Liberia

Liberia: Universität Oxford testet potenzielles Medikament gegen Ebola in Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen

Am 1. Januar hat die Universität Oxford in der liberianischen Hauptstadt Monrovia eine klinische Studie zur Behandlung von Ebola mit dem Medikament Brincidofovir gestartet. Die Studie, die im Behandlungszentrum "Elwa 3" von Ärzte ohne Grenzen stattfindet, soll ermitteln, ob das antivirale Medikament eine sichere und wirksame Methode zur Therapie von Ebola darstellt. Ärzte ohne Grenzen hofft, dass Brincidofovir den Patienten helfen kann, eine Infektion zu überleben.

Das Experiment ist ohne Kontrollgruppe angelegt. Um die Effektivität zu messen, werden die Behandlungsergebnisse der Patienten, die am Experiment teilnehmen, mit jenen der Patienten verglichen, die in einer früheren Phase des Ebola-Ausbruchs in "Elwa 3" behandelt wurden. Patienten einer Kontrollgruppe unwissentlich ein Placebo statt des Medikaments zu verabreichen, wie es sonst in klinischen Studien üblich ist, wurde angesichts des gegenwärtigen Ebola-Ausbruchs als unethisch erachtet.

„Wir wissen, dass Brincidofovir von mehr als 1.000 Patienten in klinischen Versuchen zur Behandlung anderer viraler Infektionen sicher eingenommen wurde. Wir wissen ebenso, dass es sich in Labortests mit Ebola-infizierten Zellen als wirksam erwiesen hat. Wir wissen jedoch bisher noch nicht, ob es auch im menschlichen Körper ein effektives Mittel gegen Ebola darstellt – deswegen ist diese Studie notwendig“, erklärt Dr. Jake Dunning, der Leiter der klinischen Studie der Universität Oxford.

Alle neuen Patienten mit positivem Ebola-Bluttest haben die Möglichkeit, an dem Experiment teilzunehmen, wenn sie nach erfolgter Aufklärung einwilligen. Diejenigen, die sich gegen die experimentelle Behandlung entscheiden, erhalten dieselbe unterstützende Therapie wie diejenigen, die zustimmen - jedoch ohne die Verabreichung des Medikaments.

„Jedes mögliche Medikament bringt Hoffnung. Wir sind sehr gespannt, weil wir bei einem erfolgreichen Verlauf künftig unseren Patienten Hilfe anbieten könnten, die über die Behandlung von Symptomen und unterstützende Therapie hinausgeht“, sagt Brett Adamson, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. „Selbst wenn sie wirksam ist, wird diese Behandlung die Epidemie aber nicht beenden. Wir befinden uns in Liberia derzeit in einer entscheidenden Phase. Es gibt immer noch mehrere Übertragungsketten. Das heißt: Die Situation ist noch immer nicht unter Kontrolle. Wir brauchen ein koordiniertes und umfassendes Vorgehen. Gemeinsam haben wir aber jetzt eine sehr reale Chance, den Ausbruch in Liberia zu einem Ende zu bringen.“

Falls sich Brincidofovir als sicher und wirksam erweist, wird es im Rahmen der nächsten Phase der klinischen Studie auch Ebola-Patienten in anderen Behandlungszentren zugänglich gemacht.

Die klinische Studie wurde von der Liberianischen Regulierungsbehörde für Medikamente und Gesundheitsprodukte sowie von Ethikkomitees der Universität von Liberia, von Ärzte ohne Grenzen und der Universität von Oxford genehmigt.

Seit Juli 2014 behandelt Ärzte ohne Grenzen Ebola-Patienten in Liberia. Derzeit betreibt die Organisation ein 50-Betten-Behandlungszentrum in Paynesville, einem Vorort von Monrovia, eine 10-Betten-Station im Redemption-Krankenhaus im Vorort New Kru Town sowie Gesundheitsaufklärung in der ganzen Stadt. Ärzte ohne Grenzen beschäftigt in Liberia insgesamt etwa 1.400 liberianische und internationale Mitarbeiter. Diese haben mehr als 1.600 positiv getestete Ebolapatienten behandelt. Ärzte ohne Grenzen ist ebenso an einer klinischen Studie in der Stadt Guéckédou in Guinea beteiligt. In den kommenden Wochen soll eine weitere Studie in der guineischen Hauptstadt Conakry beginnen.

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