Libyen

Libyen: Auch nach Ende des Krieges benötigt das Land dringend medizinische Hilfe

Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) leisten nach wie vor medizinische Unterstützung für Migranten und Migrantinnen, Vertriebene und Gefangene in den Städten Tripolis und Misrata. Außerdem liegt ein Schwerpunkt der Unterstützung auf psychologischer Hilfe, die nach den vielen Monaten der Gewalt dringend nötig ist.

Ärzte ohne Grenzen erwartet, dass der Bedarf an psychologischer Hilfe im Laufe der kommenden Monate weiter steigen und auch noch lange hoch bleiben wird. Um zu vermeiden, dass sich kriegsbedingte Traumata weit in der Bevölkerung verbreiten und dadurch schwer therapierbar werden, ist eine früh einsetzende und zielgerichtete Behandlungsstrategie notwendig.  

Großer Bedarf an Hilfe

In Tripolis arbeitet Ärzte ohne Grenzen noch immer in vier Lagern, in denen insgesamt rund 4.000 Migranten afrikanischer Herkunft und Vertriebene der Minderheit der Tawargha leben. Die Teams leisten dort Basisgesundheitsversorgung und psychologische Hilfe für Einzelpersonen und Gruppen. Jeden Tag besuchen drei Pflegefachkräfte und zwei Psychologen die Lager und leisten Basisgesundheitsversorgung. Seit September haben mehr als 200 Patienten und Patientinnen durch Ärzte ohne Grenzen individuelle psychologische Hilfe erhalten, 33 Gruppensitzungen wurden organisiert. Die Menschen in den Lagern sind nach wie vor Einschüchterungen, Diebstählen und Angriffen ausgesetzt. Viele von ihnen  leiden unter Depression, Schlafstörungen, Angstattacken oder post-traumatischem Stress.  In Tripolis und in Misrata hat Ärzte ohne Grenzen 20 libysche Psychologen und Psychologinnen in mehreren Trainings in der Behandlung von kriegsbedingten psychologischen Reaktionen geschult. In Libyen gibt es zwar nach wie vor psychologische Schulungen, doch es fehlt an passenden Lehrgängen. Auch sind die einheimischen Spezialisten mittlerweile überfordert mit den vielen kriegsbedingten psychologischen Störungen, die sie behandeln müssen.

In Schulen und Gefängnissen

In Misrata verbrachte die Bevölkerung mehr als sechs Monate im Zentrum des Konflikts. Ärzte ohne Grenzen ist in vier Gefängnissen, rund 15 Schulen, sechs Krankenhäusern und Gesundheitszentren im Einsatz. In den Gefängnissen macht das Team Nachuntersuchungen bei Verwundeten, führt  chirurgische Eingriffe durch, darunter Hauttransplantationen, und führt die orthopädische Behandlung nach Brüchen weiter. In den vergangenen vier Wochen hat Ärzte ohne Grenzen an die 2.000 Wunden versorgt und 40 plastische oder orthopädische Operationen durchgeführt. In Misrata basiert ein Teil der psychologischen Hilfe  auf einem die Gemeinschaften umfassenden Zugang, vor allem unter Beteiligung von Frauenvereinigungen. Das Ziel des Programms ist, den Menschen direkte psychologische Hilfe zukommen zu lassen und sie zu schulen, damit sie Support-Gruppen bilden können. So können sie jene Personen erkennen und an die Expertenteams überweisen, die individuelle psychologische Hilfe brauchen. Seit Beginn des Programms haben über 450 Patienten und Patientinnen individuelle psychologische Behandlung erhalten und an die 100 verschiedene therapeutische Community-Gruppen wurden gebildet und haben Basistraining in psychologischer Hilfe erhalten. Ärzte ohne Grenzen ist seit 24. Februar in Libyen und hat in Bengasi, Tripolis, Misrata, Zintan, Yefran, Sirte und Zawiyah, wie auch an der tunesischen Grenze Hilfe geleistet.  Die Teams haben auch die Evakuierung von 135 Verletzten über das Mittelmeer von Misrata nach Tunesien organisiert. Insgesamt hat Ärzte ohne Grenzen in Libyen bisher über 12.000 medizinische Behandlungen durchgeführt.

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