Indonesien

Hilfe für Erdbebenopfer auf Sumatra

Vor drei Tagen hat ein heftiges Erdbeben die indonesische Insel Sumatra erschüttert. Nahezu 1.000 Menschen wurden getötet, 3.000 verletzt, mehr als 3.000 werden noch vermisst. Teams von Ärzte ohne Grenzen sind am Samstag, den 3. Oktober, in der Region eingetroffen. Etwa 20 internationale Mitarbeiter, unter ihnen Chirurgen, Nierenspezialisten, Krankenpfleger, Psychologen und Logistiker, haben begonnen, die Bedürfnisse in der Stadt Padang und den umliegenden Gebieten zu untersuchen.

Viel Hilfe - geschickte von der indonesischen Regierung und aus dem Ausland - hat Padang, die größte Stadt der betroffenen Region, bereits erreicht. „In den ersten Stunden nach einer Naturkatastrophe werden sofortige lebensrettende Eingriffe meist von lokalem medizinischem Personal durchgeführt“, erklärt Marie-Noelle Rodrigue, Leiterin für Noteinsätze bei Ärzte ohne Grenzen. „Im Falle von Indonesien wissen wir, dass das Land über ein gutes System zur Reaktion nach Notfällen verfügt. Aber unsere Erfahrung nach Erdbeben zeigt, dass internationale medizinische Teams einen Mehrwert haben, wenn es um Spezialgebiete, vor allem orthopädische Eingriffe und Nierenbehandlungen geht. Wir sind in der Lage, schnell ein aufblasbares Krankenhaus mit zwei OPs und Dutzenden Spitalsbetten zu errichten. Es ist dieselbe Struktur wie wir sie in Pakistan 2005 eingesetzt haben, wo ein Chirurgenteam nach dem Erdbeben etwa 5000 orthopädische Eingriffe durchgeführt hat.“

In der zweiten Phase haben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, die Bedürfnisse in der umliegenden Region zu untersuchen. Besonders besorgniserregend ist die Lage in Pariaman, ungefähr 50 Kilometer nördlich von Padang, und in den umliegenden ländlichen Gegenden, in denen mehrere Dörfer durch Erdrutsche komplett zerstört wurden und zu denen der Zugang für Hilfsleistungen noch immer sehr schwierig ist.

Während weiteres Hilfsmaterial auf dem Weg nach Sumatra ist, konzentrieren sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen darauf, Zugang zu den Gebieten zu bekommen, in denen es noch an Unterstützung mangelt.

Die malaiische Psychologin Marlene Lee von Ärzte ohne Grenzen berichtet über eine Erkundungsmission ein paar Tage nach dem Erdbeben in Indonesien:

„Gestern (am 6. Oktober) fuhren wir in eines der am meisten betroffenen Gebiete, wo mehrere Dörfer durch einen Erdrutsch zerstört wurden. Alles ist weg. Aber jene Menschen, die Angehörige verloren haben, warten dort immer noch auf die Bergung der Leichen. Und das bereits seit fünf Tagen. Jeden Morgen gehen sie dorthin zurück und sitzen dort den ganzen Tag, während sie warten, bis die Teams die Leichen bergen. Sie gehen nicht mal weg, um zu essen, andere bringen ihnen Nahrungsmittel. Jeder dort ist von der Katastrophe direkt betroffen, die meisten haben ihr Haus oder ihre Besitztümer oder Angehörige verloren, aber für jene, die immer noch auf die Bergung der Leichen warten, ist es noch schlimmer, das verstärkt den Kummer zusätzlich. Es ist sehr wichtig für sie, dass sie die Toten so bald wie möglich entsprechend begraben können. Viele dieser Menschen befinden sich jetzt in einer schwierigen Verfassung, sie haben lange nicht geschlafen, haben ihren Appetit verloren, machen sich viele Sorgen, wissen nicht, was sie mit ihrer Zukunft anfangen sollen, sie haben viele Fragen, auf die sie keine Antworten haben. Was wir von Ärzte ohne Grenzen tun können, ist, sie emotional zu unterstützen, um ihnen dabei zu helfen, mit diesem Ereignis umzugehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Teilen

Vervielfältigen