Griechenland

Wann nimmt das Leid der Geflüchteten auf den griechischen Inseln ein Ende?

Bewusst von der EU im Stich gelassen: Auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios sitzen bereits über 35.000 Schutzsuchende fest (Stand 3. November) – in völlig überfüllten Lagern, die ursprünglich nur für ein Viertel der Menschen ausgelegt sind. 60 Prozent von ihnen sind Kinder und Frauen.

Eine von ihnen ist Jasmina*. Sie lebt im Vathy Camp auf Samos: "Ich fühle mich sehr schlecht, weil ein Mensch unter diesen Bedingungen nicht leben kann. Als Mutter empfindet man Schmerz, wenn das eigene Kind aufgrund der Umstände weint, das bringt einen dann auch zum Weinen." Im Video erzählt sie ihre Geschichte:

 

Unmenschliche Lebensbedingungen

Die meist durch Krieg und Gewalt traumatisierten Geflüchteten leben unter unvorstellbaren Bedingungen: Sie haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, Nahrung, sanitären Anlagen und medizinischer Versorgung. Abdul* lebt nun schon seit elf Monaten in einem Container. Die Lage hat sich seit seiner Ankunft nicht verbessert, im Gegenteil - sie hat sich zugespitzt. Früher teilten 8-10 Familien eine Toilette, nun sind es 80-100. Die schlechten hygienischen Bedingen wirken sich schädlich auf die Gesundheit der Menschen aus. Letzten Winter ist seine kleine Tochter krank geworden. Nach zwei bis drei Tagen hatte er noch immer keinen Termin, da es auf Samos nur einen Arzt für 5.000 Menschen gibt. Seine bewegende Geschichte teilt er im Video: 

 

Psychosozialer Notstand

"Immer mehr Kinder spielen nicht mehr, haben Alpträume und Angst, aus ihrem Zelt hinauszugehen. Sie beginnen, sich aus dem Leben zurückzuziehen" - Katrin Brubakk, Leiterin des psychologischen Programms auf Lesbos

Die Geflüchteten sitzen fest - ohne jegliche Zukunftsperspektive. Wiederholt haben unsere Teams auf den psychosozialen Notstand hingewiesen: Viele Menschen verletzen sich in ihrer Verzweiflung selbst, auch Suizidversuche sind an der Tagesordnung:

Die humanitäre und medizinische Versorgung wird überwiegend Freiwilligenorganisationen überlassen, die wegen des Versagens der Behörden einspringen: Täglich führen unsere Teams auf Lesbos, Samos und Chios hunderte medizinische Konsultationen in Koordination mit anderen Freiwilligen- und Nichtregierungsorganisationen durch. Wir leisten auch psychologische Hilfe, führen Impfkampagnen durch, behandeln chronische Krankheiten und betreuen Betroffene von Folter und sexueller Gewalt.

Eine politikgemachte Krise

Verantwortlich für diese Krise ist der EU-Türkei-Deal, der zu einem mangelhaften Aufnahmesystem auf den griechischen Inseln, fehlenden Schutzmechanismen und einer ungenügenden Versorgung der Geflüchteten führt. Die griechische Regierung und die anderen Mitgliedstaaten der EU müssen die Situation der Schutzsuchenden umgehend verbessern.

Wir fordern von der griechischen Regierung, der EU und ihren Mitgliedstaaten dringend:

  • die Evakuierung von Kindern und anderen besonders Schutzbedürftigen in sichere und angemessene Unterkünfte auf dem griechischen Festland oder in andere europäische Staaten.
  • mehr medizinisches Personal in den griechischen Aufnahmezentren.
  • nachhaltige Mechanismen, um zu vermeiden, dass Tausende von Menschen auf den griechischen Inseln in überfüllten Lagern ausharren müssen.

* Namen geändert

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