Haiti

Haiti: Die Nachsorge für Erdbebenopfer wird ausgeweitet

Sieben Wochen nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010, bei dem 300.000 Menschen verletzt wurden, bleibt der Bedarf an medizinischer Hilfe in Haiti enorm – er nimmt sogar noch zu. Eine schwierige Phase hat begonnen, da Tausende Patienten langfristig medizinische Hilfe benötigen. Gleichzeitig verlassen einige Akteure, die während der Nothilfephase medizinische Unterstützung geleistet haben, jetzt das Land und entlassen Patienten.

Ärzte ohne Grenzen erweitert die Kapazitäten, um für die vielen Verwundeten zu sorgen, die in den nächsten Monaten umfangreiche operative Nachsorge benötigen – dazu gehören Folgeoperationen, Physiotherapie und psychologische Unterstützung. In den vergangenen Tagen wurden mehr als 200 Patienten in die Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen überwiesen. Sie kamen aus öffentlichen Krankenhäusern oder wurden von medizinische Teams geschickt, die das Land verlassen. „Die unmittelbare Nothilfephase mag jetzt vorbei sein. Die langfristige Hilfe beginnt aber gerade erst, und das stellt keineswegs weniger eine Notsituation dar“, so Karline Kleijer, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Haiti.

Patienten benötigen tägliche medizinische Überwachung

Tag für Tag müssen bei Patienten in der Nachsorge Verbände gewechselt oder Gipse abgenommen werden. Wunden müssen gesäubert, abgestorbenes Gewebe entfernt, externe Fixateure angepasst oder Röntgenaufnahmen von Brüchen gemacht werden. Zudem werden Hauttransplantationen, wiederherstellende Maßnahmen und andere chirurgische Spezialeingriffe durchgeführt.

„Notfallchirurgie ist eine Sache, aber wenn die nachoperative Pflege fehlt oder unzureichend ist, führt das dazu, dass Menschen auf lange Zeit im Krankenhaus bleiben müssen oder für ihr ganzes Leben körperliche Behinderungen davontragen“, erklärt der Arzt Nico Heijenberg.

Wenn Patienten Streckverbände, externe Fixateure und Gipsverbände erhalten haben oder bei ihnen Amputationen vorgenommen werden mussten, waren sie dadurch wochenlang nicht mobil. Erst langsam werden sie durch Physiotherapie wieder beweglich. Menschen, bei denen Gliedmaßen amputiert wurden, benötigen zusätzliche Behandlungen, bei denen die Prothesen angepasst werden.

“Patienten bei den gegenwärtigen medizinischen Gegebenheiten und Lebensbedingungen einfach wieder nach Hause zu entlassen, ist für uns keine Option”, so Michel Janssens, Direktor des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen im Viertel St. Louis in Port-au-Prince. Das dortige Krankenhaus, das auf einem früheren Fußballfeld eingerichtet wurde, wird dort für mindestens ein Jahr bleiben.

Psychologische Hilfe unentbehrlich

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der operativen Nachsorge ist die psychologische Begleitung und Beratung der Patienten. Für Menschen, die schreckliche Verletzungen erlitten haben, ist psychologische Unterstützung genauso lebenswichtig wie Physiotherapie oder das Erlernen des Umgangs mit Krücken.

Ärzte ohne Grenzen wird in Port-au-Prince, Carrefour, Leogane und Jacmel demnächst zusätzliche Einrichtungen eröffnen, die für mindestens ein Jahr und ungefähr 1.000 Patienten operative Nachsorge anbieten werden.

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