Jemen

Jemen: Dringend benötigte medizinische Hilfe erreicht die Konfliktgebiete nicht

Angesichts der eskalierenden Gewalt im Jemen wird dringend mehr medizinische Versorgung und geschultes Personal benötigt. Derzeit ist es jedoch unmöglich, die notwendige Unterstützung ins Land zu bringen.

Die Kämpfe der vergangenen Wochen, die große Teile des Landes erfasst haben, sowie die Luftangriffe seit dem 26. März haben zu einem immensen Bedarf an medizinischer Hilfe in vielen Teilen des Jemen geführt. Die Auslieferung humanitärer Hilfsgüter wird jedoch durch die Schließung aller internationalen Flughäfen in Sanaa, Aden und Hodeida und  die schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Häfen behindert.

Ärzte ohne Grenzen ist derzeit nicht in der Lage, dringend benötigtes medizinisches Personal in den Jemen zu bringen“, sagte Dr. Greg Elder,  Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. „Wir müssen dringend Wege finden, um humanitäre Hilfe und Personal ins Land zu bringen.“

Teams sind erschöpft und überlastet

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben bereits hunderte Verwundete behandelt, die durch die jüngste Gewalt verletzt wurden. Weil es im Moment aber unmöglich ist, medizinische Hilfsgüter und geschultes Personal in die Region zu bringen, wird die Situation immer kritischer.

„Wir müssen unsere Teams vor Ort unterstützen. Sie sind erschöpft und überlastet. Auch die Gegenden, in denen die Not der Menschen besonders groß ist, sind nur schwer zu erreichen.  Inlandsflüge wurden abgesagt und Fahrten innerhalb des Landes sind riskant", erklärt Elder.

Die Kämpfe haben sich ausgeweitet, insbesondere im Süden des Landes, wo Ärzte ohne Grenzen eine große Zahl von Verwundeten behandelt hat. In der Notfall-Chirurgie in Aden hat Ärzte ohne Grenzen in Folge der Auseinandersetzungen in Aden, Lahj und anderen Gebieten im Süden seit dem 19. März mehr als 550 Patienten und Patientinnen aufgenommen. Allein am 26. März wurden 111 Patienten ins Krankenhaus gebracht.

Verletzte in Büroräumen

„Wir mussten unsere Büroräume mit Matratzen ausstatten, um die große Anzahl der Verwundeten aufnehmen zu können“, sagte Dr. Hani Isleem, der als Arzt für Ärzte ohne Grenzen in Aden im Einsatz ist.

Nicht nur der Mangel an medizinischem Fachpersonal ist angesichts der großen Zahl von Verletzten problematisch. Auch diejenigen, die bereits vor Ort Hilfe leisten, sind mit Schwierigkeiten konfrontiert. „Es ist gefährlich für uns", sagte Dr. Isleem. „Allein das Krankenhaus zu erreichen ist sehr riskant."

Im Gouvernement Ad-Dhale, in dem wir die Notaufnahmen zweier Krankenhäuser unterstützen, wurden seit 24. März 67 Verletzte aufgenommen.

Im Nordwesten Jemens unterstützen unsere Teams die Notaufnahme des Krankenhauses in Haradh. Dort wurden infolge der Angriffe im Gebiet des Flüchtlingslagers Al Masrak 34 Verwundete behandelt. 29 Menschen verstarben bereits auf dem Weg in das Krankenhaus. In den Tagen zuvor waren rund 500 neue Familien auf der Flucht vor den Bomben in das Lager im Westen des Gouvernements Saada geflohen.

Nur wenige Helfer sind geblieben

„Nur sehr wenige humanitäre Akteure sind im Land geblieben. Der Bedarf an humanitärer Hilfe nimmt  jedoch täglich zu. Wir brauchen daher mehr Personal und Hilfsgüter in der Region“, sagte Dounia Dekhili, die Programmleiterin im Jemen. „Angesichts des anhaltenden Konflikts besteht das Risiko einer Verknappung von Medikamenten und anderen medizinischen Hilfsgütern. Wir brauchen die Erlaubnis, humanitäre Hilfe in das Land zu senden – auf dem Luft-, See- oder Landweg“.

Ärzte ohne Grenzen ruft alle Konfliktparteien dazu auf, die Neutralität von medizinischen Einrichtungen und ihrem Personal zu respektieren und Verletzten freien Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewährleisten.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1986 im Jemen. Seit 2007 ist die Hilfsorganisation durchgehend im Land tätig. Ärzte ohne hat derzeit Hilfsprojekte in den Gouvernements Sanaa, Amran, Aden und Ad-Dhale. Darüber hinaus leisten unsere Teams in verschiedenen Teilen des Landes medizinische Nothilfe.

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