Liberia

Liberia: Neue Ebola-Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen bereits überfüllt

Ärzte ohne Grenzen weitet seine Hilfsaktivitäten in Liberia rapide aus, da die internationale Reaktion auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika weiterhin chaotisch und völlig unzureichend ist. Das neueste Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Monrovia, ELWA3, ist mit 120 belegten Betten bereits ausgelastet. Daher ist ein weiterer Ausbau gerade im Gange. Auch im Norden des Landes strömen weiterhin Patienten in das neu eröffnete Behandlungszentrum in Foya.

"Es ist einfach unannehmbar, dass fünf Monate nach der Feststellung dieses Ebola-Ausbruchs erst jetzt ernsthafte Diskussionen über die internationale Führung und Koordination beginnen", erklärt Brice de le Vingne, Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel. "Jene Staaten, die in den betroffenen Ländern mit ihrem Know-how und ihren Ressourcen einen Unterschied machen können, kümmern sich ausschließlich um ihren Selbstschutz. Sie können mehr tun, warum tun sie es nicht?"

Die Epidemie breitet sich in Monrovia rasch aus, die wenigen medizinischen Einrichtungen, die Ebola-PatientInnen aufnehmen, sind überfordert. Viele medizinische Einrichtungen der Stadt haben geschlossen, weil PatientInnen wie Personal Angst vor dem Virus haben. Somit haben viele Menschen gar keine Gesundheitsversorgung, was die bestehende Katastrophe durch eine weitere vergrößert.

Nicht nur ein Ebola-Ausbruch sondern eine humanitäre Katastrophe

"Nach einem Erdbeben wäre es undenkbar, so wenige Einrichtungen zu haben, in denen sichere Geburten durchgeführt werden können, oder wo Menschen in Lebensgefahr behandelt werden", sagte Lindis Hurum, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Monrovia. "Wir haben es hier nicht nur mit einem Ebola-Ausbruch zu tun - sondern mit einer humanitären Katastrophe, und diese erfordert eine umfassende humanitäre Reaktion."

Die Anzahl der Menschen, die in das neu errichtete 120 Betten-Zentrum in Monrovia kommen, wächst schneller als dass das Team es bewerkstelligen kann - sowohl was die Anzahl der Betten als auch die Kapazitäten des Personals betrifft. Die PatientInnen kommen aus fast jedem Bezirk der Stadt. Das Personal kämpft damit, alle Neuankömmlinge zu untersuchen, aufgenommene Patienten zu pflegen, Verstorbene sicher aus den Räumlichkeiten und ins Krematorium zu bringen.

Beispiellose Anzahl von PatientInnen – mit anderen Ausbrüchen nicht vergleichbar

"Die Anzahl der PatientInnen, die zu uns kommen, ist beispiellos und nicht mit anderen Ausbrüchen vergleichbar" erklärt Hurum. "Unsere Richtlinien wurden für Ebola-Zentren mit 20 Betten geschrieben, und nun expandieren wir auf mehr als 120 Betten. Das bedeutet, wir müssen uns permanent neu anpassen und 24 Stunden am Tag Gesundheits- und Hygienepersonal einstellen und ausbilden. Die Prioritäten sind die Aufrechterhaltung eines sicheren Behandlungszentrums, in dem Verdachtsfälle, wahrscheinliche Fälle und bestätigte Fälle voneinander getrennt werden und eine anteilnehmende Pflege der PatientInnen gewährleistet werden kann."

Wie alle Ebola-Behandlungszentren spielt auch ELWA3 eine wichtige Rolle dabei, die Ausbreitung zu verlangsamen, indem Ebola-PatientInnen isoliert und damit Neuinfektionen verhindert werden. Allerdings zwingt der beispiellose Zustrom von PatientInnen Ärzte ohne Grenzen dazu, den Umfang der medizinischen Hilfe zu reduzieren. So ist es beispielsweise momentan nicht möglich, intravenöse Behandlungen vorzunehmen. Ärzte ohne Grenzen bereitet sich auf weitere Ausbauten vor und die Einrichtung von drei größeren Zelten mit Raum für jeweils 40 Betten.

Die Teams arbeiten rund um die Uhr daran, die Epidemie einzudämmen

In Foya, einer sehr abgelegenen Gegend nahe der guineischen Grenze, verstärkt der Mangel an Unterstützung die Notsituation. Behandlungsteams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten rund um die Uhr daran, die Epidemie einzudämmen, das örtliche Ebola-Behandlungszentrum hat momentan 67 Patienten.

"Wir sind in eine extrem chaotische Situation gekommen, und es sind nahezu keine Hilfsorganisationen auszumachen", sagt Hugues Robert, Notfall-Manager für Ärzte ohne Grenzen. „An einigen Orten um Foya mangelt es dem Gesundheitsministerium an Schutzausrüstung, die für die medizinische Versorgung der PatientInnen elementar ist. Zudem sind dort die Kapazitäten begrenzt, wenn es um die sichere Bestattung und Ambulanzdienste für PatientInnn geht. Unterstützung wird benötigt. Neben der medizinischen Hilfe wird eine weitere Priorität von uns sein, die Öffentlichkeit über die Krankheit aufzuklären und darüber, wie eine Ansteckung verhindert werden kann."

Nigeria: Technische Hilfe für Patienten-Isolierung, Trainings und Aufklärung u.a.

Auch in Nigeria hat Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Lagos kürzlich begonnen, die Gesundheitsbehörden in ihrem Kampf gegen den Ebola-Ausbruch technisch zu unterstützen. Die Organistion stellt technische Fachhilfe in den Bereichen Patienten-Isolierung, Suche nach Kontaktpersonen, Training und öffentliche Aufklärung zur Verfügung. Nach aktuellem Stand benötigt Nigeria keine praktische Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen begann seinen Ebola-Einsatz in Westafrika im März 2014 und ist momentan in Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone vor Ort. Die Organisation führt fünf Ebola-Behandlungszentren mit einer Gesamtkapazität von 415 Betten. Ärzte ohne Grenzen hat seit März insgesamt 1.885 Patienten aufgenommen. 907 davon wurden positiv auf Ebola getestet- 170 von ihnen überstanden die Krankheit und sind jetzt gesund. 184 internationale Mitarbeiter und 1.800 nationale Mitarbeiter sind für Ebola im Einsatz.

Weitere Informationen:  Details zu Ebola  und  aktuelle Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Westafrika  

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