Haiti

Haiti: Cholerafälle nehmen ab - Situation muss weiter aufmerksam beobachtet werden

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Port-au-Prince, 23. Februar 2011: Seit Beginn der Cholera-Epidemie in Haiti haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 110.000 Menschen behandelt. In der ersten Februarwoche sind in sechs der acht Distrikte des Landes die Patientenzahlen zurückgegangen – während sie sich im Süden verdreifacht haben. Ingesamt aber ist die wöchentliche Zahl an Neuzugängen in den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen im Vergleich zum Beginn der Epidemie um 70 Prozent zurückgegangen. Die Organisation bereitet daher eine Veränderungen des Cholera-Einsatzes vor: In den kommenden Wochen soll die Behandlung der Krankheit an andere einheimische und internationale Akteure übergeben werden.

Neben der Beobachtung, dass das Auftreten von Cholera im Land sehr verschieden ist, lässt sich festhalten, dass im Oktober 2010 wöchentlich 12.000 Patienten mit Cholera-Symptomen in die Einrichtungen kamen, während es in der ersten Februarwoche nur noch rund 3.100 waren.  Daher werden jetzt die Größe und die Anzahl der Einrichtungen verringert. Caroline Séguin, Notfallkoordinatorin des Cholera-Einsatzes von Ärzte ohne Grenzen, benennt dafür zwei wichtige Faktoren: zum einen die Veränderung in der Zahl der Cholerafälle, zum anderen die Tatsache der Erreichbarkeit von Behandlungseinrichtungen.

Die Einrichtungen, die die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen übernehmen, erhalten kostenlos Medikamente und medizinisches Gerät. „Wir sind darauf vorbereitet, uns zurückzuziehen“, erklärt Dominique Bernard, der Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Port-de-Paix. „Wir versichern uns, dass die Einrichtungen, die die Behandlung übernehmen, fähig sind, die Cholerafälle zu bewältigen.  Ein Team von Ärzte ohne Grenzen wird zudem die Entwicklung der Epidemie genau beobachten. Wir sind in Kontakt mit den neuen Betreibern und haben darum gebeten, uns zu benachrichtigen, wenn es zu einem starken Anstieg der Patientenzahlen kommt.“

„Die Zahlen können steigen oder fallen“

Der Rückgang der Cholerafälle hängt teilweise mit dem Beginn der Trockenzeit in Haiti zusammen, die sich hemmend auf die Ausbreitung der Cholera auswirkt. Darüber hinaus haben die Isolation der Patienten in Cholera-Behandlungszentren, die Chlor-Behandlung des Wassers  und ausgiebige Aufklärungsbemühungen von Ärzte ohne Grenzen und anderen Organisationen einen positive Einfluss auf den Verlauf der Epidemie gehabt. „Anfangs wussten die Menschen gar nichts über die Cholera und waren sehr verängstigt“, sagt Séguin. „Das ist jetzt ganz anders. Sie erkennen, wie wichtig es ist, Wasser zu chloren.“

Noch immer ist es aber nötig, die Lage genau zu beobachten, weil die Cholera in Haiti nun endemisch ist und die Regenzeit bald beginnt, die das Risiko eines Wiederaufflammens der Epidemie vergrößert. Séguin ist vorsichtig: „Die Zahlen können steigen oder fallen. Deshalb werden wir die Situation in Haiti in den kommenden Monaten genau verfolgen. Wir sind bereit einzugreifen, wenn die Zahl der Cholera-Patienten wieder steigt.“

Seit dem Ausbruch der Cholera haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 110.000 Cholera-Ptienten in 47 medizinischen Zentren im ganzen Land behandelt – das sind etwa 60 Prozent der Fälle in Haiti. Ärzte ohne Grenzen hat eine Behandlungskapazität von 4.000 Betten aufgebaut. Die Sterblichkeitsrate in den Einrichtungen beträgt jetzt weniger als zwei Prozent.

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