Jemen

Jemen: Die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen im Überblick (Mai 2015)

Die katastrophale humanitäre Lage aufgrund des anhaltenden Konflikts im Jemen hält weiter an. Ärzte ohne Grenzen ist in mehreren jemenitischen Gouvernements tätig. Die Aktivitäten reichen von der Nothilfe für Verletzte über lebensrettende chirurgische Eingriffe bis zur Unterstützung von Krankenhäusern und der Versorgung von Vertriebenen mit Wasser und Hilfsgütern. Bisher haben unsere Teams unter anderem mehr als 1.600 Kriegsverletzte in Aden, Amran, Jahha und Al-Dhale‘ versorgt. Mehr als 100 Tonnen an humanitären Hilfsgütern wurden bisher an Gesundheitseinrichtungen im Jemen gesandt, die wir betreiben oder unterstützen. Hier finden Sie einen Überblick all unserer Aktivitäten:

Aden: In Aden betreibt Ärzte ohne Grenzen sein eigenes chirurgisches Notfallspital auf dem Gelände des Al-Sadaqa Krankenhauses im Bezirk Sheikh Othman. Das Crater-Gesundheitszentrum wird mit Medikamenten und Benzin für den Stromgenerator unterstützt. Seit 19. März 2015 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.000 Verletzte in Aden versorgt. Das Spital besteht aus einer Notaufnahme, einem Operationssaal, einer Station für Patienten und Patientinnen, einem Röntgenraum sowie Labor und Apotheke. Auch physio- und psychotherapeutische Betreuung wird angeboten. Ärzte ohne Grenzen wird demnächst mobile chirurgische Kliniken anbieten, um Menschen ambulant behandeln zu können, die das Krankenhaus nicht aufsuchen können.

Einer unserer Teammitglieder berichtet aus Aden:

Ich weiß nicht, mit welch anderem Wort ich die Situation in Aden beschreiben soll, als mit “tragisch”: Es gibt Gebiete, die völlig leer sind. Die Menschen mussten sie verlassen, da es nicht einmal grundsätzliche Infrastruktur gibt wie Strom, Wasser und Nahrung. Ganz abgesehen davon, dass die extreme Verschlechterung der Sicherheitslage ihr Leben tagtäglich gefährdet. Nachdem sie ihre Häuser verlassen, leiden manche Menschen nicht nur unter dem Mangel an Wasser und Nahrung, sondern ihnen fehlt auch ein Dach über dem Kopf. Manche klopfen an die Türen anderer Leute und fragen, ob sie bei ihnen übernachten dürfen. Die wenigen Hotels, die immer noch in Betrieb sind, haben viele Vertriebene aufgenommen. Manche Zimmer werden von ein bis zwei Familien belegt.

Ärzte ohne Grenzen ist immer noch in Aden aktiv, und wir behandeln immer noch tagtäglich Verletzte. Seit dem Ausbruch der Kämpfe am 19. März haben wir hunderte Verwundete versorgt. Doch wir sind mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert: Sich zu bewegen ist extrem schwierig und manchmal sehr gefährlich. Wir konnten kürzlich nicht einmal das Crater-Gesundheitszentrum erreichen, das wir unterstützen. Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen ist nun Mitten in der Kampfzone. Wir hören die ganze Zeit Bombardements und Luftangriffe. Die Fenster des Spitals sind viele Male zerbrochen. Das Krankenhaus und die Rettungswägen wurden von Streifschüssen erwischt und Heckenschützen sind im umliegenden Gebiet, während die Gefechte weitergehen.

Aden hat sich um 180 Grad verändert. Der Flughafen ist nun zerstört. Viele Gebiete wurden dem Erdboden gleichgemacht. Wenn man durch die Stadt geht, ist man geschockt – man kann nicht glauben, dass man in Aden ist. Man erwartet den Tod an jeder Ecke.

