Swasiland

Innovativer Ansatz zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV/Aids

Die Unterbindung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV/Aids ist ein wichtiges Zwischenziel bei der Bekämpfung der Epidemie in Swasiland.

In Swasiland sind 26 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 49 Jahren HIV-positiv. Damit herrschen in diesem Land die höchsten HIV/Aids-Prävalenzraten weltweit. Seit Februar 2013 setzt Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) zusammen mit dem Gesundheitsministerium von Swasiland das neue Verfahren PMTCT B+ (Prävention der Mutter-Kind-Übertragung Option B+) im Süden des Landes in der Region Nhlangano ein. In den nächsten vier Jahren sollen 2.000 schwangere Frauen, sobald sie positiv auf HIV getestet wurden, schnellstmöglich in die Behandlung aufgenommen werden. Momentan werden 200 Frauen behandelt.

„In Swasiland sind heute fast 40 Prozent der schwangeren Frauen mit HIV/Aids infiziert. Diese hohe Verbreitung des Virus ist extrem besorgniserregend. Ohne Behandlung werden 25 bis 40 Prozent der Kinder, die von HIV-positiven Müttern geboren werden, auch angesteckt", erklärt Dr. Serge Kabore, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Swasiland. „Das neue Verfahren hat zum Ziel, alle schwangeren und stillenden Frauen mit HIV unter lebenslange antiretrovirale Behandlung zu setzen, ungeachtet ihres CD4-Werts. Damit wird die Übertragung von HIV/Aids von der Mutter zum Kind verhindert, während gleichzeitig die Mutter gesund bleibt, auch Babys zukünftiger Schwangerschaften geschützt sind und HIV-negative Partner vor einer Ansteckung bewahrt werden."

Neue WHO-Empfehlungen für den Kampf gegen HIV/AIDS

Bei anderen Methoden zur Aids-Bekämpfung wird je nach CD4-Wert entschieden, ob eine HIV-positive Person unter antiretrovirale Behandlung (ARV) gestellt wird. Nach jahrelanger Lobbyarbeit von Ärzte ohne Grenzen und weiteren Akteuren im Gesundheitsbereich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO kürzlich im Rahmen neuer Behandlungsrichtlinien den CD4-Grenzwert von 350 auf 500 erhöht. Dies bedeutet, dass mehr PatientInnen rascher behandelt werden, wodurch sie vor Begleiterkrankungen geschützt werden und das Virus weniger häufig an andere Personen weitergeben.

„Im Jahr 2013 ist es inakzeptabel, dass HIV/AIDS immer noch von Müttern auf Kinder übertragen wird", sagt Elias Pavlopoulos, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Swasiland. „Durch den Einsatz des Verfahrens 'PMTCT B+' wollen wir zeigen, dass es möglich ist, die Übertragung des Virus von Mutter zu Kind in Swasiland völlig zu unterbinden, während die Mütter gesund bleiben."

PatientInnen erzählen: Themen-Seite mit Videoberichten

Nähere Informationen zum Verfahren PMTCT B+, seinen Vorteilen und den Zielen des Pilotprojekts sind auf einer eigens lancierten deutschsprachigen Microsite der Schweizer Sektion von Ärzte ohne Grenzen zu finden auf hiv.msf.ch . Verschiedene Kurzfilme führen in die Thematik ein und lassen Menschen zu Wort kommen, die selbst von dieser Krankheit betroffen sind:

Ärzte ohne Grenzen  als Katalysator für den Wandel

Das neue Verfahren PMTCT B+ ist eine wichtige Entwicklung für die Bekämpfung der HIV/Aids-Epidemie in Swasiland. Langfristig ist es das Ziel, die Epidemie einzudämmen, indem dieses neue Verfahren auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet wird. Dies ist der erste Schritt zu einer Generation ohne HIV/Aids in der Region Shiselweni.

„Die Ergebnisse werden von Ärzte ohne Grenzen und den Gesundheitsbehörden regelmässig in drei Bereichen überprüft: erstens hinsichtlich Gesundheit und Ansteckungsraten, zweitens zu Erfahrungen von PatientInnen und Pflegepersonal sowie drittens hinsichtlich finanzieller Aspekte. Wir hoffen, die nationale Gesundheitspolitik dahingehend zu beeinflussen, dass das neue Verfahren im ganzen Land eingesetzt wird.  Ärzte ohne Grenzen  handelt als Katalysator für den Wandel", fügt Elias Pavlopoulos hinzu.

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