Libyen

Libyen: Medizinische Notversorgung in Sirte

Ärzte ohne Grenzen hat am Montag Medikamente und medizinisches Material in die heftig umkämpfte libysche Stadt Sirte geliefert, darunter ein Gerät zur Sauerstoffversorgung und Verbandsmaterial. Die Situation in den Krankenhäusern verschlechtert sich nach Auskunft der Ärzte in der Stadt zunehmend.

„Die Ärzte erzählen uns, dass ihr Krankenhaus mit Verletzten überfüllt ist und dass sie sich nicht mehr um dringend notwendige Behandlungen von Kindern und Schwangeren kümmern können. Auch Patienten mit chronischen Krankheiten können nicht mehr versorgt werden“, erzählt Mégo Terzian, der den Nothilfeeinsatz von Ärzte ohne Grenzen leitet. „Außerdem fallen immer wieder Strom und Wasser aus – und es fehlen wichtige Medikamente. Es werden dringend Betäubungsmittel, Antibiotika, Schmerzmittel und Blutkonserven für Transfusionen benötigt. Falls das noch Tage oder gar Wochen so bleibt, dann werden wir eine dramatische Situation erleben.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen hatten sich wochenlang darum bemüht, die Krankenhäuser in Sirte zu unterstützen. Zunächst konnten sie aufgrund der Kämpfe lediglich Medikamente in eine Kleinstadt zehn Kilometer vor Sirte bringen.

Erste Hilfe an der Front

In der Nähe der Frontlinien um Sirte und Bani Walid wird den Verwundeten Erste Hilfe geleistet. Fünfzig Kilometer von Sirte entfernt wurde eine Versorgungsstation in einer ehemaligen Ferienwohnung eingerichtet. Ärzte ohne Grenzen hat den Aufbau dieser Einrichtung logistisch unterstützt, medizinisches Material bereitgestellt und eine Erste-Hilfe-Ausbildung organisiert. Sobald die Verwundeten medizinisch stabil sind, werden sie mit Krankenwagen oder Hubschraubern nach Misrata oder Tripolis verlegt, wo sich die nächstgelegenen Krankenhäuser mit Operationssaal befinden.

Im Krankenhaus von Kasr Ahmed in Misrata übernimmt ein chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen die Notfälle und die Verwundeten. Das Team behandelt auch Kriegsgefangene, die in den Gefängnissen der Stadt festgehalten werden und für chirurgische Eingriffe in das Krankenhaus verlegt werden.

Hilfe für Vertriebene

Zivilisten flüchten aus den Hochburgen des bisherigen Regimes Sirte und Bani Walid. Einige schaffen es bis nach Tripolis, während sich andere bei Verwandten in der Nähe von Misrata verstecken oder Vertriebenenlager aufsuchen. Ärzte ohne Grenzen beobachtet die Lage in diesen Camps, um der vertriebenen Bevölkerung Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen. In der Stadt Al Hicha leben 2.000 Menschen in einem solchen Lager. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die libyschen Ärzte auch dort mit Medikamenten.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Februar in Libyen tätig. Teams der Organisation versorgen die Krankenhäuser in Jafran und Sintan im Westen des Landes mit Medikamenten und medizinischem Material und leisten psychologische Hilfe. In Misrata sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit in der Gesundheitsversorgung von Gefangenen tätig – oft handelt es sich um gefangengenommene Kämpfer – und betreuen sie psychologisch. Auch Einwohnerinnen und Einwohner von Misrata können psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen. In Tripolis verteilen Teams Hilfsgüter an Migranten in mehreren Lagern und betreuen sie ebenfalls psychologisch.

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