Haiti

Haiti: Ärzte ohne Grenzen behandelt immer mehr Cholera-Verdachtsfälle in der Hauptstadt Port-au-Prince

In den vergangen drei Tagen haben medizinische Teams von Ärzte ohne Grenzen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince mehr als 200 Menschen behandelt, die an schwerem Durchfall, einem Symptom von Cholera, litten. Ärzte ohne Grenzen unterstützt in mehreren Teilen des Landes staatliche Gesundheitseinrichtungen im Kampf gegen Cholera und betreibt mehrere Cholera-Behandlungszentren.

Die schweren Symptome der in Port-au-Prince behandelten Patienten sind sehr beunruhigend, auch wenn bisher nur in wenigen Fällen das Vibrio Cholera-Bakterium im Labor nachgewiesen wurde. Ärzte ohne Grenzen behandelt alle betroffenen Patienten nach dem Standard Cholera-Behandlungsprotokoll mit oraler oder intravenöser Rehydration und, wenn notwendig, mit Antibiotika.

Seit vergangenem Samstag kam es in allen vier Gesundheitseinrichtungen von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince zu einem Anstieg der Cholera-Verdachtsfälle. In den Einrichtungen stehen bereits 300 Betten für die Behandlung von Cholera-Patienten bereit. Derzeit errichtet Ärzte ohne Grenzen ein Cholera-Behandlungszentrum mit 320 Betten im Stadtteil Sarthe, wo Ärzte ohne Grenzen bereits eine Einrichtung zur post-operativen Pflege betreibt.

„Der Anstieg der Cholera-Verdachtsfälle in unseren über Port-au-Prince verteilten Einrichtungen ist alarmierend“, sagt Stefano Zannini, Einsatzverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. „Cholera ist eine gut vermeidbare und behandelbare Krankheit, besonders wenn Patienten, die Symptome aufweisen, in einer kontrollierten, isolierten Umgebung wie einem Cholera-Behandlungszentrum aufgenommen werden. Die Verfügbarkeit von Cholerabehandlungszentren in den von einem Ausbruch betroffenen Gebieten kann den Druck auf die vorhandenen Gesundheitseinrichtungen enorm verringern und das Risiko einer Übertragung nach außen stark verringern.“

Neben Aufklärungskampagnen über Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise Händewaschen ist der Zugang zu sofortiger Behandlung ein entscheidender Teil der lebensrettenden Maßnahmen nach einem Choleraausbruch. Die schnelle Verabreichung von Rehydrationslösungen ist für die Vermeidung unnötiger Todesfälle enorm wichtig.

Die Bevölkerung hat in vielen der betroffenen Gebiete von Port-au-Prince unzureichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen, die für die effektive Prävention Voraussetzung sind. Im Stadtteil Cite Soleil stellt Ärzte ohne Grenzen beispielsweise täglich 280.000 Liter Trinkwasser zur Verfügung. Das reicht für ungefähr 14.000 Menschen, liegt jedoch weit unter den Bedürfnissen aller Einwohner von Cite Soleil.

Neben der Arbeit in den eigenen Gesundheitseinrichtungen unterstützt Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince auch zwei Krankenhäuser des haitianischen Gesundheitsministeriums. In der Stadt Leogane, wo Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus betreibt, hat Ärzte ohne Grenzen ein Cholerabehandlungszentrum mit 20 Betten eingerichtet.

3.000 Mitarbeiter arbeiten zurzeit für Ärzte ohne Grenzen in Haiti. Zusätzlich sind 400 haitianische und 75 internationale Kollegen mit Aktivitäten gegen die Cholera-Epidemie beschäftigt.

Behandlung von Cholerafällen in Nord- und Zentralhaiti geht weiter

Seit Bekanntwerden der ersten Cholera-Fälle des aktuellen Ausbruchs der Krankheit in Haiti hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 6.400 Patienten behandelt, die an Durchfall erkrankt waren. Darunter waren sehr viele Fälle, die mit einer starken Austrocknung einhergingen, was ein typisches Symptom für Cholera ist.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt in der Region Artibonite, wo die Cholera ursprünglich ausgebrochen war, zwei Krankenhäuser des haitianischen Gesundheitsministeriums. Teams der Organisation arbeiten in Hauptkrankenhäusern in St. Marc und Petite Riviere. Zudem versorgen sie die Einrichtungen unter anderem mit Infusionsflüssigkeiten, Kathetern und Chlor zur Desinfektion.

Am dringendsten wird derzeit Hilfe fernab der großen Ballungsräume benötigt. Deshalb beliefert Ärzte ohne Grenzen Gesundheitseinrichtungen in abgelegenen Gebieten im Norden und im Zentrum des Landes wie beispielsweise in Gros Morne mit Hygienematerial, Rehydrationssalzen, Infusionslösungen und weiterem Material. Auch das Krankenhaus der Stadt Port de Paix im äußersten Norden des Landes wurde von Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Zudem bereiten Mitarbeiter Cholera-Behandlungszentren in Gonaives und Bassin Bleu vor.

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