Kirgisistan

Kirgisistan: Ärzte ohne Grenzen hilft den Opfern der Ausschreitungen in Osch und kirgisischen Flüchtlingen in Usbekistan

Die seit mehreren Tagen anhaltenden gewalttätigen Zusammenstöße im Süden Kirgisistans haben zu einer Flüchtlingswelle und Hunderten Verletzten geführt. Nach offiziellen Berichten wurden seit dem 10. Juni mindestens 170 Menschen getötet und 1.700 verletzt. Teams von Ärzte ohne Grenzen helfen sowohl in Kirgisistan als auch im benachbarten Usbekistan, wo Tausende kirgisische Flüchtlinge Schutz suchen.

Im kirgisischen Osch wurden zunächst lokale Krankenhäuser mit medizinischem Notmaterial versorgt. Weitere Medikamente, medizinische Materialien, Plastikfolien für Unterkünfte, Wassercontainer, Hygienesets und Kochutensilien sollen am Mittwoch in den Süden des Landes gebracht werden. Außerdem wird in Kürze ein medizinisches Team in Osch erwartet, das versuchen wird, in die ebenfalls stark von den Unruhen betroffene Stadt Jalalabad zu gelangen. Dort werden sich die Mitarbeiter ein Bild von den bestehenden Gesundheitseinrichtungen und den Orten machen, an denen Vertriebene Unterschlupf gefunden haben, und erste Hilfe leisten.

„Neben den vielen Verletzten in Krankenhäusern, die medizinische Hilfe brauchen, gilt unsere größte Sorge den Hunderten von Verletzten, die keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben“, sagt Alexandre Baillat, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kirgisistan. „Manche von ihnen haben Angst, zu medizinischen Einrichtungen zu gehen oder sich überhaupt von dort wo sie sind, wegzubewegen. Andere sind weit weg von der medizinischen Hilfe entlang der Grenze. Sorge macht uns außerdem der Mangel an sauberem Trinkwasser. In Jalalabad war die Wasserversorgung für einige Tage unterbrochen. Da Hunderte Häuser geplündert, zerstört oder niedergebrannt wurden, fehlen auch Nahrungsmittel und andere Dinge zur Grundversorgung.“

75.000 Flüchtlinge in usbekischer Grenzregion

Tausende der Geflüchteten haben entlang der Grenze zu Usbekistan Schutz gesucht. Offiziell wurden in den vergangenen Tagen rund 75.000  Flüchtlinge aus Kirgisistan in der usbekischen Grenzprovinz Andijan registriert. Usbekische Behörden haben mit dem Bau von Lagern begonnen und lokale Krankenhäuser behandeln Verletzte, die über die Grenze gekommen sind.

Ein erstes medizinisches Team ist gestern für eine Erkundung in Andijan angekommen und unterstützt die lokalen Autoritäten dabei, auf den Zustrom der Flüchtlinge zu reagieren. „Am wichtigsten sind die medizinische Versorgung und Materialien, Nahrung und Zelte für notdürftige Unterkünfte“, sagt Andreas Bruender, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Taschkent. „In den nächsten Tagen werden wir zur Unterstützung der Bevölkerung weitere Mitarbeiter in die betroffenen Regionen schicken, insbesondere um die Flüchtlinge medizinisch und psychologisch zu unterstützen. Wir koordinieren unsere Arbeit mit den Behörden und anderen Akteuren auf beiden Seiten der Grenzen, um möglichst effektiv auf die Bedürfnisse zu reagieren.“ 

Ärzte ohne Grenzen betreibt seit 2006 ein Tuberkulose-Programm in kirgisischen Gefängnissen. In Karakalpakstan, einer autonomen Republik in Usbekistan, behandeln Mitarbeiter in den Städten Nukus und Chimbay Patienten mit medikamentenresistenter Tuberkulose. Kürzlich haben die Teams die Aktivitäten in die Distrikte Karauziak and Tahtakupir ausgeweitet. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1997 in Usbekistan.

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