Syrien

Jahresrückblick 2014

2014 war ein Jahr mit schweren Krisen: Der bislang größte Ebola-Ausbruch in Westafrika oder die Eskalation der Kämpfe im Irak und in Syrien sind dafür beispielhaft.  Wir sollten aber auch diejenigen Länder nicht vergessen, über die trotz großer Krisen kaum berichtet wurde. Ärzte ohne Grenzen hilft beispielsweise auch im Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik, in denen angesichts anhaltender Konflikte große Not herrscht. Aktuell unterstützen wir Menschen in mehr als 60 Ländern weltweit mit unserer medizinischen Hilfe.

In unserem Jahresrückblick werfen wir einen Blick auf fünf Krisen, die uns 2014 besonders beschäftigt haben.

Ebola in Westafrika

Im März 2014 werden im westafrikanischen Guinea erste Patienten positiv auf Ebola getestet. Von dort breitet sich die Krankheit auf Liberia und Sierra Leone aus – später gibt es auch in weiteren Ländern der Region, z.B. in Nigeria, Fälle. Ärzte ohne Grenzen erkennt schnell, dass das Ausmaß der Ebola-Epidemie beispiellos ist. In den folgenden Monaten versucht die Organisation, die internationale Gemeinschaft auf die Dimension dieser Epidemie aufmerksam zu machen. Im Juni ist Ärzte ohne Grenzen noch immer die einzige Organisation, die vor Ort gegen Ebola im Einsatz ist. Im September erklärt die Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen , Joanne Liu, vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen: "Die Regierungen versagen angesichts dieser grenzüberschreitenden Bedrohung. Die Erklärung der WHO vom 8. August, wonach die Epidemie eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite darstellt, hatte keine entschiedenen Maßnahmen zur Folge.“ Seit März 2014 hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 6.400 Patientinnen und Patienten aufgenommen, von denen etwa 4.000 positiv auf Ebola getestet wurden (Stand 2.12.2014), 306 internationale und 3.078 einheimische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit im Einsatz. Schließlich kommt die internationale Hilfe in Gang – doch sie bleibt zu langsam und bruchstückhaft .

Zentralafrikanische Republik

Die Krise in der Zentralafrikanischen Republik ist während des ganzen Jahres 2014 akut – die internationale Aufmerksamkeit ist gering und steht in keinem Verhältnis zur Not der Menschen. Im Jahr zuvor hatte eine blutige Machtübernahme das Land destabilisiert. Ihr folgten zunehmende Spannungen und Gewalt, die sich ausweiteten und auch das Folgejahr prägen: Muslimische und christliche Gruppen - die Seleka-Rebellen und die Anti-Balaka-Milizen - bekämpfen sich, und die Gewalt breitet sich entlang ethnischer Linien aus. Hunderttausende Menschen fliehen in Nachbarländer wie den Tschad und nach Kamerun. Innerhalb weniger Monate verlassen praktisch sämtliche Muslime den westlichen Teil der Zentralafrikanischen Republik. Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Organisationen, die den Menschen im Land in ihrer Not Hilfe leistet. Immer wieder muss aber auch Ärzte ohne Grenzen die Arbeit aussetzen und Standorte verlassen. So z.B. nach einem Angriff auf das Krankenhaus der Stadt Boguila, bei dem im April 21 Menschen getötet werden, darunter drei einheimische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen .

