Liberia

Liberia: Ebola-Übergangszentrum in Monrovia eröffnet

Ärzte ohne Grenzen hat in der Nähe des staatlichen Redemption-Krankenhauses in Monrovia ein Ebola-Übergangszentrum mit zehn Betten eröffnet. Das Zentrum liegt im dicht besiedelten Slum New Kru Town in den äußeren Stadtvierteln der Hauptstadt. So soll das Krankenhaus bei einer sicheren Wiederinbetriebnahme unterstützt werden – es ist eines der wenigen öffentlichen Einrichtungen, die kostenfreie medizinische Versorgung anbieten.

Das liberianische Gesundheitssystem wurde durch die Ebola-Epidemie hart auf die Probe gestellt: Viele Krankenhäuser sind derzeit geschlossen, und die noch geöffneten Kliniken schicken Patientinnen und Patienten mit Symptomen wie Fieber oder Erbrechen aus Angst vor einer Ebola-Ansteckung fort.

Ein einziges öffentliches Spital für 90.000 Menschen

Das Redemption-Krankenhaus ist eine öffentliche Einrichtung mit 200 Betten. Der reguläre Betrieb musste eingestellt werden – das Spital wurde am Höhepunkt der Krise im August 2014 in ein Aufnahmezentrum für Ebola-Erkrankte umgewandelt. Es ist die einzige Einrichtung, die in einem Einzugsgebiet für die rund 90.000 Menschen in Monrovia kostenlose medizinische Versorgung anbietet. Die Schließung war ein schwerer Schlag für die Bevölkerung der Stadt – vor allem für jene, die sich keine privaten Gesundheitsleistungen leisten können. Viele Patientinnen und Patienten sowie Gesundheitsfachkräfte sind seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie verstorben – das Krankenhaus wurde daher im Oktober komplett geschlossen.

Übergangszentrum für Ebola-Erkrankte

Auch wenn die ambulante Aufnahme für Menschen mit leichten Erkrankungen wiederöffnet wurde, bleiben alle anderen Bereiche des Krankenhauses für die Öffentlichkeit geschlossen. Seit Mitte November arbeitet Ärzte ohne Grenzen daran, so viele Ebola-Erkrankte aus New Kru Town wie möglich zu isolieren: Einerseits durch die Unterstützung der Patienten-Aufnahme in der Ambulanz des Krankenhauses; andererseits mit der Eröffnung des Übergangszentrums. Dieses ermöglicht eine rasche Isolation, Diagnose und Überstellung an ein Ebola-Behandlungszentrum, sobald ein Verdachtsfall auftritt. Diese Schritte sollen dem Krankenhaus helfen, seine Rolle als sekundäre Gesundheitseinrichtung wieder wahrnehmen zu können.

„Die Schließung des Redemption-Krankenhauses war für die Menschen in Monrovia dramatisch. Sie haben keine andere Möglichkeit, eine kostenlose medizinische Gesundheitseinrichtung aufzusuchen“, erklärt Sebastian Stein, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Monrovia. „Es ist essentiell, dem Krankenhaus eine rasche und sichere Wiedereröffnung zu ermöglichen sowie das Vertrauen in das Gesundheitssystem und medizinische Fachkräfte wiederaufzubauen.“

Screening-Prozess ermöglicht rasche Isolation und Diagnose

Wer die Ambulanz des Krankenhauses oder das Übergangszentrum aufsucht, muss einen Screening-Prozess durchlaufen. Dabei wird die erkrankte Person von speziell ausgebildeten Pflegefachkräften auf Ebola-Symptome untersucht. Danach wird entschieden, ob der Kranke eine reguläre ärztliche Sprechstunde besuchen kann oder im 10-Betten-Zentrum aufgenommen werden muss. Im Zentrum entnimmt Ärzte ohne Grenzen der betroffenen Person eine Blutprobe – sie erhält daraufhin ein eigenes Zimmer und wird mit Medikamenten, Nahrung und Wasser versorgt, bis Testergebnis eintrifft. Wenn im Test Ebola festgestellt wird, arrangiert Ärzte ohne Grenzen die rasche Überstellung des Kranken für die weitere Behandlung in ein Ebola-Behandlungszentrum.

