Italien

Italien: Ärzte ohne Grenzen hilft Überlebenden der Bootstragödie vor Lampedusa

Mitte August ist ein Boot mit fünf Überlebenden auf der Insel Lampedusa angekommen. Es wird befürchtet, dass 73 nichtregistrierte Migranten auf See umgekommen sind. Ärzte ohne Grenzen hat den überlebenden Frauen und Männern sofort geholfen.

„Sie hatten einen emotionalen Schock“, sagt Licia Pera, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen, die die Migranten nach ihrer Ankunft behandelt hat. „Ihr Blutdruck war niedrig und ihre Muskeln waren so schwach, dass sie sich kaum bewegen konnten. Zudem hatten sie Verbrennungen an einigen Körperstellen und starke Bauchschmerzen. Sie haben dringend medizinische Hilfe benötigt.“

Tagelang auf dem Wasser getrieben

Das Boot mit den fünf Überlebenden hat Libyen Ende Juli verlassen. Nach ein paar Tagen hat es den Kurs verloren und das Benzin, die Nahrung und das Wasser gingen aus. Die Migranten sind tagelang auf dem Wasser getrieben, bevor sie schließlich gerettet und auf die Insel Lampedusa gebracht wurden. Nach Aussagen der fünf Überlebenden sind alle anderen Migranten während der Reise gestorben. Sie haben zudem erzählt, dass zwei Frauen auf dem Boot Kinder zur Welt gebracht haben, bevor sie gestorben sind.

Riskante und tragische Reisen

Es wird geschätzt, dass im vergangenen Jahr 30.000 Migranten auf Lampedusa gelandet sind. Als Ärzte ohne Grenzen im Oktober vergangenen Jahres gezwungen wurde, die Insel zu verlassen, hatte das Team bereits fast 1.500 Migranten betreut. Dieses Jahr sind die Zahlen bemerkenswert niedrig. Weniger als 150 Migranten sind von Ärzte ohne Grenzen behandelt worden, seit die Organisation im April die Arbeit wieder aufgenommen hat. Die geringe Zahl der Eintreffenden ist bedenklich und Ärzte ohne Grenzen ist besorgt, was mit den Menschen passiert, die Italien nie erreichen. Das, was gerade in Lampedusa passiert ist, zeigt wie riskant und tragisch diese Reisen sein können. Außerdem ist die Strategie der italienischen Regierung besorgniserregend, dass die Boote nach Libyen umkehren müssen, bevor sie landen und die Menschen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen oder einen Asylantrag stellen können.

Ein Drittel der Migranten vom Horn von Afrika

Nichtregistrierte Migranten und Asylsuchende versuchen die mediterrane See nach Europa zu überqueren, um Konflikten, weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen und extremer Armut zu entkommen. Ein Drittel der Migranten und Asylsuchenden, die 2008 in Lampedusa ankamen, kamen vom Horn von Afrika. Ärzte ohne Grenzen arbeitet in vielen Ländern, aus denen die Menschen kommen und ist oft Zeuge der Lebensbedingungen, die die Menschen bewegen, in Europa Schutz zu suchen. Aufgrund der restriktiver werdenden Bestimmungen in europäischen Ländern, gehen die Migranten immer größere Risiken ein und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel.

Medizinische Hilfe für Migranten seit 2002

Ärzte ohne Grenzen leistet auf Lampedusa seit dem Jahr 2002 medizinische Hilfe für nichtregistrierte Migranten. Die Organisation musste die Insel im Oktober 2008 verlassen, nachdem die italienischen Behörden die Vereinbarung nicht erneuert haben. Ärzte ohne Grenzen ist im April 2009 nach langen Verhandlungen nach Lampedusa zurückgekehrt.

Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die lange und gefährliche Reise machen sofortige medizinische Hilfe unerlässlich, und zwar dort, wo die Menschen an Land kommen. Bevor die Migranten an einen anderen Ort transportiert werden können, müssen sie erst einmal behandelt werden, um weiteren gesundheitlichen Schäden vorzubeugen.

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