Japan

Japan: Wiederaufbauhilfe für zwei Gesundheitseinrichtungen - psychologische Unterstützung geht weiter

Ärzte ohne Grenzen hat im vom Erdbeben und den Tsunamis betroffenen Nordosten Japans damit begonnen, den Aufbau bzw. die Sanierung von zwei Behelfs-Gesundheitszentren zu unterstützten. Mitarbeiter der Organisation haben dort unmittelbar nach der Katastrophe vor drei Monaten die Arbeit aufgenommen.

Die Wiederaufbau-Maßnahmen der japanischen Regierung gehen weiter - es wird jedoch mehrere Jahre dauern, bis die zerstörten medizinischen Einrichtungen wiedererrichtet sind. Ärzte ohne Grenzen unterstützt daher in der Präfektur Miyagi in Minami Sanriku den Aufbau und die Ausstattung eines behelfsmäßigen Gesundheitszentrums für die 23.000 Menschen umfassende Bevölkerung.  Der Betrieb dort soll den Zeitraum von drei bis fünf Jahren bis zur Fertigstellung der eigentlichen Einrichtung überbrücken. In Taro, Präfektur Iwate, wird Ärzte ohne Grenzen die Sanierung und Ausstattung eines ähnlichen medizinischen Behelfs-Zentrums für 5.000 Menschen in einem Hotel unterstützen. Die ursprünglichen Einrichtungen waren durch das Beben komplett zerstört worden. Ein Architekt von Ärzte ohne Grenzen wird den Wiederaufbau begleiten.

"Wir haben unsere Pläne für die Einrichtungen in Taro und Minami Sanriku eingereicht und arbeiten mit den lokalen Gesundheitsbehörden eng zusammen, damit sichergestellt wird, dass sie den Bedürfnissen hier gerecht werden", so der Architekt Kunio Yamazumi, der den Wiederaufbau begleitet.Ärzte ohne Grenzen hat zudem in Minami Sanriku einen Bus zur Verfügung gestellt, der Patienten von den Evakuierungszentren und Unterkünften in die medizinischen Einrichtungen bringt - darunter auch das Bayside Arena Gesundheitszentrum. Dort unterstützt die Organisation den Betrieb mit medizinischer und psychologischer Hilfe. In Taro und Umgebung wurde ein Spezialfahrzeug zum Einsatz gebracht, das behinderte Patienten transportiert.

Teams leisten Informations- und Aufklärungsarbeit

Psychologen von Ärzte ohne Grenzen führen die Informations- und Aufklärungsarbeit weiter. Sie verteilen Broschüren und senden in einem Radiosender Nachrichten, den Menschen gegründet haben, die evakuiert wurden. Dabei geht es vor allem darum, auf psychische Symptome aufmerksam zu machen, Stress-Management zu thematisieren, spezielle Informationen für Eltern weiterzugeben und darüber zu informieren, wo psycho-soziale Hilfe aufgesucht werden kann.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben japanisches Pflegepersonal zu Visiten in Behelfs-Unterkünfte begleitet, um sie psychologisch weiterzubilden. An einer Krankenpflegeschule wurde über Möglichkeiten gesprochen, Trainings für Lehrer und Eltern durchzuführen."Psychische Probleme sind schwieriger zu erkennen und zu quantifizieren als physische, daher können sie unterschätzt werden", so Suzanne Petrie, Psychologin von Ärzte ohne Grenzen.  "Da hier Gemeindestrukturen völlig zerstört wurden, existieren normale soziale Unterstützerstrukturen- und aktivitäten kaum noch."

Ein Café als Ort sozialer Unterstützung

Ende April wurde in der Nähe der Bayside Arena in Minami Sanriku ein Cafe eröffnet, in dem Psychologen von Ärzte ohne Grenzen in einem informellen Rahmen arbeiten. Seither haben 2.200 Menschen diesen Ort genutzt - 300 von ihnen erhielten danach psychologische Beratung oder Hilfe."So eine Katastrophe wie der Tsunami verändert das Verhältnis der Menschen zu vielen Dingen: was Sicherheit bedeutet, welche Wünsche sie an die Zukunft haben, ihre Beziehungen und Lebensgemeinschaften", erklärt Suzanne Petrie. "Bei den meisten verändert sich das mit der Zeit wieder - aber einige brauchen vielleicht professionelle psychologische Hilfe. Die Menschen darüber zu informieren und ihnen mit psychologischer Hilfe zur Seite zu stehen - Ärzte, Krankenpflegepersonal, Lehrer und Gemeindearbeiter weiterzubilden: all das ist wichtig dafür, dass es diesen Gemeinschaften später einmal gut geht."

Weitere Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen seit dem Erdbeben und den Tsunamis im Überblick

  • Bis Ende Mai haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Minami Sanriku und Taro mehr als 4.530 Konsultationen durchgeführt - dabei wurden am häufigsten Bluthochdruck und Atemwegserkrankungen behandelt. Die medizinischen Aktivitäten werden aller Voraussicht nach Ende Juni auslaufen.
  • Ärzte ohne Grenzen unterstützte den Aufbau eines Behelfs-Gebäudes, das von einem 25-köpfigen Team aus evakuierten Menschen außerhalb eines Evakuierungszentrums in Baba-Nakayama, in der Nähe von Minami Sanriku, erbaut wurde . Dadurch konnte die Überfüllung des Evakuierungzentrums reduziert werden. So wurde ein Raum für etwa 30 Frauen und Kinder geschaffen.
  • Bald nach dem Erdbeben und den Tsunamis verteilte Ärzte ohne Grenzen mehr als 4.000 Decken, 6.500 Liter Trinkwasser, einen Generator für eine Behelfs-Unterkunft in Baba-Nakayama und 10.000 Hygiene-Kits (Seife, Zahnbürsten, Handtücher) an Überlebende der Katastrophe. Material-Kits mit Batterien, Kerzen, Streichhölzern und Handtüchern wurden an 4.000 Menschen verteilt. Die Organisation spendete Medikamente, medizinische Ausrüstung und Verbrauchsmaterial im Wert von 110.000 Euro.
  • Ärzte ohne Grenzen hat die Elektrizitätsversorgung in der Hotel-Unterkunft für Evakuierte und die der medizinischen Behelfs-Einrichtung in Taro verbessert.

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