„Unserer Meinung nach müssen dringend Maßnahmen zur Infektionskontrolle und Möglichkeiten zur Vorselektion von Ebola-Fällen in Gesundheitseinrichtungen eingerichtet werden. Nicht nur, um die Verbreitung von Ebola zu reduzieren, sondern auch um zu verhindern, dass Menschen an vermeidbaren Krankheiten und unbehandelten Komplikationen sterben“, erläutert Stein.

Desinfektion aller Stationen notwendig

Die Leitung des Krankenhauses ist äußerst erfreut über das neu eröffnete Übergangszentrum – doch es muss noch viel getan werden, bis das Spital voll funktionstüchtig ist. Eine der Aufgaben besteht darin, alle stationären Bereiche des Spitals zu desinfizieren: Eine enorme Herausforderung, um die sich dankenswerter Weise das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) kümmert. Die Organisation arbeitet derzeit pausenlos daran, eine Ebola-freie Umgebung innerhalb des Krankenhausgeländes zu schaffen.

Ärzte ohne Grenzen hat seit der Eröffnung Gebietsvorsteher, religiöse Führer und Vorsitzende gemeindebasierter Organisationen aus dem Bezirk Monserrado zu einem Besuch des Zentrums eingeladen. Denn die Miteinbeziehung der Gemeinden und deren Verständnis sind essentiell für die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs. So können die Vertreter mit eigenen Augen sehen, wie das Zentrum aufgebaut ist und verstehen, welche wichtige Rolle die Einrichtung dabei spielt, die Gemeinden im Kampf gegen das Virus zu unterstützen.

Aufklärungsarbeit zur Vorbeugung von Gerüchten

Besuche wie diese helfen, wichtigen MultiplikatorInnen zu zeigen, was in den abgeschlossenen Bereichen geschieht – das hilft bei der Vorbeugung von Gerüchten und Missverständnissen und der Entmystifizierung von Ebola-Zentren.

Aus demselben Grund ist das Übergangszentrum auch für Familienmitglieder von Erkrankten geöffnet, bei denen Verdacht auf eine Ebola-Infektion besteht. In einem bestimmten Bereich können sie ihre Verwandten, die sich im Isolationsbereich befinden, sehen und mit ihnen sprechen. Vor Ort sind auch Teams zur Gesundheitsaufklärung und psychosozialen Unterstützung, um sowohl Erkrankten als auch deren Familienmitgliedern zu helfen.

„Die Menschen müssen verstehen, was passiert – von ihrer Aufnahme im Übergangszentrum und einer potentiellen Überstellung in ein Ebola-Behandlungszentrum bis zu einer möglichen Entlassung“, so Stein. „Unsere Teams begleiten auch Überlebende während ihrer Reintegration in ihren Gemeinden, den die Stigmatisierung ist ein großes Thema für Ebola-Überlebende.“

Ärzte ohne Grenzen betreibt in Liberia sowohl ein Ebola-Behandlungszentrum mit 240 Betten in Monrovia als auch ein 10-Betten-Zentrum in Foya. In die Bezirke River Cess und Grand Bassa wurden mobile Notfallteams entsendet, wo sie Aufklärungsarbeit leisten und Malaria-Medikamente verteilen.

Seit März 2014 arbeitet Ärzte ohne Grenzen in Westafrika an der Eindämmung der Ebola-Epidemie. Derzeit ist die Organisation in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Mali tätig. Die Organisation betreibt sechs Ebola-Behandlungszentren mit einer Gesamtkapazität von mehr als 600 Betten. Seit März hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 6.500 Menschen stationär aufgenommen, von denen rund 4.100 positiv auf Ebola getestet wurden – knapp 1.800 haben sich erholt. Derzeit arbeiten rund 300 internationale und mehr als 3.100 nationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den betroffenen Gebieten.

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