Guinea

Klinische Studien zu Ebola-Medikamenten in Guinea und Liberia gestartet

In Guinea und Liberia haben in Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen klinische Studien mit zwei potentiellen Medikamenten gegen Ebola mit begonnen. Am 17. Dezember startete das französische Forschungsinstitut INSERM in der Stadt Guéckédou in Guinea eine Studie mit dem antiviralen Wirkstoff Favipiravir. Am 1. Januar begann unter der Leitung der Universität Oxford ein klinischer Test mit dem Medikament Brincidofovir  in Liberias Hauptstadt Monrovia.

Auch wenn experimentelle Behandlungsmethoden einen Hoffnungsschimmer für Ebola-Kranke darstellen, bleibt Ärzte ohne Grenzen vorsichtig. Es gibt keine Garantie, dass die Medikamente wirksam und sicher sind. Und selbst wenn sie das sein sollten, stellen neue Medikamente noch lange nicht das Ende der Epidemie dar, die sich weiterhin in den drei am schwersten betroffenen Ländern Westafrikas ausbreitet.

Im Rahmen der Studien wird versucht, so viele Ebola-Kranke wie möglich zu berücksichtigen. Es gibt keine Kontrollgruppen, die statt des Medikaments ein Placebo erhalten. Eine solche Gruppe würde vor allem angesichts der hohen Sterblichkeitsraten Erkrankter ethischen Grundsätzen widersprechen, denn den betroffenen Patienten und Patientinnen würde eine potentiell höhere Überlebenschance verwehrt. Stattdessen werden die Ergebnisse der Testpersonen mit den Aufzeichnungen jener Kranken verglichen, die bereits vor dem Start der Studien in die Behandlungszentren aufgenommen wurden.

Erkrankte nehmen freiwillig teil

Alle neu aufgenommen Ebola-Kranken werden über die Möglichkeit aufgeklärt, im Rahmen der Studien experimentelle Arzneimittel zu erhalten, und können auf Wunsch an den Studien teilnehmen. Alle Patienten und Patientinnen, die sich gegen eine Teilnahme entschließen, erhalten dieselbe unterstützende Behandlung wie die Testpersonen – jedoch ohne die Verabreichung der experimentellen Arzneimittel.

Falls sich ein Medikament in der Studie als sicher und wirksam erweist, wird es im Rahmen der nächsten Phase der Studie Ebola-Kranken in weiteren Behandlungszentren zur Verfügung gestellt. Damit können nach der Zustimmung der nationalen Behörden und eines unabhängigen Ethik-Komitees weitere Ebola-positive Patienten und Patientinnen in Westafrika die Behandlung erhalten.

Guinea: Klinische Studie mit dem Wirkstoff Favipiravir

Die klinische Studie in Guinea wird vom Forschungsinstitut INSERM geleitet. Das antivirale Medikament Favipiravir, das in Guéckédou eingesetzt wird, wird vom japanischen Unternehmen Toyama/FujiFilm hergestellt. Der Wirkstoff führte im Rahmen von Tierversuchen zu guten Testergebnissen und erwies sich am Menschen bei der Anwendung im Rahmen anderer viraler Infektionen als sicher. Doch das Medikament wurde an Menschen nie gegen Ebola eingesetzt. Daher ist es wichtig, die Studienergebnisse abzuwarten, bevor Favipiravir als offizielles Ebola-Medikament empfohlen wird. Die ersten aussagekräftigen Ergebnisse werden nicht vor Sommer 2015 erwartet.

Liberia: Universität Oxford testet Brincidovofir

Am 1. Januar hat die Universität Oxford in der liberianischen Hauptstadt Monrovia eine klinische Studie mit dem Medikament Brincidofovir gestartet. Die Studie, die im Behandlungszentrum "Elwa 3" von Ärzte ohne Grenzen stattfindet, soll ermitteln, ob das antivirale Medikament eine sichere und wirksame Methode zur Therapie von Ebola darstellt.

„Wir wissen, dass Brincidofovir von mehr als 1.000 Patienten in klinischen Versuchen zur Behandlung anderer viraler Infektionen sicher eingenommen wurde. Wir wissen ebenso, dass es sich in Labortests mit Ebola-infizierten Zellen als wirksam erwiesen hat. Wir wissen jedoch bisher noch nicht, ob es auch im menschlichen Körper ein effektives Mittel gegen Ebola darstellt – deswegen ist dieser Versuch notwendig“, erklärt Dr. Jake Dunning, der Leiter der klinischen Studie der Universität Oxford.

Die klinische Studie wurde von der Liberianischen Regulierungsbehörde für Medikamente und Gesundheitsprodukte sowie von Ethikkomitees der Universität von Liberia, von Ärzte ohne Grenzen und der Universität von Oxford genehmigt.

„Jedes mögliche Medikament bringt Hoffnung“

Brett Adamson, medizinischer Koordinator von  Ärzte ohne Grenzen  in Liberia, erklärt dazu: „Jedes mögliche Medikament bringt Hoffnung. Wir sind sehr gespannt, weil wir bei einem erfolgreichen Verlauf künftig unseren Patienten Hilfe anbieten könnten, die über die Behandlung von Symptomen und unterstützende Therapie hinausgeht. Doch selbst wenn die Behandlung wirksam ist, wird sie die Epidemie nicht beenden. Wir befinden uns in Liberia derzeit in einer entscheidenden Phase. Es gibt immer noch mehrere Übertragungsketten. Das heißt: Die Situation ist noch immer nicht unter Kontrolle. Wir brauchen ein koordiniertes und umfassendes Vorgehen. Gemeinsam haben wir aber jetzt eine sehr reale Chance, den Ausbruch in Liberia zu einem Ende zu bringen.“

Die wichtigsten Strategien zur Bekämpfung des Ausbruchs bestehen derzeit weiterhin in Aktivitäten wie der frühzeitigen Aufnahme von Kranken in spezialisierte Einrichtungen, dem gründlichen und vollständigen Nachverfolgen von Kontakten Erkrankter, maßgeschneiderten Aufklärungskampagnen sowie Hygiene-Maßnahmen. Neben der Erforschung anderer Behandlungsmöglichkeiten bleiben auch die Suche nach einem Impfstoff und neue Diagnoseverfahren wichtig.

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