriums." 

Notfallteams versorgen Migrantinnen und Migranten

In den Wartebereichen der drei Grenzpolizeistationen in Evros gibt es keine Heizung. Die Migranten werden nicht mit zusätzlicher warmer Kleidung, Schlafsäcken, Rettungsdecken oder anderen Behelfsmitteln zum Wärmen versorgt. „Die Zustände bei ihrer Aufnahme sind inakzeptabel", sagt Virgilio.

Ein Notfallteam von Ärzte ohne Grenzen hat sofort auf die dringendsten Bedürfnisse der Menschen in den drei Polizeigrenzstationen und im Gefangenenlager in Filakio reagiert. Das Team steht rund um die Uhr auf Abruf zur Verfügung, schaut nach medizinischen Notfällen unter den Migrantinnen und Migranten und stellt warme Kleidung, Schlafsäcke, Rettungsdecken und Hygiene-Pakete zur Verfügung. Während der ersten vier Tage des Einsatzes versorgte das Team 125 Personen, darunter Frauen und Kinder, die zitternd und erschöpft ankamen. 

Das Team plant, die Wartebereiche zu verbessern, damit die Menschen zumindest einen gewissen Schutz vor der teilweise extremen Kälte haben. 

Medizinische Hilfe auch in neuem Übergangslager

Die griechischen Behörden errichten derzeit in Poros ein neues Übergangslager, das bis Mitte März fertiggestellt werden soll. In diesem Lager sollen alle neu ankommenden Migrantinnen und Migranten registriert werden. Ärzte ohne Grenzen plant, dort medizinische Untersuchungen durchzuführen.

Im Jahr 2011 wurden 54.974 nicht registrierte Migranten und Asylsuchende festgenommen, weil sie ohne Papiere die Grenze zur griechischen Region Evros überquert haben. Im Laufe des Jahres 2011 versorgten die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 2.600 Menschen in den Polizeigrenzstationen und den Auffanglagern in Filakio, Soufli, Tychero, Feres und Venna medizinisch. Die Mehrzahl von ihnen litt an Atemwegs-Erkrankungen, Magen-Darm-Störungen und Hautinfektionen, die auf die schlechten Lebensbedingungen in den überfüllten Lagern zurückzuführen waren. 16 Personen litten an Erfrierungen - Ärzte ohne Grenzen leistete Erste Hilfe. Einige der Menschen waren in einem kritischen Zustand und wurden in ein Krankenhaus überwiesen.  Die Organisation verteilte mehr als 12.300 Schlafsäcke, 18.900 Paar Socken, 5.900 Paar Handschuhe und Mützen sowie 18.400 Hygiene-Pakete.

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