Zentralafrikanische Republik

“Ich fühle mich weder als Tschader noch als Zentralafrikaner - ich weiß nicht, wohin”

Abdel Haffis ist Wirtschaftsprofessor in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui. Nach dem Ausbruch der extremen Gewalt im Dezember 2013 floh er mit seiner Frau und seinen acht Kindern in die nördlich gelegene Stadt Kabo. Dort warten sie nun in einem Feld nahe der Grenze, um endlich in den Tschad ausreisen zu können.

Abdel Haffis ist Muslim. Er wurde vor vierzig Jahren in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui geboren – sein Vater stammt aus dem Tschad, seine Mutter aus der Zentralafrikanischen Republik. Er hat sein ganzes Leben in Bangui verbracht. Jetzt wartet er mit seiner Familie im Vertriebenenlager in Kabo im Norden des Landes darauf, dass die Grenze zum Tschad wieder geöffnet wird. Er muss mit seiner Familie vor der Gewalt in ein Land flüchten, dass er nicht kennt.

Abdel ist Muslim, seine Frau Christin

Abdel war in Bangui Wirtschaftsprofessor, wo er mit seiner Frau und seinen acht Kindern lebte. Seine Frau ist Christin. Nach dem Ausbruch der Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik Ende 2013 flüchtete er in den Bezirk PK-12; ein Ghetto, in dem hunderte muslimischer Familien vor der Verfolgung durch Anti-Balaka Milizen Zuflucht suchten. Im Februar boten rund zwölf Lastwägen der tschadischen Armee eine Möglichkeit, in sicherere Regionen zu gelangen. Doch die Kapazität des Konvois war bei weitem nicht ausreichend, um all die Menschen zu transportieren, die aus Bangui entkommen wollten. Abdel musste furchtbare Szenen mitansehen – zum Beispiel eine Mutter, die gezwungen war, ihr zwei Monate altes Baby zurückzulassen, um auf einen der Lastwagen zu kommen.

Die Menschen, die bleiben mussten, waren mit der extremen Gewalt in Bangui konfrontiert – mindestens 40 Menschen in den Bezirken PK5 und PK12 wurden grausam ermordet. Ende April schafften es Abdel und seine Familie, in die nördlich gelegene Stadt Kabo zu flüchten. Das Gebiet wird von Séléka-Gruppen kontrolliert. Auf dem Weg nach Kabo wurde der Konvoi in Dekoa von gegnerischen Milizen angegriffen; sie töteten vier Mitreisende.

Leben im Lager: Mangel am Allernötigsten

Nach der zweitätigen Reise erreichte die Familie die Stadt Kabo, wo sie in einem UN-Lager für Vertriebene unterkamen. Die Lebensbedingungen sind äußerst schwierig und es herrscht ein Mangel an Wasser und lebensnotwendigen Dingen wie Nahrung und Seife. Laut Abdel ist nach der Schließung der Grenze der extreme Preisanstieg für grundlegende Güter ein enormes Problem für die Bevölkerung im Lager. Die angespannte Lage hat sogar einige Menschen dazu gezwungen, ihre Kleidung zu verkaufen, um Nahrung kaufen zu können.

Abdel lebt in einer kleinen Hütte aus Holz und Stroh mit einem Plastikdach. Im Gegensatz zu anderen Menschen hier hat er nicht vor, die Grenzen illegal zu überqueren. Er will seine Familie keiner weiteren Gefahr aussetzen. Er wartet darauf, dass die Grenze wieder geöffnet wird, damit er in ein fremdes Land fliehen kann.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik. Mehr als 2.300 Mitarbeiter der Organisation sind in über 15 Städten im Einsatz. Die Organisation leistet auch in den Flüchtlingslagern im Süden des Tschad und im Osten Kameruns humanitäre Hilfe.

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