Syrien und Nachbarländer

In dem seit fast vier Jahren andauernden Krieg in Syrien wurden bereits mehr als 150.000 Menschen getötet. Mehr als neun Millionen Menschen wurden vertrieben, fast ein Drittel von ihnen hat das Land verlassen. Ärzte ohne Grenzen betreibt seit Juni 2012 Kliniken und Gesundheitszentren im Norden Syriens. In den Einrichtungen der Organisation wurden bis August 2014 mehr als 10.000 chirurgische Eingriffe und über 63.400 Notaufnahmen durchgeführt. Fast 110.000 Patientinnen und Patienten wurden ambulant behandelt und knapp 2.400 Geburten begleitet. Ärzte ohne Grenzen unterstützt außerdem Krankenhäuser sowie Gesundheitsposten, die von syrischen Ärzte-Netzwerken in sieben Provinzen betrieben werden. Im Irak, in Jordanien und dem Libanon betreibt Ärzte ohne Grenzen umfangreiche medizinische Hilfsprogramme für syrische Flüchtlinge. Bis August 2014 wurden in diesen Ländern über eine halbe Million medizinische Behandlungen durchgeführt. Im Irak helfen wir zudem den intern vertriebenen Menschen, die vor der Gewalt fliehen.

Im Multimediaprojekt "Die Tragweite des Krieges" versucht Ärzte ohne Grenzen medizinischem Personal, Patientinnen und Patienten sowie Flüchtlingen eine Stimme zu geben.

Europa

Die Zahl der Menschen, die vor dem Krieg in Syrien, dem Chaos in Libyen und anderen Krisen nach Europa flüchten, steigt weiter. Doch während die Konflikte weltweit zunehmen, schließt die EU ihre Grenzen für Flüchtlinge. Viele versuchen daher auf dem gefährlichen Seeweg nach Europa zu kommen, um Schutz zu finden. Ein Jahr nach dem verheerenden Schiffsunglück mit mehreren hundert Toten vor der italienischen Insel Lampedusa fordert Ärzte ohne Grenzen im Oktober 2014, dass Italien und die EU Bootsflüchtlinge nicht im Stich lassen dürfen . Ärzte ohne Grenzen ist u.a. in den beiden sizilianischen Hafenstädten Augusta und Pozzallo tätig. Zwischen Januar und August 2014 betreuen die Teams der Organisation in Pozzallo fast 19.000 Menschen, die bei insgesamt 64 Bootslandungen ankommen, medizinisch und psychologisch. Sie stellen fest, dass immer mehr ihrer Patientinnen und Patienten besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen angehören: Opfer von Gewalt und Folter, behinderte Menschen, Schwangere und Kinder. Im August 2014 eröffnet Ärzte ohne Grenzen in Augusta eine Klinik. Von fast 600 ambulanten Patientinnen und Patienten berichten mehr als 70 Personen, Opfer von Gewalt geworden zu sein. Außerdem beklagt die Organisation das nicht funktionierende Aufnahmesystem und die unmenschlichen Lebensbedingungen für tausende Flüchtlinge , die auf den griechischen Ägais-Inseln ankommen.

Südsudan

Nachdem im Dezember 2013 im Südsudan ein Konflikt zwischen der Regierung und Rebellengruppen ausgebrochen ist, eskaliert die Gewalt im Land im Laufe des Jahres 2014. Zehntausende Menschen fliehen zum Beispiel im April vor Kämpfen und beispielloser Gewalt aus der Stadt Bentiu in Unity State. Insgesamt fliehen mehr als 1,9 Millionen Menschen vor der anhaltenden Gewalt – mehr als 470.000 in Nachbarländer und 1,4 Millionen innerhalb des Südsudans. Viele der intern Vertriebenen leben in völlig überfüllten Lagern unter katastrophalen Bedingungen. Andere haben in entlegenen Gegenden Zuflucht gesucht, wo sie keinerlei Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Neben der Gewalt sind die Menschen im Südsudan von Mangelernährung und Krankheitsausbrüchen wie Malaria bedroht. Mehr als 3.300 lokale und 350 internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten in insgesamt 22 Projekten im Südsudan. Im Jahr 2014 haben sie u.a. fast 551.000 Patienten ambulant und mehr als 32.000 stationär behandelt – jeweils rund die Hälfte davon waren Kinder unter 5 Jahren.

Wir bedanken uns bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, bei unseren vielen Spenderinnen und Spendern sowie bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Projekten.

 

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