Südsudan

Kritische Lage südsudanesischer Flüchtlinge in Äthiopien

In der äthiopischen Grenzregion Gambella kommen weiterhin laufend Flüchtlinge aus dem Südsudan an, die auf Grund der extremen Gewalt ihr Zuhause verlassen mussten. Viele von ihnen sind tagelang zu Fuß unterwegs auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft und Nahrung. Derzeit sind rund 140.000 südsudanesische Flüchtlinge in Gambella, seit der gewaltsame Konflikt im Dezember 2013 ausgebrochen ist. Mit Ende Juni 2014 erreichen pro Tag zwischen 600 und 800 Menschen das Übergangslager Burubiey – ein Anstieg von täglich rund 100-300 Ankömmlingen im Vergleich zu den vorigen Wochen.

Die Flüchtlingslager in Gambella sind überfüllt: Derzeit sind Pläne in Ausarbeitung, die beiden neuen Lager Kule 1 und 2 zu erweitern, wo aktuell 51.476 bzw. 37.287 Flüchtlinge registriert wurden. Das alte Lager Leitchuor zählt weitere 47.469 Menschen. Viele von ihnen haben noch immer nur Plastikplanen, um sich vor dem Regen zu schützen, obwohl bereits in allen drei Lagern Zelte verteilt wurden.

Neuankömmlinge bleiben anfangs in Übergangslagern wie dem Lager Burubiey, das im Mai ein Ansturm von rund 20.000 Menschen erreichte, die vor den Kämpfen in Nasir geflohen waren. Das Lager wurde Mitte Juni geleert – die Flüchtlinge, die unter äußerst schwierigen Bedingungen lebten, wurden in die permanenten Lager Kule 1 und 2 überstellt. Aufgrund der überschwemmten Straßen wurden für den Transport Boote eingesetzt. Doch das Übergangslager ist wegen eines neuerlichen Zustroms von Menschen bereits wieder voll, die auf ihren Transfer zu dauerhaften Einrichtungen warten. Zusätzlich sind mehr als 7.700 Flüchtlinge in den beiden Übergangslagern Akobo und Pagak untergebracht.

Sauberes Wasser und Sanitäranlagen dringend benötigt

Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser ist ein kritischer Faktor in den überfüllten Lagern – die Menschen brauchen es zum Trinken, Waschen und Kochen. Ärzte ohne Grenzen betreibt eine Wasseraufbereitungsanlage, die im Durchschnitt täglich eine Million Liter sauberes Wasser für die Flüchtlinge bereitstellt. Das Mindestmaß pro Person liegt bei 15 Litern pro Tag: Die Menschen im Lager Pagak werden mit dieser Menge versorgt, während diejenigen im Lager Kule 1 14 Liter täglich erhalten, im Lager Lietchuor 10 Liter und im Lager Kule 1 nur 8 Liter. Eine weitere Priorität sind Hygiene- und Sanitäranlagen. Ärzte ohne Grenzen hat zwei Drittel der insgesamt 1.200 benötigten Latrinen in den Lagern gebaut sowie beinahe alle Stationen, um sich händisch zu waschen. Doch nur 30 der insgesamt 500 benötigten Duschen sind bisher vorhanden.

Unter diesen Umständen ist Mangelernährung ein schwerwiegendes Problem. Die Berichte von Flüchtlingen streichen deutlich hervor, dass der Zugang zu Nahrung und einer sicheren Unterkunft die Hauptgründe sind, nach Gambella zu kommen. „Im Mai ist die südsudanesische Bevölkerung noch vor den Kämpfen geflohen“, erklärt Dr. Natalie Roberts, die medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gambella. „Doch jetzt verlassen sie ihre Heimat auf Grund des Mangels an Nahrung.“

Flucht vor Nahrungsmangel

Viele der Menschen, die die Lager Kule 1 und 2 erreichen, sind bereits mangelernährt. Die Nahrungsmittelversorgung in den Lagern ist nur dürftig; deshalb sind viele Menschen, vor allem Frauen, gezwungen, zu Fuß die neun Kilometer vom Lager Kule 1 bis in die Stadt zu gehen, um ihr Getreide zu mahlen.

Die Rate an Mangelernährung bleibt Mitte Juni weiterhin hoch: 20% sind mangelernährt, 6% schwer mangelernährt. Es zeichnet sich eine Verbesserung im Vergleich zu den vorhergehenden Wochen ab, doch die Raten liegen weiterhin über dem Notfall-Pegel, der eintritt, sobald 5% der Kinder unter schwerer Mangelernährung leiden.

Kinder besonders krankheitsanfällig

Kinder sind am anfälligsten für Krankheiten wie Atemwegserkrankungen, Durchfall und aktuell Malaria, da die Regenzeit begonnen hat. Seit dem Ende der Masern-Epidemie in Gambella im Mai betreffen die nun diagnostizierten Fälle hauptsächlich Neuankömmlinge aus dem Südsudan. Cholera ist auf Grund des aktuellen Ausbruchs im Südsudan ein weiteres Risiko. Ärzte ohne Grenzen plant daher nach der Genehmigung durch das Gesundheitsministerium, der äthiopischen Verwaltungsbehörde für Flüchtlinge und Rückkehrende (ARRA) und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) eine Impfkampagne für rund 130.000 Menschen – sowohl für Flüchtlinge als auch für die lokal ansässige Bevölkerung.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen führten seit Anfang März 2014 im Lager Lietchuor und in Itang insgesamt 35.361 medizinische Konsultationen durch – in den Lagern Kule 1 und 2 waren es während einer einzigen Woche Mitte Juni 2.523 Konsultationen. Im selben Zeitraum behandelte Ärzte ohne Grenzen 812 Malaria-Fälle in Lietchuor, Itang, Burubiey, Kule 1 und 2 – die Organisation geht davon aus, dass diese Zahlen noch weiter ansteigen werden. Ärzte ohne Grenzen behandelte von März bis Juli 2014 insgesamt 1.060 Kinder in den beiden intensivtherapeutischen Ernährungszentren.

Die Mortalitätsrate in den beiden Krankenhäusern im Lager Lietchuor mit 100 Betten sowie in Itang mit 130 Betten konnte Ende Juni erfolgreich gesenkt werden auf 11% bzw. 7% - doch die Situation könnte sich in Anbetracht der Regenzeit und dem Anstieg damit in Verbindung stehender Epidemien verschlechtern.

Ärzte ohne Grenzen versorgt derzeit südsudanesische Flüchtlinge in den Übergangslagern Pagak und Burubiey, in den drei Flüchtlingslagern Lietchuor, Kule 1 und 2 sowie in Itang. Überdies stellt Ärzte ohne Grenzen weiterhin Trinkwasser und Sanitäranlagen bereit in den Lagern Pagak, Kule 1 und 2 sowie Burubieys in der Region Gambella in Äthiopien.

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