Jordanien

Jordanien-Syrien: Ärzte ohne Grenzen bietet chirurgische Versorgung der Flüchtlinge

Zunächst führte das Team von Ärzte ohne Grenzen in Amman nur rekonstruktive Chirurgie durch, behandelte Opfer von Gewalt aus dem Irak, Libyen, Jemen und anderen Ländern. Weil seit dem Ausbruch der Aufstände in ihrem Land eine wachsende Zahl von Syrern mit Schusswunden angekommen ist, hat Ärzte ohne Grenzen seine orthopädischen Chirurgie-Teams verstärkt, die vor allem auch viele Patienten Gliedmaßen operieren. Ein Chirurg untersucht fünf bis zehn Patienten pro Woche. Im Durchschnitt benötigt ein Drittel der Patienten orthopädische Chirurgie. Ein weiteres Drittel erhält Krankengymnastik und beim restlichen Drittel müssen anhand von Röntgenbildern regelmäßig Knochenfrakturen überwacht werden. Der Arzt Dr. Mohamed besucht regelmäßig die Flüchtlingslager in Ramtha, um die ankommenden Menschen über die Möglichkeit dieser Hilfe von Ärzte ohne Grenzen in Amman zu informieren.

Jeden Tag kommen in Jordanien Syrer an. Ob sie die Standard-Route nehmen oder eher Umwege: Sie alle landen in einem der Flüchtlingslager in Ramtha. M. ist mit seiner Familie nachts über die Grenze gekommen. Von Homs aus im Westen Syriens hatten sie eine lange Reise. M. ist mit seiner schwangeren Frau und ihren vier Kindern mit dem Bus nach Damaskus gefahren und dann mit einem Taxi weiter, das andere bezahlt haben. Den letzten Teil der Reise - über die Grenze – haben sie zu Fuß zurückgelegt. Jetzt warten sie im Lager Beshabshe in Ramtha. Sobald sie jemand finden, der sie unterstützen kann, werden sie von dort möglicherweise aufbrechen. Sie werden sich wahrscheinlich nach Amman aufmachen und sich dort niederlassen. Die jordanische Hauptstadt ist nur 70 Kilometer entfernt

 

Hoffnung auf medizinische Behandlung

 

Als M. vor einem Monat in Homs mit seinem Fahrrad auf dem Heimweg war, stoppten ihn Sicherheitskräfte und seine linke Körperhälfte wurde angeschossen. Seither hat er Schmerzen in der Hüfte. Er ging zu einem medizinischen Zentrum, erhielt aber nur eine Grundversorgung. „Als die Kugel herauskam, haben sie die Wunde gereinigt", erzählt er Dr. Mohamed von Ärzte ohne Grenzen. „Wenn die Kugel in meinem Körper geblieben wäre, hätten sie sie dort gelassen. Sie hatten nicht die Möglichkeit, mehr zu tun. Aber sie reinigten die Wunde. Ich war eine halbe Stunde dort. Es war zu gefährlich, länger zu bleiben. Ich habe keine weitere Behandlung erhalten."

 

Spezialisiertes Team

 

Dr. Mohamed ist aus Amman gekommen, um herauszufinden, ob einer der Neuankömmlinge verwundet wurde und chirurgische Hilfe benötigt. Denn Ärzte ohne Grenzen verfügt über ein spezialisiertes Team, das in einem Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Operationen durchführt. Die Flüchtlingslager in Ramtha sind eher Durchgangslager, in denen Syrer in der Regel nicht sehr lange bleiben. Dr. Mohamed besucht die Lager alle zwei bis drei Tage. Er gibt verwundeten Patienten wie M., die er dort trifft, seine Telefonnummer, so dass sie ihn kontaktieren können, wenn sie Amman erreichen.

„Die verwundeten Menschen, die wir hier sehen, haben bereits eine Notversorgung in Syrien erhalten", sagt er. „Die meisten haben Wunden, die bereits mehrere Wochen oder Monate alt sind. Andererseits schaffen es Menschen, die in sehr ernstem Zustand sind, nicht hierher, sie sind noch immer in Syrien."

 

Geschichten hinter den Wunden

 

Weitere Menschen, die Hilfe brauchen, kommen an. Ein 25-jähriger Patient hebt sein Polo-Shirt und zeigt uns schlimme dunkelrote Spuren auf seinem Rücken. Auf seinen Armen hat er Verletzungen von Gummikabeln. Er wurde verhaftet, als er an einer Demonstration in Deraa teilnahm. Er sagt, dass er im Gefängnis gefoltert wurde. Er wurde 17 Tage lang festgehalten, bevor er nach Damaskus gebracht wurde. Unterwegs wurde er während eines Angriffs der syrischen Armee befreit, sofort machte er sich nach Jordanien auf.

Die Verwundeten haben alle eine Geschichte zu erzählen. Die meisten der Syrer, die Schusswunden haben, brauchen eine Behandlung. In einem anderen Ramtha-Camp, das in einem Stadion aufgebaut wurde, sind alle Flüchtlinge junge Männer. Einige sind verletzt. Ein Mann geht mit Gehstützen, die Kugel hinterließ an seinem linken Bein eine offene Fraktur. Einem anderen Mann wurde ins Gesicht geschossen. Er hat sein rechtes Auge verloren, und sein Oberkiefer ist mehrfach gebrochen. Er kann seinen Mund nicht mehr normal öffnen.

Dr. Mohamed hat die gleiche Nachricht für alle diese jungen verwundeten Männer: „Sie können nach Amman zu einem Chirurgen von Ärzte ohne Grenzen gehen. Er wird sehen, ob eine Operation möglich ist.“

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