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Intensivmedizinische Ausbildung für Ärzte in Gaza

Zwischen 25. und 27. Juni 2013 hat Ärzte ohne Grenzen/ Médecins sans Frontières (MSF), zusammen mit dem Gesundheitsministerium, Kurse für medizinisches Personal im Al Shifa Krankenhaus in Gaza angeboten. Aufgrund der israelischen Blockade seit 2007 ist es für palästinensische Ärzte und Ärztinnen sehr schwierig, weiterbildende Schulungen zu erhalten.

Die Blockade, die seit der Machtergreifung der Hamas im Juni 2007 existiert, erschwert die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung sowie den Zugang zu Gütern enorm. Ökonomische Auswirkungen wie der Anstieg von Arbeitslosigkeit und Armut aber auch negative Folgen für das Gesundheitswesen sind die Folge. Patienten und Patientinnen, die nicht in Gaza behandelt werden können, dürfen nur mit einer behördlichen Genehmigung ihr Ortsgebiet verlassen, um sich in anderen Krankenhäusern oder palästinensischen Spitälern im Westjordanland behandeln zu lassen. Verzögerungen, die von den israelischen Behörden verursacht werden, führen oft zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes der Menschen. Auch Ärzte sind von der Blockade betroffen. Für die Ärzte und Ärztinnen ist es unmöglich, durch weiterbildendes Training ihr medizinisches Wissen auf den neuesten Stand zu bringen und somit die optimale Behandlung für die Kranken in Gaza zu ermöglichen.

Spezielle Trainingskurse für medizinisches Personal in Gaza

Aus diesem Grund bietet Ärzte ohne Grenzen bestimmte Behandlungen an, um dem Bedarf der palästinensischen Bevölkerung gerecht zu werden. „Obwohl das Gesundheitssystem in Gaza funktionsfähig ist, will sich Ärzte ohne Grenzen um das Problem der Weiterbildung des medizinischen Personals kümmern",  erklärt Tommaso Fabbri, Einsatzleiter in Gaza.

Patienten und Patientinnen der Intensivstation sind am meisten gefährdet. Im Jänner 2011 hat Ärzte ohne Grenzen nach einer Evaluierung der Situation in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium beschlossen, ein intensives Pflegeprogramm mit mehreren Modulen aufzubauen. Zusätzlich zu den speziellen Trainingskursen für das medizinische Personal in Gaza werden Techniker mit speziellen, medizinischen Geräten in das Nasser de Khan Younis-Krankenhaus, im südlichen Gazastreifen, geschickt. Sie werden das Spital technisch unterstützen, sodass die Intensivpflegeausrüstung optimal genutzt werden kann. Im Nasser-Krankenhaus schult eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen die Mitarbeiter seit März 2013 im intensivmedizinischen Bereich direkt am Krankenbett. Ärzte ohne Grenzen will in Zukunft außerdem Physiotherapie in das Behandlungsprogramm mit aufnehmen.

Fokus auf Umgang mit technischen Geräten, um Schwerkranken zu helfen

Zwischen 25. und 27. Juni hat Ärzte ohne Grenzen rund 30 Ärzten und Ärztinnen klinischen Unterricht erteilt, mit Fokus auf technischen Geräten. Ziel war es, das Wissen und die Fähigkeiten der medizinischen Angestellten so weiter zu entwickeln, dass sie im Stande sind, schwer kranken Patienten und Patientinnen zu helfen.

Das angebotene Training von Ärzte ohne Grenzen geht auf ein Programm zurück, das von der Chinesischen Universität Hongkong entwickelt wurde, ein anerkanntes Trainingsprogramm, überwacht von internationalen Spezialisten. Die Trainingsmodule umfassen eine ganzheitliche Behandlung von Patienten und Patientinnen, die an schweren Krankheiten leiden. Das Programm wurde von der International Pan Arab Critical Care Medicine Society (IPACCMS) sowie der World Federation of Societies of Intensive and Critical Care Medicine anerkannt. Die Auszubildenden nahmen an sechzehn Modulen, die auf drei Tage aufgeteilt waren, teil. Am Ende des Programms haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihr Training mit Hilfe eines Tests bewertet und erhielten ein Zertifikat von der Chinesischen Universität Hongkong.

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in den palästinensischen Gebieten: 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2010 im Nasser de Khan Younis Krankenhaus aktiv. Dort wird ein spezielles Programm für Hand-Chirurgie sowie rekonstruktive Chirurgie für Patienten mit Verbrennungen angeboten. Patienten und Patientinnen in der Klinik in Gaza erhalten postoperative Behandlungen in Form von Physiotherapie und Wundversorgung. In Nablus, im Westjordanland, hat Ärzte ohne Grenzen ein psycho-soziales und ein Gesundheitsprogramm. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1989 in den palästinensischen Gebieten.

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