Jemen

Jemen: Mangelernährung, eine Folge des Konflikts

Vor zwei Jahren eskalierte der Konflikt im Jemen: Die Zivilbevölkerung leidet unter massiven Engpässen bei Nahrung, Treibstoffen, medizinischem Material und anderen Gütern. Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen.

Millionen Menschen wurden durch den Konflikt vertrieben, hunderttausende mussten ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften Schutz suchen. Für die meisten ist medizinische Versorgung unerschwinglich. Deshalb suchen viele erst dann Hilfe, wenn sie bereits sehr krank sind.

Eine der Folgen des Konflikts ist Mangelernährung. Das Krankheitsbild entsteht, wenn Menschen über einen längeren Zeitraum nicht genug Nahrung haben oder bei der Ernährung wichtige Nährstoffe fehlen. Im Jemen wird Mangelernährung vor allem durch die sich rapide verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen begünstigt. Der Konflikt stellt gefährdete Gruppen vor noch schwerwiegendere Hürden, wenn sie versuchen, eine medizinische Behandlung zu erhalten. Dazu kommen Einschränkungen der Mobilität, ein verringertes Einkommen und somit weniger Ressourcen, um ausreichend Nahrung zu kaufen, sowie andere Faktoren – all das zusätzlich zum allgegenwärtigen Elend und all den Erschwernissen, die der Krieg mit sich bringt.

Ärzte ohne Grenzen behandelt in mehreren Projekten betroffene Patienten und Patientinnen; 2016 wurden von Jänner bis September in Amran, Tais und Hajja insgesamt 4.485 mangelernährte Kinder behandelt. Aussagen in Bezug auf eine nahende Hungersnot können wir derzeit nicht bestätigen; außer Frage steht aber, dass der Konflikt die ohnehin massiven medizinischen und humanitären Bedürfnisse der Menschen deutlich verschärft hat. Ärzte ohne Grenzen fordert die internationale Gemeinschaft daher dringend dazu auf, die jemenitische Zivilbevölkerung zu unterstützen und das kollabierende Gesundheitssystem zu stärken.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1994 im Jemen tätig. Nach der Eskalation des Konflikts Anfang 2015 erweiterte die Organisation die Hilfe im Land massiv – es handelt sich um den momentan drittgrößten Einsatz. In den vergangenen zwei Jahren haben die Teams mehr als 56.000 Kriegsverletzte behandelt.

 

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