Tschad

Hepatitis E im Tschad: „Mutter und Baby werden überleben.“

Im Tschad herrscht derzeit ein schwerer Ausbruch von Hepatitis E. Die durch Viren ausgelöste Krankheit wird durch verunreinigtes Wasser übertragen – ein großes Problem in einer Region, wo der Zugang zu Wasser generell schwierig ist.

Bislang arbeiten über 600 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Am Timan, wo wir ein Krankenhaus unterstützen. Das Team testet neue Fälle, behandelt Patienten und Patientinnen und verbessert die Wasserversorgung und die Hygienebedingungen der Stadt.

Sauberes Wasser ist wichtigste Gegenmaßnahme

Wie Cholera wird Hepatitis E hauptsächlich über verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Deshalb verbreitet sich das Virus besonders dort, wo schlechte Hygiene- und Sanitärbedingungen herrschen. Alleine in der Region Salamat im Tschad haben unsere Teams innerhalb einer Woche 10 Millionen Liter chloriertes Wasser verteilt. Die Hilfsmaßnahmen müssen jedoch dringend weiter ausgeweitet werden, und andere Organisationen, die im Tschad aktiv sind, müssen ebenfalls aktiv werden.

Hepatitis E ist eine virale Erkrankung, die zum Versagen der Leber führt und unbehandelt tödlich enden kann. Besonders gefährlich ist dieser Virus für Schwangere. Laut Schätzungen besteht für 1 von 25 Betroffenen mit Hepatitis E die Gefahr eines Todesfalles, doch bei schwangeren Frauen im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft sind die Risiken der Mutter- und Neugeborenensterblichkeit weit höher. 

Schwangere sind besonders gefährdet

Dr. Veronika Siebenkotten-Branca aus Deutschland ist Gynäkologin und Internistin. Sie war vor Ort im Tschad im Einsatz und erzählt:

"Als wir erfuhren, dass in unserer Klinik in Am Timan im Tschad zwei schwangere Frauen an Gelbsucht gestorben waren, war bald klar: Es handelt sich um einen Hepatitis E-Ausbruch. Die Kollegen brauchten dringend eine Gynäkologin, die sie unterstützt. Bald darauf saß ich im Flugzeug. Ich wusste nicht viel über diese Virus-Infektion, denn hier bei uns gibt es nur wenige Fälle. In Afrika tritt hingegen ein Genotyp auf, der vor allem durch verunreinigtes Wasser übertragen wird. Insbesondere Frauen im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft sind in Gefahr. Ihre physiologische Immunschwäche ist ein Grund für die fulminanten Verläufe. Die Sterberate liegt bei bis zu 30 Prozent. 

Deshalb machte ich mir auch um Apsita Yaya große Sorgen. Sie war in der 24. Schwangerschaftswoche, als sie zu uns kam – mit deutlichem Ikterus, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Wir behandelten sie symptomatisch, gaben ihr u.a. Glucose- und Elektrolytinfusionen. Nach zweieinhalb Wochen konnten wir sie stabil entlassen: Mutter und Baby werden überleben. Mein Einsatz im Tschad endete wenig später, und mit einem guten Gefühl konnte ich die Heimreise antreten."

Der Tschad ist das fünftgrößte Land Afrikas, wo rund 11,5 Millionen Menschen leben. Zusätzlich suchen im Land derzeit 200.000 Flüchtlinge aus der sudanesischen Region Darfur Zuflucht sowie mehr als 55.000 Vertriebene aus der Zentralafrikanischen Republik. Ärzte ohne Grenzen war erstmals 1981 im Tschad tätig.

Sehen Sie hier Bilder aus Am Timan!

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