Kolumbien

Hilfe nach neuer Welle von Vertreibungen im Südwesten Kolumbiens

Der gewaltsame Konflikt in der Region Nariño im Südwesten Kolumbiens verstärkt sich. Mehrere bewaffnete Gruppen kämpfen dort um strategisch wichtiges Land, um Koka-Plantagen oder wegen wirtschaftlicher Interessen. Als Folge der Kämpfe wurden in der Region laut offiziellen Angaben allein im Jahr 2009 12.400 Menschen vertrieben. Meist erhalten diese Menschen in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft an den Orten, an denen sie Zuflucht suchen, geringe oder gar keine Versorgung.

Seit Juni 2008 bietet Ärzte ohne Grenzen den Opfern der massiven Vertreibungen medizinische Versorgung. „Wir versorgen die Vertriebenen, die vor den andauernden Kämpfen zwischen den bewaffneten Gruppen geflohen sind,” sagt David Cantero, ein Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kolumbien.

Die jüngste Vertreibung fand am 14. Oktober statt, als mehr als 234 Familien und beinahe 1.000 Menschen aus den ländlichen Gebieten der Gemeinde Olaya Herrera in einer 30 Minuten entfernten Schule Zuflucht gesucht haben. Während der ersten drei Tage mussten die Flüchtlinge ohne Wasser und mit der wenigen Nahrung auskommen, die die Gemeinde ihnen zur Verfügung stellen konnte.

„Diese Situation tritt immer wieder auf und hat die Reaktionsfähigkeit der Behörden auf allen Ebenen überfordert. Deshalb fühlen wir uns ziemlich alleine gelassen, wenn es darum geht, diesen Menschen nach ihrer Ankunft zu helfen,“ so Ximena Di Lollo, Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Nariño.

Die Flüchtlinge mussten ihre Wohnungen und ihre Ländereien zurücklassen. Oftmals haben sie Tragisches erlebt, und waren beispielsweise Zeugen der Ermordung von Mitgliedern ihrer Gemeinschaft geworden. Außerdem müssen sie nach Ankunft in den provisorischen Lagern überfüllte Bedingungen ertragen. Die sanitären Einrichtungen sind ungenügend und es mangelt manchmal an Essen und sauberem Trinkwasser.„Die Bedürfnisse dieser Menschen sind enorm, insbesondere in den ersten Tagen nach ihrer Vertreibung – Essen, ein Dach über dem Kopf, Wasser und sanitäre Anlagen, ganz zu schweigen von der Notwendigkeit psychologischer Unterstützung, die wir während unseren Einsätzen festgestellt haben“, erklärt Di Lollo.Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Kolumbien und bietet dort medizinische und psychologische Versorgung sowie Rat und Unterstützung für Tausende von Menschen, die vom Konflikt betroffen sind. Die Organisation ist auch spontan bei Epidemien oder Naturkatastrophen im Einsatz. Derzeit arbeiten circa 370 Menschen in den Projekten, die Ärzte ohne Grenzen in 13 kolumbianischen Regionen umsetzt.

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