Amran: Seit vergangener Woche bietet Ärzte ohne Grenzen allgemeine Gesundheitsversorgung mittels mobiler Kliniken für Vertriebene an, die ihre Häuser in verschiedenen jemenitischen Gebieten verlassen mussten. Unsere Teams haben mehr als 320 allgemeine Untersuchungen durchgeführt und bieten weiterhin medizinische Hilfe an. Zusätzlich unterstützt Ärzte ohne Grenzen mehrere Zufluchtsorte für Vertriebene, u.a. mit Trinkwassertanks, Hilfsgütern und Hygiene-Kits für mehr als 500 vertriebene Familien an 12 Orten in der Stadt Khamer (siehe Berichte von Betroffenen aus Khamer). Auch sind unsere Teams im Bereich Gesundheitsaufklärung aktiv und kümmern sich um die Reinigung des Abwassersystems des zentralen Marktes in Khamer.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt aktiv lebensrettende und gesundheitsspezifische Angebote für die Patienten und Patientinnen in 12 Stationen des Al-Salam Krankenhauses des jemenitischen Gesundheitsministeriums – darunter Notaufnahme, Intensivstation, Chirurgie, Kinderheilkunde und Ernährungszentrum, Patientenaufnahme, Neugeborenenstation, Kreissaal, vorgeburtliche Untersuchungen, Blutbank, Labor, Impfungen und Verbandswechsel. Die Organisation unterstützt auch das Huth-Gesundheitszentrum mit Medikamenten, Sauerstoff, logistischer Ausrüstung, Personalsupport, Strom und einem Überweisungssystem.

Hajja: In Hajja versorgt Ärzte ohne Grenzen Vertriebene mit Wasser, Hilfsgütern und allgemeinen medizinischen Behandlungen im Gesundheitszentrum des Bani Hashim Bezirks. Unsere Teams leisten auch Notversorgung und lebensrettende Eingriffe für Verletzte im Haradh Krankenhaus.

Al-Dhale’: Ärzte ohne Grenzen bietet lebensrettende medizinische Leistungen im Al-Nasser Krankenhaus des Gesundheitsministeriums in Al-Dhale an, darunter die rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme, postoperative Betreuung, Sterilisation von Material, Labor, Infektionskontrolle, Abfallmanagement und Überweisungen.

Zusätzlich unterstützen unsere Teams das Al-Azarik Gesundheitszentrum in den Bereichen Notaufnahme, vor- und geburtlichen Untersuchungen, Geburtshilfe, Familienplanung, Ernährungsberatung und Überweisungen an das Al-Nasser Krankenhaus. In Qataba unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme, den Beobachtungsraum, das Labor und das Abfallmanagement im Al-Salam Krankenhaus, das vom Gesundheitsministerium betrieben wird. Unsere Teams unterstützen auch mehrere Gesundheitszentren im Gouvernement sowie die Spitäler Jaffea und Al-Habilain mit medizinischen Gütern und Materialien.

Sa'ada: Ein Team aus internationalen und einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen unterstützt im Al Jumhuri Krankenhaus in Sa’ada Stadt die Notaufnahme, den Operationssaal und die Geburtshilfe-Station. Die Organisation unterstützt auch das Haidan-Gesundheitszentrum mit einem Arzt sowie bei der Organisation des Überweisungssystems und mit Medikamenten – weitere Aktivitäten sind derzeit in Planung.

Taiz: Ärzte ohne Grenzen hat die Krankenhäuser Al-Jumhori und Al-Rawdah mit medizinischem und chirurgischem Material sowie Notfall-Medikamenten unterstützt. Während des anhaltenden Konflikts waren immer mehr Menschen in die beiden Spitäler gekommen, die von der Gewalt direkt betroffen sind. Eines unserer Teams ist vor Ort, um den weiteren Bedarf festzustellen.

Sana'a: Ärzte ohne Grenzen hat bei Notfällen in lokalen Krankenhäusern des Gesundheitsministeriums dringliche Hilfe geleistet. Nach der Bombenexplosion am Berg Noqum vom 11. Mai hat Ärzte ohne Grenzen Notfall-Material und –Medikamente an die beiden Krankenhäuser Al-Thawra und Al-Jumhori geliefert. Seit Anfang 2015 hat Ärzte ohne Grenzen im Rahmen mehrerer Notfälle in Sana’a solche Hilfe geleistet.

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